http://www.faz.net/-gyl-6z0kr

Der richtige Auftritt : „Ein gutsitzender Anzug macht unangreifbar“

  • Aktualisiert am

Die Expertin für Kleidungskompetenz Ulrike Mayer bringt Geschäftsleuten das Anziehen bei. Bild: Archiv

In der Geschäftswelt ist jeder Auftritt visueller Smalltalk. Stilexpertin Ulrike Mayer gibt im Interview wertvolle Tipps, damit auch Sie mitreden können.

          Frau Mayer, schadet ein falsches Outfit der Karriere?

          So drastisch würde ich es nicht formulieren, aber sicher trägt die Wahl der passenden Kleidung zu deren Gelingen bei. Stil und Klasse in der Garderobe wird fälschlicherweise oft mit „Dresscode“ gleichgesetzt. Letztlich geht es aber darum, den Grundwortschatz der Kleidung zu erlernen.

          Wie sieht dieser Grundwortschatz aus? Weihen Sie uns doch bitte ein.

          Der optische Außenauftritt entspricht einem visuellen Smalltalk. Er ist Teil eines sozialen Spiels, bei dem - ob bewusst oder unbewusst - Kompetenz, Sympathie, Vertrauen und andere Eigenschaften von unserem Gegenüber abgefragt werden. Schon Goethe wusste um Macht und Kraft des ersten Eindrucks: „Wie Du kommst gegangen, so Du wirst empfangen“ heißt es bei ihm. Kleidung ist in gewissem Maße auch Wertschätzung für das jeweilige Gegenüber, weil ich mir Gedanken darüber gemacht habe, wie ich mich ihm präsentiere.

          Ein andererrecht abgedroschenerSatz besagt: „Für einen guten ersten Eindruck gibt es keine zweite Chance.“

          Ja. Und so ungern mancher das hören mag: Der Wahrheitsgehalt dieser Aussage ist sehr hoch. Generell kann man sagen, dass sehr viel Farbe die professionelle Außenwirkung eher stört. Seriosität und Kompetenz im Businessalltag zu zeigen, bedeutet, sich für gewisse Farben zu entscheiden und andere komplett wegzulassen. Bricht man das auf Hierarchie-Ebene herunter, wird man feststellen, dass sich die Farbigkeit etwa auf der Führungsebene in Schwarz, Grau und Blau erschöpft.

          Gibt es so etwas wie eine Farbenlehre für Kleidung?

          Sicher. Geht es etwa um die Wirkung von Neutralität, sind Grauabstufungen eine gute Wahl. Ein grauer Anzug signalisiert zudem, dass der Träger nicht viel von sich preisgeben will und sich lieber dezent im Hintergrund hält. Blauvarianten strahlen höchste Glaubwürdigkeit, Vertrauen und Autorität aus. Nicht zufällig sind sie bei Banken und Versicherungen so verbreitet. Andererseits wirkt blaue Geschäftskleidung auch sehr schnell langweilig und unkreativ, wenn die Passform nicht stimmt und die Stoffe billig sind.

          Schwarz gilt als Klassiker. Zu Recht?

          Nun, auch auf politischer Ebene ist schwarz im Dreiklang mit Rot und Weiß als die Farbe der Macht, der Dominanz und der absoluten Präsenz bekannt. Wenn Entscheidungen anstehen oder ein wichtiger Auftrag winkt, dann ist Schwarz eine sehr gute Wahl. Braun hat als letzte Farbe Zutritt zur Familie der Businessfarben bekommen und wirkt grundsätzlich offen und zugänglich, aber auch lässiger. Bei formellen Anlässen und wichtigen Geschäftsterminen spielt Braun aber nur die vierte Geige. In der klassischen Abendgarderobe für Herren gilt „no brown after six“!

          Gibt es für die Business-Garderobe so etwas wie eine Mindestausstattung?

          Zunächst ein genereller Rat: Die Basisgarderobe sollte stets von dezenter Klassik und schlichtem Stil geprägt sein. Beides lässt sich nur über Qualität erreichen. Für den Mann bedeutet das: Die Grundausstattung fürs Büro besteht aus Anzug, Hemd und Krawatte, kombiniert mit feinen Schuhen und Accessoires. Ein gut sitzender Anzug macht seinen Träger nahezu unangreifbar.

          Eine Faustregel besagt, dass der Mann zu jedem Anzug mindestens vier bis fünf Hemden und hochwertige Seidenkrawatten besitzen sollte. Die Krawatte ist ein höchst persönliches und zentrales Element der männlichen Garderobe und sollte immer sorgfältig ausgewählt werden. Damen sind ebenfalls gut beraten, Stil und Klasse in der Garderobe durch gute Passformen zu unterstreichen. Mit Tüchern, Schmuck, runden Ausschnitten und farbigen Akzenten kann die Dame eine feminine Ausstrahlung in der sonst sehr männlich geprägten Geschäftswelt erzielen.

          Sind verbindliche Dresscodes für Unternehmen aus Ihrer Sicht sinnvoll?

          Absolut. Auch wenn ich sicher keine Verfechterin starrer Regeln bin: Mitarbeiter, die sich an Dresscodes halten, verlieren morgens weniger Energie vor dem Kleiderschrank.

          Welche Fragen stellen Sie sich morgens vor dem Spiegel?

          Das ist sehr einfach: Wo gehe ich hin? Wen treffe ich? Was will ich dabei erreichen?

          Das Gespräch führte Martin Dommer.

          Textile Fehltritte im Büro

          Männer:

          • Helle Anzüge oder karierte Hemden zu formellen Anlässen
          • Hosenumschläge
          • Jackett ohne Schlitz
          • Kombinationen aus mehr als zwei Mustern und drei Farben
          • Button-down-Kragen zur Krawatte
          • Sportliche Freizeitjacke zum Anzug
          • Preiswerte Schuhe

          Frauen:

          • Zu kurze Röcke
          • Nackte Beine zu formellen Anlässen
          • Tiefes Dekolleté
          • Dunkle Strümpfe zu hellen Kostümen
          • Kombinationen aus mehr als zwei Mustern und drei Farben
          • Zu lange Jackett- und Blusenärmel
          • Sichtbare Wäsche
          • Preiswerte Schuhe

          Quelle: F.A.Z.

          Weitere Themen

          Hinter den Mauern Marrakeschs

          Saint Laurents Traum : Hinter den Mauern Marrakeschs

          Yves Saint Laurent war der einzige Modeschöpfer seiner Generation, der früh die Weitsicht besaß, herausragende Entwürfe zu archivieren. Im neu eröffneten Musée Yves Saint Laurent in Marrakesch werden bedeutende Stücke gezeigt.

          Trends für die kalte Jahreszeit Video-Seite öffnen

          Wintermode : Trends für die kalte Jahreszeit

          Wer nur an lange Mäntel denkt, liegt modetechnisch diesen Winter gar nicht so verkehrt. Dazu eine Baskenmütze, ein langer Rock, Hahnentritt und die Farbe Rot - fertig ist der Fashionista-Trendstyle.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.