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Führungskräfte : Männlich, deutsch, kinderlos

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Auf der Suche nach den Führungskräften von morgen - wie viele Frauen werden dabei sein? Unser Bild zeigt Headhunter in Frankfurt. Bild: Rainer Wohlfahrt

Welche Eigenschaften hat die typische deutsche Führungskraft? Wie alt ist sie, wie viele Stunden in der Woche sitzt sie am Schreibtisch? Und ist sie heute öfter eine Sie oder noch immer meist ein Er? Diese Daten geben Aufschluss.

          In den Chefetagen geht es in Sachen Frauenanteil voran: Dem neuen Führungskräftemonitor des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) zufolge hat sich der Anteil von Frauen in Führungspositionen zwischen 1995 und 2015 um rund zehn Prozentpunkte vergrößert - auf nun etwa 30 Prozent. Jedenfalls ist das dann der Fall, wenn man nicht nur Vorstände und Aufsichtsräte, sondern auch niedrigere Führungspositionen mit berücksichtigt. Allerdings bleiben die Frauen in den Chefetagen damit noch immer deutlich in der Minderheit.

          Zudem verdienen Frauen in Führungspositionen nach wie vor weniger als ihre männlichen Kollegen, wobei die Studie hier nicht zwischen Hierarchieebenen und Branchen differenziert. Die Verdienstlücke liegt demnach bei 23 Prozent und hat sich in den vergangenen Jahren im Mittel leicht verringert.

          Frauen auch in der Chefetage häufiger in Teilzeit

          Die Studie verrät aber weit mehr als nur die Geschlechter-Aufteilung und die Verdienstunterschiede über die deutschen Führungskräfte. Denn sie erfasst - meist nach Geschlechtern geordnet - viele Eigenschaften und Lebensgewohnheiten deutscher Chefs. Etwa, wie lange sie arbeiten. Frauen in Führungspositionen schaffen es häufiger, pünktlich nach Hause zu gehen oder gar ihre Position in einer Teilzeitstelle auszuüben: Viel mehr weibliche als männliche Führungskräfte gaben an, weniger als 35 Stunden in der Woche zu arbeiten. Dagegen gaben viel mehr männliche als weiblich Führungskräfte an, mehr als 50 Stunden in der Woche am Schreibtisch zu sitzen. Im Mittelfeld, zwischen 35 und 50 Stunden, waren Männer und Frauen etwa gleich häufig unterwegs.

          Die Daten geben auch Aufschluss über das Alter und die Herkunft der Führungskräfte: Weibliche Chefs sind demnach im Durchschnitt mit 41 Jahren knapp drei Jahre jünger als männliche. Die Führungskräfte hierzulande sind noch immer in der großen Mehrzahl deutsch. Der Anteil an Führungskräften mit Migrationshintergrund ist aber gestiegen: Zuletzt betrug er unter den männlichen Chefs 22 Prozent und unter den weiblichen 27 Prozent.

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          Relativ offensichtlich ist die Erkenntnis, dass Menschen in Führungspositionen überdurchschnittlich gut qualifiziert sind: Im Schnitt sind sie drei Jahre länger zur Schule und Hochschule gegangen als der Rest der Arbeitnehmerschaft. 70 Prozent besitzen einen Hochschulabschluss.

          Frauen in Führungspositionen sind seltener verheiratet und leben auch seltener mit ihrem Partner zusammen als Männer in Führungspositionen. Und nur selten leben Führungskräfte mit Kindern unter 16 Jahren in einem Haushalt - besonders bei Führungsfrauen ist das die Ausnahme. 73 Prozent der befragten weiblichen Chefs und 65 Prozent der befragten männlichen Chefs gaben an, kinderlos zu sein oder schon ältere Kinder zu haben. 13 Prozent der Führungskräfte beschäftigen eine Haushaltshilfe - das gilt für Männer wie für Frauen.

          Trotzdem machen die weiblichen Führungskräfte noch mehr selbst im Haushalt als die männlichen: 86 Prozent der Frauen machte zusätzlich zum Job täglich noch mindestens eine Stunde Hausarbeit. Nur bei 58 Prozent der Männer war das der Fall; dafür wendeten die Männer mehr Zeit für Reparaturen und Instandhaltungsarbeiten im Haushalt auf.

          Die Studie basiert auf Daten des sozio-ökonomischen Panels und damit auf einer repräsentativen Befragung der immer gleichen Haushalte, die in regelmäßigen Abständen wiederholt wird. 2015 standen Daten von insgesamt 27.000 Befragten zur Verfügung.

          Auch politisches Interesse wird abgebildet

          Erstmals gibt der Führungskräfte-Monitor des DIW auch Auskunft über das politische Interesse und die Parteineigung von Führungskräften. Dabei zeigt sich, dass in leitenden Positionen das politische Interesse stärker ausgeprägt ist als bei Angestellten ohne Führungsaufgabe. Beide Geschlechter beschäftigten besonders die Themen Frieden, Ausländerfeindlichkeit sowie etwas weniger häufig Umweltschutz, Klimawandel und der soziale Zusammenhalt.

          Die Ergebnisse zur Parteineigung sind überraschend, aber natürlich aufgrund ihres Alters für eine aktuelle Aussage auch wenig ausschalggebend: Frauen in Führungspositionen neigten 2015 der Studie zufolge vor allem den Grünen zu (39 Prozent), Männer in Führungspositionen bevorzugten zu 44 Prozent die SPD. Unter den angestellten Führungskräften in der Privatwirtschaft kam die Union damals auf Zustimmungswerte von rund 20 Prozent – würde man Selbständige, Landwirte und die Beschäftigten im öffentlichen Dienst einbeziehen, könnte dies jedoch anders aussehen.

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