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Arbeitgebersiegel : Geschäfte mit dem schönen Schein

  • -Aktualisiert am

Der Flop mit dem Top-Job: Nur Gewinner überall? Bild: Felix Seuffert

Was sagt es Bewerbern eigentlich, wenn Unternehmen sich als ausgezeichnete Arbeitgeber verkaufen? Sie zahlen schließlich für solche Siegel - und die Kriterien sind nicht gerade transparent.

          Deutschlands beste Arbeitgeber des Jahres 2016 stehen fest. Jedenfalls für das „Top Employers Institut“. In Düsseldorf verlieh es vor kurzem in einer Gala seine Zertifikate an mehr als hundert Unternehmen. Doch Top Employer ist nicht allein, wenn es darum geht, Deutschlands vermeintlich beste Arbeitgeber zu ermitteln. Auch „Great Place to Work“ hat gerade erst seine Auszeichnungen vergeben und in Berlin Prädikate für die besten Arbeitgeber 2016 verliehen. Wie kann das sein? Das Beispiel zeigt, wie undurchsichtig der Markt mit den Zertifikaten inzwischen ist.

          Dieser Markt ist unglaublich schnell gewachsen. Gab es Anfang des Jahres 2013 nur rund 75 dieser Prädikate, so ist die Zahl mittlerweile auf mehr als 200 gestiegen. Auch die Zahl der Anbieter solcher Auszeichnungen wächst beständig. Mehr als 120 sind es inzwischen. Neben „Top Employer“ und „Great Place to Work“ sind „Top Job“, der TÜV Rheinland und „Berufundfamilie“ die bekannteren.

          Der Weg zur Zertifizierung sieht bei ihnen ähnlich aus. Unternehmen, die sich um ein Zertifikat bemühen, lassen sich in einem mehrstufigen Verfahren durchleuchten. In einem ersten Schritt beantworten Mitarbeiter des Kandidaten anonyme Fragebögen zu Unternehmenskultur, Aufstiegs- und Entwicklungsmöglichkeiten, zu Gehältern oder der Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Anschließend werten die Anbieter die Bögen aus und führen stichprobenartig Gespräche im Unternehmen. Erfüllt es bestimmte, von den Anbietern individuell festgelegte Anforderungen, dann wird es ausgezeichnet und darf sich anschließend für einen bestimmten Zeitraum mit dem Zertifikat schmücken. So weit, so einfach.

          Mehr als 40.000 Euro für das ganze Verfahren

          Allerdings hat die Zertifizierung ihren stattlichen Preis. Ein Unternehmen mit rund 250 Mitarbeitern zum Beispiel muss bei „berufundfamilie“ für das komplette Verfahren mit mehreren Untersuchungen mehr als 40.000 Euro zahlen. Weitere Leistungen wie spezielle Auswertungen, Trainings und Seminare werden extra berechnet - so wie bei anderen Anbietern auch. So bietet „Top Job“, das sich auf mittelständische Unternehmen spezialisiert hat, eine virtuelle Ergebnispräsentation an. Preis: 750 Euro plus Mehrwertsteuer. Stellt sich also die Frage, warum immer mehr Unternehmen ein so kostspieliges und zeitraubendes Verfahren auf sich nehmen.

          Alexander Spermann, Volkswirt an der Universität Freiburg, wundert das allerdings nicht. „Der Fachkräftemangel und der demographische Wandel machen die Rekrutierung von jungen, hochqualifizierten Arbeitskräften immer schwieriger“, sagt er. „Unternehmen greifen gerne auf diese Zertifikate zurück, um ihre Attraktivität zu unterstreichen und nutzen das sogenannte employer branding, um sich von Wettbewerbern abzuheben.“ Die Präferenzen bei der Information über potentielle Arbeitgeber und bei der Bewerbung tragen zum Wachstum des Marktes bei. „Bewerber informieren sich zunehmend im Internet. Zertifikate auf der Homepage eines Unternehmens suggerieren dabei Vergleichbarkeit“, sagt Andrea Hammermann vom Institut der deutschen Wirtschaft in Köln.

          Diese vermeintliche Vergleichbarkeit ist jedoch umstritten, weil die Richtlinien der Anbieter nicht transparent sind. Stattdessen verstecken sich die Anbieter hinter blumigen Schlagwörtern. Meistens veröffentlichen sie auch nur Tabellen, in denen ihre zertifizierten Unternehmen alphabetisch aufgeführt sind. Mal sind es 50, mal 100. Diese Ranglisten haben für beide Seiten Vorteile: Die Anbieter müssen auf diesem Weg keine genauen Ranglistenplätze begründen. Und Unternehmen kommen nicht in die unangenehme Situation, nach stattlichen Ausgaben am Ende auf einem mittelmäßigen Platz zu landen. Genaue Ergebnisse stehen jedenfalls nur den teilnehmenden Unternehmen zur Verfügung. Sie können anhand von Wettbewerbsanalysen erkennen, wie sie im Vergleich zu Konkurrenten aufgestellt sind.

          Ist ein kleiner Provinzbetrieb mit einem Konzern vergleichbar?

          Uta Lewien, zuständig für das Personalmarketing der Weidmüller Gruppe - einem Elektronikspezialisten mit jeder Menge Kunden in der Industrie und knapp 5000 Beschäftigten -, sieht darin allerdings einen Vorteil der Zertifikate. „Mit der Zertifizierung werden nicht nur wir als Unternehmen bewertet, sondern wir können uns auch an Trends der Branche orientieren“, sagt sie. Das Unternehmen aus Detmold wurde gerade zum achten Mal in Folge von „Top Employers“ zertifiziert.

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