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Mehr Ansehen als Gehalt : Was Ärzte verdienen

Bild: F.A.Z. / Bild dpa

Ärzte bekommen ordentliche Gehälter, sie sind aber nicht immer Spitzenverdiener – außer, sie bringen es bis zum Chef. Ihr Ansehen dagegen ist unverändert sehr hoch.

          Sie sind die ewigen Spitzenreiter: Jedes Jahr, wenn das Institut für Demoskopie Allensbach das Ansehen bestimmter Berufe in der Bevölkerung abfragt, landen die Ärzte an erster Stelle. 76 Prozent der Deutschen zählen die Arbeit der Mediziner zu den fünf Berufen, die sie am meisten schätzen. Auch der zweite Platz im Allensbacher Prestige-Ranking geht an eine Profession aus dem Gesundheitswesen: die Krankenschwester, mit 63 Prozent der Nennungen. Es sind Zahlen, von denen etwa Banker nur träumen können: Die Finanzprofis stehen am unteren Ende der Rangliste des Renommees; ihrer Arbeit zollen gerade mal 3 Prozent der Deutschen Respekt.

          Julia Löhr

          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Nadine Bös

          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Beruf und Chance“.

          In der Bezahlung der Medizinberufe spiegeln sich derlei Unterschiede nicht wider. Exorbitante Gehälter, wie sie in Banken auch fünf Jahre nach dem Ausbruch der Finanzkrise nicht selten gezahlt werden, sind in Krankenhäusern und Arztpraxen eine Ausnahmeerscheinung. So kommen Krankenpfleger derzeit auf einen durchschnittlichen Bruttomonatsverdienst zwischen 1600 Euro in den östlichen Bundesländern und etwas mehr als 2000 Euro in einigen Regionen im Westen. Das zeigt ein Blick auf die von der Hamburger Vergütungsberatung Personalmarkt betriebene Internetseite Gehaltsvergleich.com. Etwas besser sieht es für die Ärzte aus: Assistenzärzte im Krankenhaus kommen schon auf etwa doppelt so viel Gehalt wie das Pflegepersonal.

          Steil bergauf geht es in den Führungspositionen. Im Rang eines Oberarztes erreicht das Durchschnittsgehalt im Jahr eine sechsstellige Summe; 114.000 Euro, um genau zu sein, so hat es die Unternehmensberatung Kienbaum in einer umfassenden Studie ermittelt. Und wer es bis zum Chefarzt bringt, kann sogar auf rund 279.000 Euro hoffen, wenngleich die Beträge je nach Region, Größe und Trägerschaft des Krankenhauses stark schwanken. 80Prozent der Chefärzte bewegen sich Kienbaum zufolge in einer Spanne zwischen 125.000 und 500.000 Euro.

          Erfreuliche Lage am Arbeitsmarkt

          Die Situation auf dem Arbeitsmarkt ist erfreulich – zumindest aus Sicht der Beschäftigten. Rund 5 Millionen Menschen arbeiten im deutschen Gesundheitswesen, die Arbeitslosenquote liegt unter dem Durchschnitt. Besonders Pflegekräfte werden allerorten gesucht, die Zahl der offenen Stellen hat sich zwischen 2009 und diesem Jahr um 6Prozent auf mehr als 10000 erhöht. Noch stärker fiel der Anstieg in der Altenpflege aus: Dort sind 13700 offene Stellen gemeldet, 22 Prozent mehr als vor vier Jahren.

          Nicht ganz so groß ist die Auswahl für Ärzte; die 2300 offenen Stellen, die aktuell in der Statistik der Bundesagentur für Arbeit stehen, sind 17 Prozent weniger als 2009. Allerdings weist die Behörde darauf hin, dass ihr nicht alle zu besetzenden Stellen gemeldet werden. Dass viele Krankenhäuser auf der Suche sind, zeigt sich auch in der Bezahlung: Die Gehälter der Krankenhausärzte stiegen im vergangenen Jahr um 2,7 Prozent, die der Fachärzte um 3,7 Prozent.

          Nicht nur in den Kliniken, auch bei den niedergelassenen Hausärzten zeichnet sich ein steigender Bedarf ab. Zurzeit stehen nach Schätzungen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) in Deutschland 3000 Hausarztpraxen leer. „Vor allem in ländlichen Regionen wird es immer schwieriger, Ärzte zu finden“, sagt ein KBV-Sprecher. Dabei sind die Verdienstmöglichkeiten für die Niedergelassenen zwischen 2007 und 2011 gestiegen: Nach Angaben des Statistischen Bundesamts wuchsen die Einnahmen eines Arztpraxisinhabers in diesem Zeitraum im Durchschnitt um etwa 17 Prozent. Zum Vergleich: Die Gehälter vollzeitbeschäftigter Arbeitnehmer stiegen in derselben Zeit nur um 9,5 Prozent an.

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