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Beruf Unternehmensberater : Gut beraten, schlecht verkauft

Vorsicht Berater: Der Film „Toni Erdmann“ nimmt den Berufsstand der externen Problemlöser aufs Korn. Bild: dpa

Das Image der Unternehmensberater ist zwar angekratzt, aber die Branche erlebt goldene Zeiten und sucht viele Mitarbeiter. Was Berufseinsteiger jetzt wissen müssen.

          Der Alltag vieler junger Unternehmensberater beginnt mit dem Packen des Rollkoffers. Mit der Bahn, dem Auto oder dem Flugzeug geht es am Montagmorgen zu einem Unternehmen irgendwo in der Republik, um dort die Arbeitsprozesse zu optimieren. Üblicherweise schwärmen kleine Teams mit vier bis acht Kollegen aus. „In der Regel verbringt ein Jungberater montags bis donnerstags beim Kunden vor Ort“, erklärt Dominik Thielmann, der für die Personalbeschaffung zuständige Partner der Unternehmensberatung Bain. „Freitags ist Bürotag. Da wird die vergangene Woche nachbereitet und die kommende vorbereitet. Außerdem nehmen die Berater an diesem Tag Trainingsangebote wahr.“

          Tillmann Neuscheler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Wer sich für den Beruf interessiert, muss mit straffen Arbeitstagen rechnen. Die Branche erlebt einen dauerhaften Höhenflug. Ihr Umsatz ist 2016 in Deutschland das siebte Jahr in Folge kräftig gewachsen. Rund 115.000 Menschen verdienen laut dem Bundesverband Deutscher Unternehmensberater (BDU) hierzulande ihr Geld als Berater, vor zehn Jahren waren es erst 73.000 – allein im vergangenen Jahr sind 5000 Berater dazugekommen. „Der Markt wächst kolossal“, sagt Branchenexperte Dietmar Fink. Die großen Beratungsfirmen wachsen noch schneller als die kleinen. Ein Ende des Booms sei noch nicht in Sicht, sagt der BWL-Professor der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg, der die Branche seit Jahren beobachtet: „Die Berufsaussichten für Berater sind ausgezeichnet.“

          Tatsächlich bauen die großen Beratungsunternehmen weiter kräftig Personal auf: Branchenführer McKinsey hat schon 2016 in Deutschland 530 neue Mitarbeiter eingestellt, in diesem Jahr sollen es noch „spürbar mehr“ sein. Ähnlich sieht es bei der Boston Consulting Group (BCG) aus. Sie hat 2016 rund 450 neue Mitarbeiter in Deutschland und Österreich eingestellt – so viele wie noch nie. In diesem Jahr sollen es sogar 500 werden, zwei Drittel davon klassische Berater. Und Bain schließlich spricht von 200 neuen Stellen. Etwa die Hälfte der Einstellungen wird in den Beratungshäusern üblicherweise benötigt, um die in der Branche hohe Fluktuation abzufedern, die andere Hälfte ist echtes Wachstum.

          Üppige Gehälter

          Der Beruf verspricht noch immer üppige Gehälter. Im Durchschnitt liegt das Einstiegsgehalt für Master-Absolventen, die als „Consultant“ bei einem Beratungsunternehmen mit einem Mindestumsatz von 5 Millionen Euro beginnen, laut BDU bei rund 61.500 Euro brutto. Wer bei einer der ganz großen internationalen Strategieberatungen anfängt, der kann – je nach Studienabschluss und Arbeitserfahrung – sogar mit einem Einstiegsgehalt von bis zu 100.000 Euro brutto im Jahr rechnen. Mit jeder Hierarchiestufe steigt das Gehalt noch. Sprünge sind meist nach zwei bis drei Jahren möglich. „Up-or-out“, heißt die Devise, die Jungberatern frühzeitig eingeimpft wird. Man klettert die Karriereleiter also entweder hoch, oder es wird einem nahegelegt, sich nach einer anderen Stelle umzusehen. Wer durchhält, dem winkt am Ende die Partnerschaft, man wird also Miteigentümer des Unternehmens und verdient prächtig. Allerdings schaffen das nur ganz wenige.

          Für die ehrgeizigsten Absolventen der Wirtschaftsfakultäten gelten die großen Beratungsfirmen noch immer als erste Adressen. Neben dem sehr guten Gehalt lockt vor allem die Aussicht, innerhalb kürzester Zeit sehr viele Unternehmen von innen kennenzulernen. Das hilft auch allen, die später mit einer Managementkarriere anderswo liebäugeln. Tatsächlich steigen die meisten Berater mit der Perspektive in den Beruf ein, das für einige Jahre zu machen – nicht für immer.

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