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Digitalisierte Arbeitswelt : Unternehmen investieren zu wenig in Weiterbildung

Arbeitnehmer wünschen sich mehr Weiterbildung. Bild: AFP

Die Arbeitnehmer fürchten sich gar nicht so sehr davor, von Robotern ersetzt zu werden. Das zeigen neue Studien. Aber sie wollen sich besser weiterbilden. Und was sagen die Chefs dazu?

          Unter den Unternehmenschefs war es eines der wichtigsten Themen zu Beginn des Weltwirtschaftsforums in Davos: In einer Zeit, in der die Digitalisierung alles verändern wird, müssen die Mitarbeiter schnell besser ausgebildet werden. „Die Staaten haben in der Schul- und Ausbildung in den vergangenen Jahren nicht viel geleistet, die Wirtschaft muss in diese Lücke springen“, sagte David Abney, der Vorstandsvorsitzende des amerikanischen Logistikkonzerns UPS. Man könne nicht mehr darauf vertrauen, dass das künftige Arbeitsleben einer kalkulierbaren Vorgabe, einer Art Drehbuch folge, sagte auch Ellyn Shook, die Personalchefin des amerikanischen Beratungsunternehmens Accenture. Darauf müsse man die Menschen vorbereiten, vieles werde flexibler, immer häufiger müsse mit Maschinen zusammengearbeitet werden – zudem könnten sich Arbeitnehmer immer häufiger vorstellen, auch selbständig zu arbeiten. Und gleichgültig, ob Siemens oder der amerikanische Druckerhersteller HP Inc. – die Vermutung, dass Arbeitsplätze, die mit rein mechanischen Tätigkeiten verknüpft sind, Zug um Zug verschwinden werden, teilen in Davos viele Chefs. Darauf gelte es die Antwort zu finden.

          Carsten Knop

          verantwortlicher Redakteur für Wirtschaftsberichterstattung und Unternehmen.

          Eine zum Weltwirtschaftsforum von Accenture veröffentlichte Umfrage zeigt: Die Arbeitnehmer sind sich der Veränderungen, die die Chefs beschreiben, bewusst. Sie stehen dem Einsatz neuer Technologien auch aufgeschlossen gegenüber. Statt darin eine Bedrohung für ihre Stelle zu sehen, haben die Beschäftigten vor allem die Vorteile solcher Technologien im Arbeitsalltag im Blick. Aber die Arbeitnehmer sind sich auch bewusst, dass sie nur dann von der Digitalisierung und Automatisierung profitieren werden, wenn sie sich im Beruf stetig weiterqualifizieren und kontinuierlich neue Kompetenzen aufbauen. Hier wiederum vermissen sie von ihren Arbeitgebern ausreichend hochwertige Weiterbildungsangebote. Es ergibt sich also eindeutig ein Missverhältnis zwischen den Erkenntnissen und Versprechungen der Vorstandsvorsitzenden auf den Bühnen in Davos und der Realität.

          Im Rahmen der Umfrage wurden mehr als 1000 Arbeitnehmer in Deutschland und insgesamt sogar mehr als 10.000 Beschäftigte in zehn Ländern zu den Veränderungen im Beruf durch neue Technologien befragt. Eine große Mehrheit der Umfrageteilnehmer (84 Prozent) ist der Ansicht, dass der Einsatz von neuen Technologien sich positiv auf ihre Arbeit auswirken wird. Auf der ganzen Welt sagen mehr als zwei Drittel der Arbeitnehmer, dass Technologien wie Roboter, Datenanalytik und künstliche Intelligenz ihnen dabei helfen werden, effizienter zu arbeiten (74 Prozent), neue Fähigkeiten zu erlernen (73 Prozent) und insgesamt die Qualität ihrer Arbeit zu steigern (66 Prozent). Weiterhin erwarten 85 Prozent der deutschen Arbeitnehmer, dass mindestens einzelne Aspekte ihrer Arbeit innerhalb der nächsten fünf Jahre automatisiert werden.

          Zu wenig Weiterbildungsmöglichkeiten

          Wohl auch deshalb gaben 53 Prozent der in Deutschland Befragten an, dass das regelmäßige Erlernen neuer Fähigkeiten für sie entscheidend sei, um mit den Veränderungen im Arbeitsalltag Schritt zu halten. Allerdings ist nicht einmal der Hälfte aller deutschen Arbeitnehmer (47 Prozent) heute schon klar, welche Kompetenzen in ihrem Beruf in fünf Jahren gefragt sein werden. Viele Beschäftigte sind zudem unzufrieden mit der Unterstützung ihres Arbeitgebers beim Aufbau neuer Kompetenzen. Knapp ein Drittel der Befragten gab an, im Beruf keine oder nur unzureichende Möglichkeiten zur Weiterbildung zu haben. Lediglich 21 Prozent der Arbeitnehmer schätzen das Weiterbildungsangebot an ihrem Arbeitsplatz als hervorragend ein.

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