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Berufsorientierung : Der Bauch sucht mit

  • -Aktualisiert am

Wer sich bei einem Unternehmen bewerben will, kann schon im Internet erste Eindrücke sammeln: Auf Bewertungsportalen wie kununu.de und jobvoting.de benoten Arbeitnehmer ihre aktuellen und ehemaligen Arbeitgeber. „Kein Weihnachtsgeld, kein Urlaubsgeld, wenig Urlaubstage allgemein. Unter dem Strich: Finger weg“, heißt es zum Beispiel in einer Bewertung. Häufen sich die Beschwerden, ist zumindest Skepsis angebracht. Im Vorstellungsgespräch kritisch danach zu fragen, wird kein guter Personalverantwortlicher einem Bewerber verübeln. Das gilt übrigens ebenso für die Frage danach, warum die Stelle überhaupt frei ist. Vorab schadet auch ein Blick in eines der vielen Arbeitnehmerforen wie „Arbeits-ABC“ nicht. Der Nutzer „Harry“ etwa klagt darauf über seinen Chef und die nur sechswöchige Probezeit – und über einen Kollegen, der „keinen Bock auf mich“ hat.

Den besten Eindruck von einem potentiellen Arbeitgeber aber vermittelt zweifellos die persönliche Begegnung. Wer ein Praktikum bei seinem Wunschkandidaten macht, lernt etwa mögliche künftige Kollegen und Chefs in ihrem Arbeitsalltag sehr gut kennen. Aber auch das Bewerbungsverfahren selbst kann viele Anhaltspunkte liefern. Ein Rundgang durchs Haus gibt zwar keine Sicherheit darüber, ob dort der Traumjob wartet. Aber oft geben Kleinigkeiten den Ausschlag: Schon die Begrüßung an der Pforte lässt auf den Umgangston im Unternehmen schließen. Wird auf den Gängen gegrüßt oder gar geplaudert – oder eilt jeder seiner Wege? Auch die Einrichtung der Räume ist aufschlussreich, erst recht die Ausstattung der Arbeitsplätze: Wer sich auf einem abgeschabten Wackelstuhl vor einem brummenden Uraltrechner abrackern muss, verliert womöglich allein schon deshalb schnell den Spaß an der Arbeit.

„Am wichtigsten ist das persönliche Gespräch“

All das sind Mosaiksteinchen, aus denen sich das Bild eines Arbeitgebers und der herrschenden Unternehmenskultur zusammensetzen kann. „Am wichtigsten ist aber das persönliche Gespräch“, sagt Personalexperte Bohdal. Wird ein Headhunter oder eine Agentur vorgeschaltet, ist dies seiner Meinung nach kein gutes Zeichen. „Besser, der spätere Vorgesetzte lässt sich auch selbst blicken.“ Wer gleich auf mehrere Gesprächspartner trifft, sollte auf deren Umgang miteinander achten: Sind Spannungen spürbar? Fallen spitze Bemerkungen über Kollegen oder andere Chefs? Dann ist Vorsicht geboten. Denn wo offen gelästert wird, wird oft auch intrigiert.

Wer als Bewerber schließlich schon andere Mitarbeiter des Unternehmens treffen und befragen dürfe, könne das als gutes Zeichen werten, sagt Bohdal. Interviewer, die dagegen ausufernd PR-Phrasen dreschen und das eigene Unternehmen loben, kommen bei ihm nicht gut weg. „Wichtig ist, dass der Bewerber viel von sich erzählen darf“, sagt er. „Wie stellen Sie sich Ihr erstes Jahr bei uns vor?“, danach frage ein interessierter Vorgesetzter oder Personalverantwortlicher zum Beispiel. Umgekehrt sollten Bewerber sich nach ihren potentiellen Chefs und Kollegen, Zuständigkeiten und Verantwortungen erkundigen. Das kann vor bösen Überraschungen schützen: Je mehr man weiß, desto unwahrscheinlicher ist die Enttäuschung später.

Und dann ist da noch die Probezeit

Und dann ist da noch die Probezeit. „Sie ist wichtig für beide Seiten“, sagt Bohdal. Auch Bewerber sollten sie nutzen, um zu prüfen, ob sie sich im Unternehmen wohl fühlen. Manche Unternehmen setzten darauf, dass Neueinsteiger, die erst einmal mit Sack und Pack umgezogen sind, vor einem Austritt nach sechs Monaten zurückschrecken. Wer sich unbefristet bindet, sollte sich deshalb zunächst vielleicht lieber provisorisch einrichten, anstatt später nur aus Bequemlichkeit auf einer Stelle zu bleiben, die den eigenen Erwartungen nicht entspricht.

Woran sich das entscheidet, ist letztlich nicht in Rankings ablesbar, sondern hängt vom subjektiven Empfinden ab. Den Ausschlag geben eben zwei ganz persönliche Faktoren, sagt Udo Bohdal: „Bauchgefühl und Sympathie.“

Quelle: F.A.Z.

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