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Co-Working mit Kind : Mit Mama ins Büro

Arbeiten im Gemeinschaftsraum: Im Leipziger „Rockzipfel“ werden Beruf und Familie verbunden. Bild: Matthias Lüdecke / F.A.Z.

Co-Working mit Kind heißt ein neuer Trend. Die Idee: Eltern mit flexiblen Arbeitszeiten teilen sich ein Büro und bringen den Nachwuchs einfach mit. Wir haben’s ausprobiert.

          Fabian ist aufgeregt. Er geht heute zur Arbeit. Und er hat genaue Vorstellungen davon. Arbeit, das ist für ihn das, was die Bauarbeiter machen: Löcher graben, Bagger fahren, Beton mischen. Oder die Arbeit der Müllmänner: Auf dem Trittbrett eines großen Lasters stehen, abspringen, Tonne holen, Tonne auskippen. „Losgehen?“, fragt Fabian und hüpft vor Freude im Kreis.

          Nadine Bös

          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Beruf und Chance“.

          Fabian ist mein Sohn. Er ist zwei Jahre alt. Gemeinsam wollen wir heute einen Tag lang einen neuen Trend der Arbeitswelt ausprobieren: Co-Working mit Kind. Das geht so: Ein Co-Working-Space bietet gegen Bezahlung leere Büros zur Miete an. Ein Tagesticket beinhaltet üblicherweise Schreibtisch, Internetanschluss, Drucker, Telefon und Kaffee. Nutzen können das Selbständige, Freiberufler oder Angestellte, die sonst im Home-Office arbeiten. Bringen soll das mehr gemeinschaftliche Atmosphäre. Wer gerade einen Durchhänger hat, kommt nicht in Versuchung, stattdessen die Wäsche zu falten. Wer Kollegen vermisst, kann in der Kaffeeküche ein Schwätzchen halten. Diese Idee ist mittlerweile fast schon ein alter Hut. Weniger bekannt sind Co-Working-Spaces, in denen die Nutzer ihre Kinder mitbringen können. Der Nachwuchs wird dort idealerweise von extra angeheuerten Betreuern beaufsichtigt. Gleichzeitig bleiben die Eltern immer in der Nähe, sind im Notfall da, wenn das Kind Trost braucht. Nicht zuletzt sollen auch die Kinder ein besseres Bild vom Beruf der Eltern bekommen.

          Die Kinder sollen ein besseres Bild von der Arbeit der Eltern bekommen. Bilderstrecke

          Unser Test-Büro ist das Eltern-Kind-Büro „Rockzipfel“ im Leipziger Stadtteil Alt-Lindenau. Das Viertel gehört zu Leipzigs unsanierten Ecken. Hier sind die Bürgersteige holprig, Altbau reiht sich an Altbau, die Fenster sind noch einfachverglast. Das Büro ist im ersten Stock eines ebensolchen Hauses mit knarziger Treppe aus dunklem Holz, in deren Mitte ein Zweijähriger sitzt und ein Spielzeugauto über die Stufen schiebt. Mit hippen Co-Working-Adressen wie dem bekannten Beta-Haus in Berlin hat das wenig zu tun. Hinter der Eingangstür wartet Susanne Mann, ehrenamtliche Leiterin des Co-Working-Spaces und Mutter des Jungen auf der Treppe: „Ich bin die Susi. Das ist mein Sohn Lenni. Wir duzen uns hier alle“, sagt sie, während Fabian sich an uns vorbei durch die Tür quetscht. Er hat das Spielzimmer schon entdeckt. Insgesamt sieht Rockzipfel mehr nach Kita aus als nach Büro: Auf dem Flur stehen ein Wickeltisch und ein Töpfchen, daneben liegt eine bunte Babydecke auf dem Dielenboden. Im Gemeinschaftsraum vor der Kaffeeküche hat Susi ein Puppentheater in die Ecke gebaut; auf dem großen Tisch hat ihr Sohn seine Mal-, Bastel- und Knetsachen ausgebreitet. Das eigentliche Spielzimmer bildet das Zentrum der ganzen Etage. In Kisten und Regalen warten Puppen, Autos, Bilderbücher und eine Holzeisenbahn auf die Kinder. Die Büros liegen am anderen Ende des Flurs. Schlichte Holzschreibtische, blau bezogene Drehstühle, ein Drucker, ein Kopierer, aber auch hier ein Wickeltisch und eine Mittagsschlafgelegenheit für die Kleinen.

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