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Führungskräftetrainer : Kloppo, zeig uns die Sonne!

Führungskraft in Dortmund: Jürgen Klopp Bild: dpa

Was sollen Manager ausgerechnet vom Trainer des Tabellenletzten der Fußball-Bundesliga über Motivation lernen? Eine Menge, wie das Publikum vor dem wichtigen Spiel an diesem Freitag findet.

          Er ist das Gesicht von Borussia Dortmund, das Gesicht vergangener Erfolge - und das Gesicht der aktuellen Krise. Der Fußballtrainer Jürgen Klopp, von den Fans als „Kloppo“ geradezu verehrt, ist einen Tag nach der schmerzhaften Niederlage seiner Mannschaft im Stadion von Eintracht Frankfurt in die Stadt am Main zurückgekehrt. Er soll seinem Publikum etwas über Führung und Motivation erzählen.

          Carsten Knop

          verantwortlicher Redakteur für Wirtschaftsberichterstattung und Unternehmen.

          Sven Astheimer

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Beruf und Chance“.

          Der Termin war schon im Sommer vereinbart worden. Als es soweit ist, steht Klopp mit seinen Jungs am Tabellenende der Bundesliga. Für viele unfassbar. Aber Klopp steht im Wort beim Veranstalter Sven Müller, mit dem er schon als Jugendlicher bei Eintracht Frankfurt gekickt hat.

          Außerdem ist er ein Vollprofi; deshalb geht er auf seinen Platz und unterhält sich mit dem ZDF-Sportjournalisten Béla Réthy über Erfolg und Misserfolg, seine Anfangsjahre als Jugendtrainer von Eintracht Frankfurt, Spieler für Mainz 05, den Wechsel ins Traineramt und die Erfahrungen, die er seither mit Spielern, Medien, Siegen und Niederlagen gemacht hat. Klopp ist 47 Jahre alt, hat trotz Abitur und Sportstudium nie etwas anderes als Fußball im Kopf gehabt, und im schnelllebigen Sportgeschäft kommt da einiges an Erfahrungen zusammen.

          „Mich wundert es, dass Ihr da seid“

          In der Krise jedenfalls, so viel wird rasch deutlich, ändert sich Klopp nicht. Was würde es auch bringen, wenn er als Trainer die Spieler nach einer schlechten Leistung anbrüllen würde, fragt er rhetorisch in die Runde. Wieder und wieder müsse man daran arbeiten, die Spieler individuell zu verbessern. Das sei natürlich im Erfolg leichter, dann treffe den Einzelnen Kritik nicht so hart. Aber auch jetzt gibt es nach seiner Ansicht dazu keine Alternative. Entscheidend sei es, den positiven Blick auf die Spieler nicht zu verlieren.

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          Natürlich könne er ein Buch über die unerwünschten Eigenschaften eines jeden Spielers schreiben. Gerade jetzt, so sagt er, gehe ihm so etwas gewiss leicht von der Hand. Nur: Das bringe nichts. Immer hingegen geht es in den Augen von Klopp um Motivation und Identifikation. Der Profitrainer findet den richtigen Ton an diesem Abend. Einerseits räumt er ein, dass sich seine Arbeit, gemessen am Ergebnis, derzeit „schrecklich“ anfühlt.

          Andererseits gibt er nicht den zerknirschten Zweifler, der sein Tun nun komplett hinterfragt. Klopp strahlt auch im Misserfolg noch Überzeugung aus. Dem Publikum gefällt das. Es hat Geld dafür bezahlt, ihm zuhören zu dürfen. Darüber reißt Klopp gleich zu Anfang einen Witz: „Mich wundert es, dass Ihr überhaupt gekommen seid.“ In Wahrheit dürfte es ihn gar nicht wundern. Denn die Vertreter aus der Wirtschaft spitzen aufmerksam die Ohren. In der Management- und Führungslehre sind Anleihen aus dem Spitzensport beliebt.

          Totale Identifikation von den Mitarbeitern

          Die Anwesenden überlegen wohl, was sie von seinen Ausführungen auf ihr Unternehmen übertragen können. Zum Beispiel, wenn Klopp mit Leidenschaft vorträgt: „Motivation macht den Unterschied aus.“ Wenn zwei Teams qualitativ gleich gut seien, dann werde das motiviertere das Spiel gewinnen. Das gelte natürlich auch für Teams in Unternehmen. Deshalb müsse man den Jungs „die Sonne zeigen“, also das Ziel, das man erreichen wolle. Klopp versucht, aus der Krise Kraft zu ziehen: Wann immer es gelinge, sich aus ihr wieder herauszuarbeiten, sei das Gefühl um so toller. Dann könne man zurückblicken, sich den Tropfen Schweiß von der Stirn wischen und auf sich und das Erreichte stolz sein - wieder einmal. „Uns geht es immer darum, eine Saison zu spielen, die in Erinnerung bleibt.“

          Insofern ist die Borussia auch dieses Mal auf einem guten Weg, auch wenn der zweite Teil dieser Geschichte erst noch geschrieben werden muss. Entscheidend sei es, jeden Tag mit der totalen Identifikation für den Verein anzutreten. Jeder wisse, dass er selbst dafür stehe. Und das müsse man auch von seinen Mitarbeitern verlangen. Andererseits müsse die Identifikation nicht stets dauerhaft derselben Sache gelten. So sei es nicht entscheidend, jahrelang einem Verein treu zu bleiben. Das Fußballgeschäft folge anderen Regeln.

          Wenn ein Spieler erfolglos sei, wollten die Fans ja auch, dass dieser verkauft werde. Umgekehrt nehme man es einem Spieler übel, wenn er nach 20 Toren in einer Saison den Verein wechsle. Das ist in seinen Augen unredlich. Und man merkt Klopp an, dass er diese Bemerkung durchaus auch auf das Traineramt übertragen sehen möchte. Nur spricht er das nicht aus. Im Gegenteil gilt: Er gibt 100 Prozent, solange er für den „geilen Verein“ im Einsatz ist. Jeden Tag. Und das nach seiner Vorstellung noch sehr lange.

          0:14? Ergebnisziel klar verfehlt

          Nur wenn Borussia Dortmund im Heimspiel gegen Hoffenheim am heutigen Freitag 0:14 verliere, dann müsse er darüber nachdenken, was er der Mannschaft noch geben könne. Aber an diesem Abend in Frankfurt zweifelt keiner der Zuhörer daran, dass es so weit ganz gewiss nicht kommen wird. Klopp hat Moderator und Publikum zu jedem Zeitpunkt im Griff.

          Auch diese Souveränität muss ein guter Chef wohl ausstrahlen, in guten wie in schlechten Zeiten - und gleichzeitig zu Kritik fähig sein. Klopp behauptet, das sei bei ihm der Fall. Trainerstab und Vereinsführung von Borussia Dortmund arbeiteten auch in dieser Hinsicht gut zusammen, bis hinunter zu seinen Jugendtrainern.

          Und dass ihm sein Gesichtsausdruck in der einen oder anderen Situation schon einmal entgleise, das sei wohl so. Seine Mutter habe sich daran gewöhnt. Sie kenne ihn ja auch am längsten. Viele weitere wollen Klopp an diesem Abend kennenlernen, gerne auch ein Selfie mit ihm schießen. Klopp hält dem Ansturm seiner Fans eisern stand; bis in die Kälte der Nacht vor dem Hotel. Wenn er es will, dann ist er einfach nur: das freundliche Gesicht von Borussia Dortmund.

          Quelle: F.A.Z.

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