http://www.faz.net/-gyl-8xzm0

Arbeiten im Silicon Valley : Spurensuche im Tal der technischen Revolution

Auf ins Silicon Valley: Der Zukunft der Arbeit auf der Spur Bild: Picture-Alliance

Wer sich mit der Zukunft von Wirtschaft, Arbeit und Gesellschaft beschäftigt, kommt um eine Visite des Silicon Valleys kaum noch herum. Wie ein Team von Münchner Wissenschaftlern das Geheimnis des Technik-Tals lüften will.

          Reisen ins Silicon Valley gehören in bestimmten Kreisen längst ins Pflichtenheft. Wer sich mit der Zukunft von Wirtschaft, Arbeit und Gesellschaft beschäftigt, kommt um eine Visite im Tal der Technik nicht herum. Dort gilt es, die Erfolgsformel der jungen milliardenschweren Konzerne zu ergründen, die das Internet beherrschen. Auch aus Deutschland wandelten unzählige Delegationen auf den Spuren von Google, Apple, Facebook und Co. Andreas Boes war schon zweimal zu Forschungszwecken in Kalifornien – und wird es dabei nicht belassen. Zusammen mit einer Gruppe von Münchner Sozialwissenschaftlern macht sich der Soziologieprofessor in diesen Tagen ein drittes Mal auf den Weg.

          Sven Astheimer

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Beruf und Chance“.

          Seine ersten Eindrücke von 2008 fasst Boes heute als „kreative Spielereien“ zusammen. Während des zweiten Besuchs 2015 sei das Team vom Institut für Sozialwissenschaftliche Forschung (ISF) dann davon überrascht worden, mit welcher Wucht und Dynamik die Prozesse im Silicon Valley mittlerweile vorangetrieben werden. Angefangen von den vielen hungrigen Start-up-Unternehmen bis hin zu den Großkonzernen habe sich ein völlig eigenes Biosystem entwickelt, das unter Hochdruck daran arbeite, die alte Wirtschaftswelt aus ihren Angeln zu heben. „Der wichtigste Rohstoff dafür sind die Tausenden Mitarbeiter, die jedes Jahr ins Valley strömen und nicht selten bis an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit herangehen“, sagt Boes. Nachdem das Silicon Valley im Bereich der Konsumentenelektronik schon Standards gesetzt habe, versuche man nun, dasselbe auch für industrielle Kernbereiche zu tun.

          Welchen Platz hat noch ein deutscher Autohersteller?

          Diese Erkenntnisse und Eindrücke warfen für Boes und sein Team im Nachgang wiederum viele neue Fragen auf. Beispiele: „Was bedeutet es für die digitale Ökonomie in Europa und speziell in Deutschland, wenn in Amerika der Angriff auf die Industrie geplant wird? Wo wird etwa künftig der Platz eines Autoherstellers in der Wertschöpfungskette sein in einem vernetzten Mobilitätskonzept? Welche neuen Geschäftsmodelle entstehen heute und in naher Zukunft in Amerika auf Basis künstlicher Intelligenz und des Internets der Dinge?“

          Ab dem 24. Mai bloggen die Wissenschaftler des Münchener ISF über ihre Tour durchs Valley. Täglich auf faz.net
          Ab dem 24. Mai bloggen die Wissenschaftler des Münchener ISF über ihre Tour durchs Valley. Täglich auf faz.net : Bild: Picture Alliance/ faz.net

          Um Antworten darauf zu finden, wird das Team aus München acht Tage lang im Silicon Valley unterwegs sein und viele Gespräche führen. Mit Unternehmensstrategen von kleinen, hoffnungsvollen Neugründungen, aber auch mit Spielern auf der großen Bühne wird erörtert, welche Folgen sich für die Menschen in diesem System ergeben und was Deutschland davon lernen sollte – und was besser nicht.

          Eines hat sich zudem grundlegend verändert im Vergleich zur vergangenen Reise 2015: Der aktuelle Präsident der Vereinigten Staaten heißt nun Donald Trump, und der hat mit seinen Plänen etwa für die Beschränkung auch qualifizierter Zuwanderung schon lauten Protest in Kaliforniens Technikszene entfacht. „Wird Trump mit seiner Politik die Dynamik im Silicon Valley verändern?“, fragt sich Andreas Boes. Schließlich steht hochqualifizierten Informatikern oder Ingenieuren mittlerweile die Welt offen, viele Standorte von Asien über Europa bis Kanada buhlten um die Gunst dieser vermeintlichen Avantgarde auf dem Weg ins digitale Zeitalter. „Und nichts verschreckt diese Gruppe mehr als der Eindruck, dass sie irgendwo nicht mehr willkommen ist“, sagt Boes. Am Ende droht also vielleicht auch dem Technik-Mekka unter kalifornischer Sonne sein wichtigster Rohstoff knapp zu werden: der Mensch.

          Ihre Erfahrungen auf der Reise durch das Silicon Valley werden die Münchner Wissenschaftler in einem Tagebuch festhalten. Vom 24. Mai an erscheint täglich eine Folge ihres Blogs “Tour durchs Valley“ auf faz.net

          Quelle: F.A.Z.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Bereits bei Wahlkampfauftritten der Kanzlerin hatte es in Sachsen massive Proteste gegen Merkel gegeben.

          AfD-Hochburg : Das macht ihnen Angst

          Nirgends ist die AfD so stark wie in Ostsachsen. Manche fühlen sich dort von der Politik vergessen. Doch das sind nicht nur zornige alte Männer.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.