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Digitalisierung : Warum Roboter uns doch nicht so viele Stellen klauen

  • -Aktualisiert am

Sieht freundlich aus, dieser Roboter: Aber nimmt er uns die Arbeitsplätze weg? Bild: Reuters

Viele haben Angst vor der Automatisierung von Arbeitsprozessen. Werden uns Roboter und Internet in naher Zukunft viele Jobs kosten? Das Institut der Deutschen Wirtschaft sagt: nein!

          Digitalisierung – für zahlreiche Arbeitnehmer ist dieser Begriff nichts anderes als ein verharmlosendes Synonym für die Apokalypse. Millionen Jobs in sämtlichen Branchen stünden auf dem Spiel, sagen Kritiker der fortschreitenden Technisierung der Arbeitswelt und prophezeien seit Jahren den baldigen Untergang des Humankapitals. Roboter und Computer würden den Menschen zunehmend überflüssig machen und ihn in Büro und Fabrik zukünftig vollständig ersetzen, lauten die Befürchtungen.

          Weit gefehlt, zumindest grundsätzlich, sagt jetzt das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) Köln. Der Mensch bleibe auch in Zeiten der Digitalisierung „ein wichtiger und unersetzlicher Erfolgsfaktor“, erklärt das arbeitgebernahe Wirtschaftsforschungsinstitut und bezieht sich dabei auf die Ergebnisse seines im vergangenen Jahr durchgeführten und jetzt in Teilen veröffentlichten Personalpanels. Dafür waren im Herbst 2014 fast 1394 Unternehmen zum Thema befragt und je nach Digitalisierungsgrad in Kategorien unterteilt worden.

          Eine Erkenntnis der Umfrage: Der Anteil der Unternehmen, die kurzfristig – innerhalb eines Jahres - mehr Mitarbeiter beschäftigen wollen, ist „größer als der Anteil der Betriebe, die den Personalstand reduzieren möchten. Das gilt unabhängig vom Digitalisierungsgrad.“ So hatten beispielsweise 35 Prozent der stark digitalisierten Arbeitgeber angegeben, das Personal im Inland in besagtem Zeitraum aufzustocken. Die Begründung liefert das IW gleich mit: Die Unternehmen erwarteten sowohl eine Ertragssteigerung als auch höhere Auftragseingänge.

          Für ungelernte Arbeitskräfte sieht es schlechter aus

          Gleichzeitig kommt die Studie jedoch zu dem Ergebnis, dass zahlreiche stark und mittel digitalisierte Firmen häufiger eine geringere Mitarbeiterzahl für das kommende Jahr erwarteten als die Unternehmen, die weniger auf Automatisierung setzten. Bei Letztgenannten sei demnach mit weniger Fluktuation bei der Belegschaft zu rechnen, schlussfolgert das IW. Allerdings, so räumt das Institut ein, könne daher nicht abschließend geklärt werden, ob es gesamtwirtschaftlich nun zu einem Beschäftigungsaufbau oder –abbau komme. Die bereits erwähnte Tendenz bei den Unternehmen, mehr Personal einzustellen, deute jedoch eher auf einen Zuwachs an Stellen hin.

          Was die mittel- und langfristige Perspektive für die nächsten fünf Jahre anbelangt, sehen je nach Digitalisierungsgrad 19 bis 44 Prozent der Unternehmen insbesondere einen erhöhten Bedarf für Mitarbeiter mit Berufsausbildung, Fortbildung und Fachhochschul- oder Universitätsabschluss. Insbesondere stark digitalisierte Firmen glauben, zukünftig mehr Fachkräfte zu benötigen. Für ungelernte Arbeitskräfte sieht es demnach hingegen düsterer aus. Durchschnittlich habe jedes zehnte Unternehmen einen geringeren Bedarf an ungelernten Mitarbeitern angegeben, darunter seien größtenteils mittelgroße und große Betriebe. „Die Befunde legen nahe, dass sich im Zusammenhang mit der Digitalisierung eher der allgemeine Höherqualifizierungstrend fortsetzt, den man bereits seit längerem am Arbeitsmarkt im Zuge des technischen Fortschritts, der Globalisierung und des Strukturwandels beobachtet und in anderen Studien zur qualifikatorischen Arbeitsnachfrage hinreichend nachgewiesen hat“, schlussfolgern die Autoren der Studie.

          Dabei ist es nicht allein die Automatisierung etwa von standardisierten und wiederholenden Tätigkeiten, die von Kritikern als Bedrohung angesehen wird. Vielmehr gibt es zudem auch Befürchtungen, „dass das Internet in Zukunft zunehmend eine Plattform werden wird, über die Unternehmen temporär und fallweise externes Know-how einkaufen und damit eigenes Stammpersonal ersetzen“, also Crowdsourcing betreiben. Firmen können dadurch unter anderem flexibler werden und haben unter Umständen eine größere Bandbreite an Expertenwissen zur Verfügung. Hierzulande ist die Nutzung dieses Geschäftsmodells laut IW allerdings erst wenig verbreitet. „Selbst in der Informationswirtschaft der eine Vorreiterrolle in der Umsetzung solcher Konzepte zukommen dürfte, geben gerade einmal 4,2 Prozent der Unternehmen an, aktuell oder in absehbarer Zeit Crowdworking-Plattformen  zu nutzen. In fast 45 Prozent der Unternehmen der Informationswirtschaft ist das Konzept Crowdworking dagegen noch unbekannt“, ermittelte das Wirtschaftsforschungsinstitut. Doch auch da gilt: Besonders für ungelernte Arbeiter könnten diese Veränderungen durchaus negative Folgen haben.

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          Insgesamt kommt das IW für die Zukunft jedoch zu einem positiven Fazit: „Im Unterschied zur Prognose mancher Beobachter lässt sich aus der Erwartungshaltung der Personalverantwortlichen in den Betrieben für die These eines massiven Personalabbaus durch den digitalen Wandel keinerlei empirische Evidenz ermitteln“, schreiben die Experten. Zwar könnten technologische Veränderungen dazu führen, dass Arbeitsprozesse automatisiert, standardisiert oder ausgelagert würden. „Unter der Prämisse sich neuen Anforderungen anpassender Fähigkeiten und Fertigkeiten bleibt der Mensch jedoch ein wichtiger und unersetzlicher Erfolgsfaktor.“ Die Apokalypse bleibt demnach aus – zumindest vorerst.

          Quelle: FAZ.NET

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