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Arbeitgebersiegel : Geschäfte mit dem schönen Schein

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Bei den Rankings werden häufig Unternehmen aus verschiedenen Branchen und mit unterschiedlichen Mitarbeiterzahlen verglichen. Aber kann man einen kleinen, hochspezialisierten Maschinenbauer aus der schwäbischen Provinz mit einem großen Reinigungsunternehmen aus Berlin vergleichen? Sowohl die Mitarbeiter als auch das Umfeld dürften wenig gemeinsam haben. Manche Anbieter sind da aber auch schon weiter und teilen die Bewerber nach Größe ein. Dazu bieten sie branchen- und regionenspezifische Zertifizierungen an. So gibt es bei „Top Employer“ neben Ausschreibungen für den deutschen Mittelstand und für Ingenieure auch einen weltweiten Wettbewerb. Bei manchen der Sparten ist es allerdings fraglich, ob überhaupt eine kritische Masse an Teilnehmern erreicht wird, um aussagekräftig vergleichen zu können. „Top Job“ zum Beispiel hat in der Kategorie Gesundheitswesen für das vergangene Jahr sieben Unternehmen ausgezeichnet. Da sich insgesamt 103 Unternehmen um die Zertifizierung beworben haben und schließlich 93 ausgezeichnet wurden, dürfte die Aussagekraft der Spartenauszeichnung allerdings begrenzt sein.

Sogar noch einen Schritt weiter geht der Anbieter „berufundfamilie“. Er hat für das Jahr 2016 von 294 Unternehmen, die sich um ein Zertifikat beworben haben, genau 294 ausgezeichnet. Bei solchen Zahlen stellt sich die Frage, ob die Anbieter einfach jedes Unternehmen zertifizieren oder sich nur Unternehmen um die Zertifizierung bemühen, die ohnehin eine gute Personalpolitik betreiben? Es dürfte jedenfalls sicher sein, dass die Anbieter kein Interesse daran haben, Bewerbern die Zertifizierung unnötig schwer zu machen. Die Marken sind noch zu unbekannt, als dass sie ein Qualitätssiegel darstellten. Hohe Standards würden die Anbieter daher nur um Aufträge, also um Einnahmen bringen.

Wegen der Verfahren ist Andrea Hammermann vom Institut der deutschen Wirtschaft in Köln von den Zertifikaten auch nicht überzeugt. „Aber die Teilnahme an einem solchen Wettbewerb zeigt zumindest, dass sich ein Unternehmen um das Thema Personal kümmert. Das hat Signalwirkung“, sagt sie immerhin. Und dieser Wirkung sind sich auch die Anbieter bewusst. Sie werben dezidiert mit der Öffentlichkeitswirkung der Siegel und stellen zum Beispiel Pressepartner bereit, die über ihre Veranstaltungen berichten. Außerdem geben sie Leitfäden heraus, wie zertifizierte Unternehmen am effektivsten mit ihrem Siegel werben. Für viele ist dieser Punkt immens wichtig. Schließlich lassen sich vor allem Unternehmen zertifizieren, die bei Hochschulabsolventen und jungen Nachwuchskräften eher unbekannt sind und in den Ranglisten der beliebtesten Arbeitgeber nicht auf den vorderen Plätzen auftauchen. Unternehmen wie Google oder BMW, die diese Umfragen regelmäßig anführen, brauchen die Zertifikate nicht. Sie bekommen auch ohne Siegel genügend Bewerbungen. Bei den deutschen Standorten der BMW Gruppe etwa gingen im vergangen Jahr rund 240 000 Bewerbungen ein. Nachwuchssorgen sehen anders aus.

Die Mitarbeiter reagieren positiv

Neben der Außenwirkung darf die Innenwirkung der Zertifikate aber nicht unterschätzt werden. Uta Lewien bestätigt das. „Die Reaktionen der Mitarbeiter auf das Zertifikat sind durchweg positiv. Wer erzählt denn nicht gerne, dass er in einem erfolgreich zertifizierten Unternehmen arbeitet?“, sagt sie. Auch Alexander Spermann sieht in der Mitarbeitermotivation einen Pluspunkt für die Zertifikate: „Sie sind nicht nur für die Rekrutierung, sondern auch für die Bindung von Mitarbeitern nützlich“, sagt er. „Angesichts der hohen Kosten für die Rekrutierung investieren Unternehmen viel, um qualifizierte Mitarbeiter zu halten.“ Außerdem könne ein Zertifikat auch geschäftsfördernd wirken. „Es strahlt nicht nur auf Mitarbeiter und Bewerber ab, sondern zeigt auch Kunden und Geschäftspartnern, dass sich das Unternehmen um sein Personal kümmert. Dieser Faktor darf nicht unterschätzt werden.“

Der Höhenflug der Zertifikate ist noch lange nicht vorbei, glaubt Andrea Hammermann. „Die vielen Zertifikate erzeugen Druck auf Wettbewerber, nachzuziehen und sich ebenfalls um ein Zertifikat zu bemühen“, sagt sie. Deshalb werde der Markt mit den Zertifikaten weiter wachsen. Mit einer größeren Transparenz bei den Verfahren ist allerdings nicht zu rechnen. Das Geschäft läuft schließlich auch so sehr gut.

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