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Serie „Anders arbeiten“ : Das Büro als Wohlfühl-Oase

Jeder zweite Arbeitnehmer in Deutschelnad arbeitet im Büro – was immer das im digitalen Zeitalter auch heißen mag. Bild: Picture-Alliance

Der Einzelkämpfer bei der Arbeit hat ausgedient. Jetzt wird kooperiert, wo es nur geht. Das ändert auch unsere Büros. Aber bringt die ganze kuschelige Wohlfühlatmosphäre überhaupt etwas?

          Schreibtisch, Lampe, Telefon, eine Grünpflanze für die Optik und ein Familienfoto fürs Herz. So sah früher ein Büro aus. Nach Belieben kam noch ein kleines Kofferradio dazu, das den ganzen Tag über Gute-Laune-Musik trällerte. Das Café um die Ecke unterschied sich davon essentiell, Verwechslungen geradezu ausgeschlossen. Arbeiten hier, Wohlfühlen dort, das war die klare Aufteilung, als sich das Büroleben noch zwischen 9 und 17 Uhr abspielte und sowohl das Telefon als auch der Computer an Kabeln hingen. Herumtragen unmöglich. Wie lange ist das her!

          Corinna Budras

          Redakteurin in der Wirtschaft und für Frankfurter Allgemeine Einspruch.

          Inzwischen hat sich viel getan: Dank Digitalisierung und demographischem Wandel bleibt nur wenig, wie es war. Die Cafés, das wird gerne vergessen, waren die Ersten, die ihren ursprünglichen Charme verloren haben. In den großen Metropolen wich der Müßiggang einer regen Geschäftigkeit. Ausgestattet mit allen notwendigen Geräten, schlugen unzählige Selbständige, Autoren, Kreative dort stundenlang ihre Computer auf, hielten sich den ganzen Tag an einem Latte macchiato fest, ignorierten die Sahnetorte und boten einen geschäftigen und zugleich entspannten Anblick.

          Da war es nur folgerichtig, dass die Büros dem Beispiel des radikalen Wechsels folgten und sich ihrerseits in Cafés wandelten. Jetzt wird dort geklönt und geschwatzt, bis sich die Kreativität voll entfalten kann. Das jedenfalls ist der Anspruch der Wegbereiter des Wandels, der unter dem Schlagwort „New Work“ in Büros auf der ganzen Welt getragen wird.

          Wohnungen, Autos und Aufgaben - alles wird geteilt

          Jetzt geht es nicht mehr nur ums Abarbeiten, jetzt wird kollaboriert und vernetzt, um gemeinsam etwas wirklich „Bedeutungsvolles“ zu schaffen. Das ist besonders der „Generation Y“ wichtig, so heißt es immer wieder. Und was der Generation Y wichtig ist, ist auch den Unternehmen wichtig, weil die Fachkräfte so knapp werden. Vernetzung ist das große Ziel. In unserer „sharing economy“ werden nicht nur Wohnungen und Autos geteilt, auch die Aufgaben lassen sich unentwegt teilen und auf die verschiedenen Kontinente verschieben – oder auch nur in das Home-Office. Zu Hause haben die Menschen schon jahrhundertelang gearbeitet, das für sich genommen ist noch nichts Neues. Selbst Schuhe ließen sich in Heimarbeit zusammenkleben: Das Unternehmen stellte die Materialien und sorgte für den An- und Abtransport. Aber dass nun Büroarbeit in den eigenen vier Wänden getätigt wird, mit all den Vor- und Nachteilen, auch das ist Resultat des digitalen Wandels.

          In Sachen neue Bürokultur geben Werbeagenturen, Unternehmensberatungen, die Start-ups der Technikbranche, aber auch große Konzerne wie Microsoft und Siemens den Ton an. Dort werden Wände eingerissen und Lounges errichtet. In den Kaffeeküchen kamen Mitarbeiter schon immer ins Plaudern, nur waren sie nie so hip und schick – und erinnerten so wenig an Küche wie jetzt. Flurfunk nannte sich das früher, jetzt heißt das „Wissenstransfer“ und bekommt dadurch eine neue Wertschätzung. Einzelzimmer weichen Großraumbüros, die Abschnitte des Bürofließbands werden auf verschiedene Räume verteilt, deshalb gibt es Konferenz-, Rückzugs- sogar „Denk“-Räume allerorten. Die Telefonzelle erlebt eine ungeahnte Renaissance, damit das Gespräch in aller Diskretion erledigt und der Sitznachbar nicht gestört wird.

          Das Prinzip ist uns aus der eigenen Wohnung mit seinen Schlaf-, Wohn- und Arbeitszimmern bestens bekannt, so sieht es Udo-Ernst Haner, Leiter der Abteilung „Information Work Innovation“ beim Fraunhofer Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation. Daheim käme es auch niemandem in den Sinn, alle Tätigkeiten in einen Raum zu verlagern, es sei denn, man kann sich nun wirklich nichts anderes leisten. Arbeit und Freizeit mischen sich, daran kann es keinen Zweifel mehr geben. Nicht nur zeitlich und organisatorisch, auch räumlich.

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