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Arbeitsweg : Radler zum Dienst!

Rauf aufs Rad und raus in die Natur: So kann der Arbeitstag beginnen. Bild: dpa

Mit dem Rad zur Arbeit zu fahren nutzt der Umwelt und der Fitness. Steuerlich sind Diensträder ohnehin Dienstwagen gleichgestellt. Warum steigen nur so wenige auf?

          Wenn Brigitte Wagner sich in diesen Tagen frühmorgens um 6 Uhr auf ihr Elektrorad schwingt und auf den Weg zur Arbeit macht, gibt es viele Dinge, die die Koordinatorin für Datenverarbeitung genießt. Da wäre zum Beispiel die Einsamkeit, wenn sie allein von ihrem Heimatort im Vordertaunus durch die Felder in Richtung Frankfurt rollt. Oder der Sonnenaufgang, der sie ab und zu anhalten lässt, um mit der Kamera einen besonders schönen Augenblick einzufangen. Oder die Vögel, die um sie herum zwitschern. Oder die Tatsache, dass sie zehn Minuten weniger braucht als früher, um zu ihrer Arbeitsstätte zu kommen, dem Commerzbank-Turm mitten in der Frankfurter Innenstadt. Ihr Arbeitsweg begeistert Wagner so sehr, dass sie sagt: „Eigentlich ist es schade, dass er nach 15 Kilometern schon wieder vorbei ist.“ All diese Empfindungen sind neu für die 52-Jährige. Denn bis weit ins vergangene Jahr hinein ist sie mit der S-Bahn nach Frankfurt gependelt. Seit Oktober aber strampelt sie mit Unterstützung eines Elektromotors zur Arbeit. Und das liegt auch an ihrem Arbeitgeber.

          Denn die Commerzbank ist eines von wenigen großen Unternehmen hierzulande, die ihren Mitarbeitern Dienstfahrräder anbieten. Das Angebot unter dem Titel „Bikelease“ ist im Mai vor vier Jahren gestartet. Seitdem können die heute gut 48 000 Mitarbeiter des Geldinstituts bis zu zwei Fahrräder über ihren Arbeitgeber leasen, bekommen die Gefährte also gegen Zahlung einer monatlichen Nutzungsrate zur Verfügung gestellt. Wenige Monate nach dem Start von Bikelease nahmen nach Angaben der Bank 250 Mitarbeiter das Programm in Anspruch. Heute seien es zwischen 800 und 1000 regelmäßige Teilnehmer, sagt eine Sprecherin der Bank. Die Zahl sei über die Jahre stetig gestiegen, variiere aber immer wieder.

          Ob bei der Commerzbank oder anderen Unternehmen – die Bedingungen für das Dienstfahrradleasing sind oft ähnlich. Hintergrund ist die steuerliche Gleichstellung von Dienstfahrrädern mit Dienstwagen aus dem November 2012. Seitdem sind auch Diensträder steuerlich begünstigt, und auch für sie gilt die „1-Prozent-Regel“. Grob gesagt funktioniert das so: Da die Leasingrate für das Dienstrad vom Gehalt des Arbeitnehmers vor Steuern abgezogen wird, muss dieser etwas weniger Abgaben auf sein Einkommen zahlen. In der Fachsprache heißt das Brutto-Entgeltumwandlung. Zudem streckt der Arbeitnehmer die Anschaffungskosten für das Fahrrad über einen längeren Zeitraum. Üblicherweise laufen die Leasingverträge drei Jahre, danach kann ein Radleaser das Fahrrad zu einem Restpreis kaufen oder aber den Leasingvertrag fortsetzen und sich ein neues Modell aussuchen.

          Versicherung und Wartung übernimmt oft der Arbeitgeber

          Oft übernimmt der Arbeitgeber oder das von ihm beauftragte Leasingunternehmen auch die Kosten für eine Fahrradversicherung oder bietet einen Wartungsvertrag, sofern Pannen auftreten oder Reparaturen nötig werden. Das senkt die tatsächlichen Kosten für den Arbeitnehmer weiter. Gleichzeitig hat der radelnde Arbeitnehmer auch gewisse Nachteile. Er muss monatlich ein Prozent des Anschaffungspreises für das Rad als sogenannten geldwerten Vorteil mit versteuern. Zudem muss er langfristig gesehen auch bedenken, dass sich der Lohn vor Steuern wegen des Abzugs der Nutzungsgebühr leicht verringert und er daher zum Beispiel auch weniger Rentenbeiträge einbezahlt.

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