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Digitalisierung : Geht uns mal wieder die Arbeit aus?

Kommt bald die menschenleere Fabrik? Im Zwickauer VW-Werk übernehmen Roboter große Teile der Arbeit. Bild: Imago

Die Angst geht um: In der digitalen Welt braucht es womöglich keine Arbeiter mehr, weil Roboter und Algorithmen fast alles können. Gemach, gemach!

          Deutschland geht es gut, das sehen inzwischen alle ein. Weil das so undramatisch klingt, fügen sie ein unscheinbares Wort hinzu: „noch“. Das Glück ist in Gefahr, so versuchen es uns in diesen Tagen Experten einzureden, Wirtschaftsbosse und vor allem die wahlkämpfenden Politiker. Warum sollten wir sie sonst wählen, wenn es nicht künftiges Unheil abzuhalten gälte? Also verteufelt die SPD den Stillstand, redet die FDP über den Bildungsnotstand, warnt die CDU vor den Untiefen der Digitalisierung, weil der Chinese ja nicht schläft. Über dem Wohlergehen lassen sie alle die bange Frage schweben: Wie lange noch?

          Ralph Bollmann

          Korrespondent für Wirtschaftspolitik der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Inge Kloepfer

          Redakteurin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Das Unheil kommt von zwei Seiten, glaubt man den Prognosen. Zum einen heißt es, die Digitalisierung werde eine nie dagewesene Rationalisierungswelle auslösen, die anders als früher nicht so sehr die Ungelernten trifft, sondern am allermeisten die gut ausgebildete Mittelschicht. In der Zeit der mobilen Überweisungs-App braucht kein Mensch mehr eine Bankfiliale, und in der modernen Autofabrik wird der Facharbeiter vom Roboter ersetzt. Letzteres wird auf der Automobilausstellung IAA in Frankfurt in der kommenden Woche ein Thema sein. Zum anderen: Der demographische Wandel wird dafür sorgen, dass uns die Arbeitskräfte ausgehen: Die Alten gehen in Pension, es kommen zu wenig Junge nach, und aus dem Ausland wandern die Falschen ein, unken die Pessimisten. Am Ende wandert die Industrie aus Deutschland ab.

          Sind die Deutschen also naiv, wenn sie sich um den Arbeitsmarkt anders als früher kaum noch sorgen, wie in der vergangenen Woche eine Studie über „Die Ängste der Deutschen“ ergab? Und was wäre schlimmer, dass uns am Ende die Arbeitskräfte ausgehen oder die Arbeit?

          Nur ein vorübergehendes „mismatch“?

          Zunächst könnte man einwenden, dass sich die beiden vermeintlichen Probleme gegenseitig aufheben. Wenn die Nachfrage nach Arbeitskräften sinkt, das Angebot aber auch, ändert sich am Gleichgewicht aus beidem wenig: Das scheinen die Kontrahenten, die beide Debatten weithin unverbunden führen, bisher noch nicht bemerkt zu haben. Das Problem wäre dann höchstens ein vorübergehendes „mismatch“, weil der arbeitslose Banker nicht am nächsten Tag einen Job als Programmierer oder Altenpfleger antreten kann.

          Aber ganz so einfach ist es nicht. Also der Reihe nach.

          Der große Digitalisierungs-Schock kam vor vier Jahren, als zwei Forscher aus Oxford die Öffentlichkeit mit einer spektakulären Studie aufrüttelten: In den Vereinigten Staaten könnten Computer und Maschinen künftig 47 Prozent der Beschäftigten ersetzen, sagten sie voraus. Auf Deutschland übertragen, könnten es 42 Prozent der Jobs oder 18 Millionen Arbeitsplätze sein. Das klingt nach einer Katastrophe. Denn so krass wird die Zahl der Arbeitskräfte niemals zurückgehen, selbst bei anhaltend niedriger Geburtenrate. Massenarbeitslosigkeit wäre die Folge.

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