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Unzufriedene Arbeitnehmer : Viele haben innerlich schon gekündigt

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Eine unbefristete Festanstellung in unsicheren Zeiten ist der Traum jeden Arbeitnehmers - manche kündigen dennoch. Die Grüne dafür sind vielfältig. Bild: dpa

Fast ein Viertel der Arbeitnehmer sind dauerhaft auf Stellensuche – selbst wenn sie aktuell einen Job haben. Wechseln wollen Arbeitnehmer mit unbefristeter Festanstellung. Warum nur?

          Ob ein jähzorniger Chef, zu viele Aufgaben gleichzeitig, fehlende Perspektiven im Unternehmen oder monotone Arbeit: Nicht wenige Arbeitnehmer sind mir ihrer aktuellen Stelle unzufrieden. Und knapp ein Viertel aller Beschäftigten ist sogar aktiv auf der Suche nach einem neuen Job. Das ist das Ergebnis einer Umfrage unter 2.000 Arbeitnehmern, die vom Personaldienstleister Orizon durchgeführt wurde. Das Erstaunliche: „Auch Arbeitnehmer in sicheren Arbeitsverhältnissen machen es sich nicht automatisch gemütlich“ , so Dieter Traub, Geschäftsführer von Orizon - knapp 20 Prozent der Beschäftigten in unbefristeter Festanstellung sind laut der Umfrage aktiv auf der Suche nach einer neuen Stelle.

          Auf der Suche nach einer neuen Stelle gibt es zwischen den Geschlechternallerdings nur marginale Unterschiede. So suchen gut 24 Prozent der weiblichen Beschäftigten nach neuen beruflichen Möglichkeiten und liegen damit nur 0,2 Prozent über den Männern. Die Suchaktivität von Hochschulabsolventen unterscheidet sich mit 23,8 Prozent auch nur wenig zu der von Ausbildungsabsolventen mit 23,6 Prozent.

          Beschäftigte ohne beruflichen Bildungsabschluss stechen hingegen mit einer Suchaktivität von gut 30 Prozent heraus. Mit zunehmendem Alter nimmt die Lektüre der Stellenanzeigen jedoch deutlich ab. Bei den 20 bis 29 Jahre alten Umfrageteilnehmern suchen gut 34 Prozent nach neuen Herausforderungen, bei den Arbeitnehmern über 50 Jahre nur noch knapp 17 Prozent.

          Hoher Wechselwille, schwierige Suche

          Doch was sind die Gründe für diesen Wechselwillen? „Die zunehmende Befristung von Stellen – selbst im Öffentlichen Dienst – verunsichert die Arbeitnehmer. Sogar wenn die Möglichkeit auf einen Anschlussvertrag besteht, schaut sich ein Arbeitnehmer mit Weitblick nach anderen Optionen um“, sagt Orizon-Geschäftsführer Traub.

          Dissonanzen im sozialen Gefüge und das Betriebsklima, so Traub, seien weitere Faktoren. Ein schwieriges Verhältnis zum Chef oder den Kollegen könne auch der Beweggrund für den Abschied aus einem Unternehmen sein. „Der Grat zwischen Burnout und Boreout ist schmal“, so Traub, „Viele Arbeitnehmer sind gestresst bis überfordert und mindestens ebenso viele sind von eintönigen Aufgaben gelangweilt.“ 

          Die Suche nach einer neuen Stelle gestaltet sich auch im Zeitalter von Big Data indes als schwierig. Die suche über Jobportale ist für viele Arbeitssuchende frustrierend, da keine, unpassende oder viel zu viele Stellen in der Trefferliste erscheinen. Der konträre Weg über informelle und persönliche Netzwerke – über die nach wie vor viele Stellen vergeben werden – ist gerade für junge Arbeitnehmer und Berufsrückkehrer nur begrenzt zugänglich. „Die Algorithmen der Suchmaschinen können eine persönliche Beratung nicht ersetzen“, so Traub.

          Quelle: evah./FAZ.NET

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