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Wegen Trumps Einreisepolitik : Weniger Ausländer für das Silicon Valley

  • Aktualisiert am

Weniger Vielfalt: Technologie-Arbeitskräfte aus dem Ausland könnten demnächst zu Hause bleiben, statt in die Vereinigten Staaten umzuziehen. Bild: AFP

Erst machte das Silicon Valley Schlagzeilen wegen Frauenmangels und Sexismus. Bald könnte die Vielfalt der Belegschaften weiter abnehmen: Wegen Trumps Einreisepolitik schläft das Anwerben von ausländischen Talenten zunehmend ein.

          Im Silicon Valley verzichten immer mehr Technologie-Unternehmen darauf, Arbeitskräfte aus dem Ausland einzustellen. Dahinter könnte die Furcht vor Einwanderungs-Restriktionen durch den Präsidenten Donald Trump stehen. Das berichtet die Zeitung Financial Times.

          Das Blatt beruft sich auf Daten der Rekrutierungs-Plattform Hired, die auf die Tech-Branche spezialisiert ist. Demzufolge ist die Zahl der Ausländer, die von Arbeitgebern zu Vorstellungsgesprächen eingeladen wurden, im ersten Quartal im Vergleich zum Vorjahr um 46 Prozent gefallen und im zweiten Quartal noch einmal um 37 Prozent. Die Daten stammen von mehr als 10.000 Unternehmen.

          Arbeitnehmer aus dem Ausland sind zudem deutlich zurückhaltender darin, sich bei amerikanischen Technologieunternehmen zu bewerben, seitdem Donald Trump zum Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt wurde. Im Vergleich des dritten mit dem vierten Quartals 2016 sank der Anteil der angenommenen Einladungen zum Vorstellungsgespräch um 4 Prozent, hieß es. Die Plattform Hired funktioniert vor allem so, dass Arbeitgeber Gesprächsangebote an Kandidaten aus einer Datenbank schicken; seltener läuft es andersherum.

          Geringer Frauenanteil - bald auch geringer Ausländeranteil?

          Mit dem geringeren Interesse von Ausländern an Jobs im Silicon Valley könnte die Vielfalt der Belegschaften dort weiter abnehmen: Zum ohnehin schon geringen Frauenanteil käme dann noch ein geringerer Ausländeranteil. Schon seit längerem macht das Technologie-Tal Schlagzeilen, weil offenbar ein sexistischer Ton in einigen Unternehmen herrscht, die stark männerdominiert sind. In einer Art Revolte gegen Diversity-Anstrengungen seines Unternehmens hatte diese Woche ein ehemaliger Google-Mitarbeiter Schlagzeilen gemacht, indem er ein frauenfeindliches Papier veröffentlichte. Er wurde gefeuert.

          Der Chef von Hired, Mehul Patel, sagte, die Arbeitgeber würden hinsichtlich der Rekrutierungen aus dem Ausland „in der Luft hängen“, weil sie sich vor einer weiteren Verringerung der einreiseberechtigten Ausländer sorgten, die unter Trump drohen könnte. Gleichzeitig herrsche Angst vor einem Mangel an Talenten. Die Technologieunternehmen leiden traditionell unter einem ständigen Bedarf an Fachkräften, weil Entwickler und Programmierer fehlen. „Die Unsicherheit führt zu einer gewissen Starre“, sagte Patel der „Financial Times“.

          Auf der Plattform Hired ließ sich eine ähnliche Entwicklung beobachten, nachdem Großbritannien für den Brexit gestimmt hatte. Damals ging der Anteil der britischen Technologieunternehmen, die Ausländern Jobangebote machten, um fast 30 Prozent zurück.

          Patel sagte für Amerika voraus, dass die Technologieunternehmen künftig die Gehälter für Software-Entwickler womöglich noch weiter erhöhen müssten. Außerdem seien sie künftig wohl gezwungen, noch stärker auf Freiberufler zurückzugreifen. In einer Umfrage unter mehr als 300 Arbeitnehmern aus der amerikanischen Technologiebranche fand Hired heraus, dass 40 Prozent mit dem Gedanken spielen, die Vereinigten Staaten zu verlassen und ins Ausland umzuziehen. Die meisten wollen nach Kanada; auf Platz 2 der Wunschziele steht Deutschland.

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          Quelle: nab.

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