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Ärzte der Generation Y : Selbstbewusst, gut bezahlt und gern in Teilzeit

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Jung gegen alt: Das Nebeneinander auf den Klinikfluren klappt nicht mehr so gut. Bild: Jesco Denzel / F.A.Z.

Junge Ärzte wollen keine 60-Stunden-Woche mehr, ältere sind genervt von der Nörgelei der so genannten Generation Y. In den Krankenhäusern kocht der Konflikt noch höher als in anderen Branchen.

          Das Angebot findet sich auf Seite 14 im Anzeigenteil des „Deutschen Ärzteblattes“: Ein Kurs im November in Köln will Führungskräfte in Kliniken schulen im Umgang mit den jüngeren Mitarbeitern. Anzeigentext: „Sie sind selbstbewusst, befolgen Anweisungen nur nach Lust und Laune, brauchen ständig Aufmerksamkeit und Feedback, übernehmen wenig Verantwortung und beweisen keine Eigenständigkeit: Die Generation Y.“

          Das Bild ist vielleicht ein kleines bisschen überzeichnet, aber im Großen und Ganzen stimmt es mit den Ansichten überein, die man unter deutschen Ärzten derzeit zum Thema Generation Y findet. Die ab den achtziger Jahren geborenen Berufskollegen werden von den älteren Generationen argwöhnisch beäugt – das bestätigte zuletzt der Mediziner Christian Schmidt mit einer Titelgeschichte, die im Mai im „Deutschen Ärzteblatt“ erschienen ist. Schmidt, Jahrgang 1967, ist Chirurg und medizinischer Geschäftsführer der Kliniken der Stadt Köln, eines großen Krankenhauskonzerns. In den vergangenen Jahren hat er sich mit einer Reihe von Studien einen Namen als Experte für die Generation Y im Arztberuf gemacht. Für seinen jüngsten Artikel im „Ärzteblatt“ hat er versucht, Medizinern verschiedenen Alters in die Köpfe zu schauen. Wie denkt ein Arzt knapp vor der Rente, wie ein 50-Jähriger, wie eine Mittdreißigerin über die Berufsanfänger?

          Das Ergebnis mag für manchen 25- bis 30-Jährigen ernüchternd sein. Besonders hart fällt das Urteil der direkten Vorgängergeneration aus, der sogenannten Generation X, die ab Mitte der sechziger Jahre geboren ist. Sie halten die Jüngeren für „Heulsusen, die arrogant ihre Ziele einfordern“. Und setzen noch einen drauf: „Schaffen keine Doppelnachtdienste am Wochenende.“ Auch die Babyboomer, immerhin schon um die fünfzig oder älter, sind kein bisschen milde: „Respektlose Anfänger“ denken sie über die Generation Y. Schmidt hat typische Sichtweisen zusammengestellt, die nicht auf einzelne Personen zurückgehen, sondern symbolisieren, wie sich die unterschiedlich alten Gruppen im Klinikalltag gegenüberstehen.

          Die Generation X hat Grund zu jammern

          Die Generation Y, die so viel Kritik von den älteren Kollegen erfährt, teilt aber dieser Typologie zufolge auch selbst aus: „Babyboomer sind Workaholics, die alles ausdiskutieren müssen und immer gerecht sein wollen“, glauben die jungen Ärzte etwa, und die Generation X jammert ihnen schlicht zu viel.

          Die Generation X hat allerdings, historisch betrachtet, auch deutlich mehr Grund zu jammern. Ein Arzt, der heute vierzig Jahre alt ist, hat sein Studium Ende der neunziger Jahre beendet, als Stellen noch rar und die Gehälter im Vergleich zu heute gering waren. Zu allem Überfluss gab es außerdem noch den „Arzt im Praktikum“, der erst 2004 abgeschafft wurde. Als „AiP“ wurde eine Pflichtzeit von anderthalb Jahren im Krankenhaus bezeichnet, während der die Mediziner kaum mehr als tausend Euro brutto verdienten. Damals galten Ärzte in Deutschland als typisches Beispiel dafür, dass junge Akademiker ausgebeutet wurden. Doch dann kam das Jahr 2006, und die jungen Ärzte gingen wochenlang auf die Straße, um für höhere Gehälter und bessere Arbeitsbedingungen zu streiken. Mit Erfolg: Der Marburger Bund erreichte damals einen „arztspezifischen Tarifvertrag“.

          Verdienten Ärzte zuvor nicht mehr als andere Akademiker im öffentlichen Dienst, so haben sie heute, zumindest finanziell, eine solide Zukunftsperspektive als Angestellte im Krankenhaus. Direkt nach dem Examen steigen die jungen Ärzte mit 4100 Euro brutto in die Facharztausbildung an Universitätskliniken ein. Nach der Facharztprüfung, etwa sechs Jahre später, liegt das Gehalt bei 5500 Euro. Nach zehn Jahren als Facharzt ist das Gehalt dann noch einmal auf 6500 Euro gestiegen.

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