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Arbeiten in Deutschland : Neue Heimat Alemania

Robles de Maruri (r.) mit seinem Ausbildungsleiter Bild: Jan Roeder

Die Euro-Krise hat viele junge Südeuropäer arbeitslos gemacht. Deutschland wollte mit Ausbildungsplätzen helfen – jetzt werden die ersten Absolventen fertig.

          In seinem Job kann jeder Fehler Millionen Euro kosten. Doch Oscar Robles de Maruri arbeitet nicht als Investmentbanker für eine Bank in der Londoner City, sondern ist Fachkraft für Lagerlogistik beim Autozulieferer Continental in Regensburg. 24 Millionen Teile werden dort täglich im Wareneingang gebucht. Wenn ein wichtiges Teil fehlt, kann es sein, dass beim Autohersteller die Produktion stockt und die Bänder stillstehen. Entsprechend konzentriert bearbeitet Robles de Maruri die Kundenbestellungen, lässt aus dem Lager die gewünschten Teile kommen und packt sie ordnungsgemäß in Kisten.

          Jenni Thier

          Redakteurin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Gut drei Jahre ist es her, dass der 30-jährige Spanier seine eigenen Sachen packte - und sich von seiner Heimat Barcelona auf den Weg in die Oberpfalz begab. Er ist einer von rund 12 000 Teilnehmern von „Mobipro-EU“, ein Programm zur „Förderung der beruflichen Mobilität von ausbildungsinteressierten Jugendlichen aus Europa“. 2013 wurde es von der Bundesregierung und der Bundesagentur für Arbeit gestartet, um jungen, arbeitslosen Europäern eine Ausbildung in Deutschland zu ermöglichen. Über das Programm bekommen sie Sprachkurse und werden an deutsche Unternehmen vermittelt. Liegt ihr Gehalt unter 818 Euro im Monat, wird es aufgestockt. Damals, auf dem Höhepunkt der Euro-Krise, bestimmten Schreckensmeldungen zur Rekordarbeitslosigkeit vor allem in Südeuropa die Schlagzeilen. Da wundert es wenig, dass 55 Prozent der Teilnehmer aus Spanien kommen.

          Neuanfang nach vier Jahren Arbeitslosigkeit

          Insgesamt hat die Bundesregierung 564 Millionen Euro für Mobipro-EU bereitgestellt. Die Zahlen von 2013 bis 2015 zeigen allerdings, dass von den geplanten 229 Millionen Euro nur 94,5 Millionen ausgezahlt wurden. Das liegt vor allem daran, dass Stellen nicht neu besetzt wurden, wenn jemand abgesprungen ist. Mittlerweile gibt es auch erste vorzeigbare Ergebnisse, wie der Fall von Robles de Maruri zeigt. Er gehört zu den 600 Teilnehmern, die dieses Jahr ihre Ausbildung erfolgreich abgeschlossen haben. Der Spanier war sogar schneller fertig als üblich: Eigentlich dauert die Ausbildung zur Fachkraft Lagerlogistik drei Jahre, er schaffte sie in zweieinhalb und hat nun einen unbefristeten Anschlussvertrag.

          Bevor es ihn nach Deutschland zog, war er in Spanien vier Jahre arbeitslos - obwohl er ausgebildeter Kaufmann für Logistik- und Speditionsdienstleistungen war. Anfang 2013 hörte er von der Präsentation von Mobipro-EU in Barcelona, ein paar hundert Leute waren mit ihm dort. „Besser, als immer zu Hause bleiben“, dachte sich Robles de Maruri anschließend. Es folgten eine Bewerbung, ein Interview mit dem Ausbildungsleiter von Continental und ein Deutschkurs am Goethe-Institut in Barcelona. Im Sommer ging es dann nach Bayern für ein zweimonatiges Praktikum, begleitet von einem weiteren Deutschkurs. Robles de Maruri konnte überzeugen, und Continental gab ihm einen Ausbildungsvertrag. Dann hieß es, Abschied nehmen.

          Robles de Maruri lebte damals bei seiner Mutter, doch dank Whatsapp und Skype ist der Sohn nicht verlorengegangen. Um den Übergang möglichst leicht zu machen, stellte Continental dem Spanier einen Paten an seiner Seite. Ein Kollege, dessen Frau Katalanin ist, half ihm, im Alltag zurechtzukommen. Wer mit ein paar Hochdeutsch-Kenntnissen nach Bayern kommt, hat es nicht so leicht mit den lokalen Dialekten - trotz weiterer Sprachkurse parallel zur Ausbildung.

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