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Belastungen am Arbeitsplatz : Einigung auf Anti-Stress-Erklärung geplatzt

  • Aktualisiert am

Psychischer Stress macht immer mehr Arbeitnehmer krank Bild: dpa

Eigentlich wollten Arbeitgeber und Gewerkschaften am Dienstag eine gemeinsame Erklärung gegen Stress am Arbeitsplatz verabschieden. Doch kurzfristig platzte die Einigung. Übrig geblieben ist eine Studie, die zeigt, dass die Belastungen gewachsen sind.

          Arbeitgeber und Gewerkschaften haben sich am Dienstag während eines Treffens zum Thema Stress im Beruf nicht auf eine eigentlich geplante gemeinsame Erklärung gegen psychische Belastungen am Arbeitsplatz einigen können. Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen, die gemeinsam mit Vertretern beider Seiten an einem Treffen zum Thema in Berlin teilgenommen hatte, bedauerte diese Entwicklung. „Es besteht Handlungsbedarf in unseren Betrieben“, sagte sie bei einer Tagung zum Thema Stress am Arbeitsplatz am Dienstag. „Ohne die Sozialpartner geht es aber nicht.“ Gewerkschaftsvertreter sprachen von einem „Scheitern“ der Gespräche.

          Im Vorfeld war eine neue Studie der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) zur Belastung von Arbeitnehmern erschienen, die das Thema mit aktuellen Zahlen illustrierte. Fast jeder Fünfte Arbeitnehmer fühlt sich demnach überfordert - und 43 Prozent der Berufstätigen in Deutschland klagen über wachsenden Stress. Für die Studie wurden bundesweit fast 18.000 Arbeitnehmer zu psychischen Anforderungen, Belastungen und Stressfolgen ihres Arbeitsalltags befragt. Ergebnis: Anforderungen und positive Aspekte im Berufsalltag haben sich seit 2005/2006 „auf hohem Niveau“ kaum verändert.

          Häufige Telefon- und E-Mail-Unterbrechungen

          Der Studie zufolge sind Termin- und Leistungsdruck in Deutschland verbreiteter als im Durchschnitt der 27 EU-Länder: Jeder zweite Befragte (52 Prozent) gibt das an. Fast jeder Zweite (44 Prozent) wird bei der Arbeit durch Telefonate und E-Mails unterbrochen. Knapp 60 Prozent fühlen sich durch das gleichzeitige Erledigen verschiedener Aufgaben belastet. Für 35 Prozent ist die Arbeitswoche länger als 40 Stunden. 26 Prozent klagen darüber, dass sie keine Pausen machen können. Insgesamt 64 Prozent arbeiten auch samstags, 38 Prozent an Sonn- und Feiertagen.

          Besonders belastet sind Chefs. Das erschwere zugleich eine gute Personalführung, sagte BAuA-Präsidentin Isabel Rothe.
          Von der Leyen sagte, die Zahlen sprächen eine deutliche Sprache. Im Jahr 2011 seien 59 Millionen Arbeitsunfähigkeitstage wegen psychischer Erkrankungen registriert worden. „Das ist ein Anstieg um mehr als 80 Prozent in den letzten 15 Jahren.“ Daraus ergäben sich Produktionsausfälle von sechs Milliarden Euro. „Es kostet richtig viel Geld.“ Psychische Erkrankungen seien bei der Frühverrentung mit 41 Prozent inzwischen „Ursache Nummer eins“.

          Buntenbach fordert Anti-Stress-Verordnung

          Der Deutsche Gewerkschaftsbund machte die Arbeitgeber für das vorläufige Scheitern der geplanten gemeinsamen Erklärung gegen Psychostress verantwortlich. Die Studie zeige, „dass Arbeit der Stressfaktor Nummer eins ist und psychische Belastungen bei der Arbeit dringend abgebaut werden müssen“, sagte DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach. Sie forderte eine Anti-Stress-Verordnung. Die IG Metall kritisierte, die Arbeitgeber hätten „durch massive Änderungsvorschläge an dem bereits fertig abgestimmten Entwurf“ die gemeinsame Erklärung platzen lassen. „Anscheinend haben sich kurzfristig noch die Hardliner auf Arbeitgeberseite durchgesetzt“.

          Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt signalisierte weitere Gesprächsbereitschaft. Es schade aber der Sache, wenn die Debatte über psychische Gesundheit mit falschen Zahlen, verzerrenden Darstellungen und unberechtigten Vorwürfen geführt werde. Der Grund für den Anstieg festgestellter psychischer Erkrankungen liege vor allem in geänderten Diagnosen. Auch die Betriebe, so Hundt, seien an der psychischen Gesundheit ihrer Mitarbeiter interessiert. Es offenbarten sich jedoch nur 16 Prozent derer, die Hilfe benötigen, ihren Vorgesetzten. Das Thema müsse aus der Tabuzone heraus.

          Nach den Worten von der Leyens sind die Arbeitgeber schon heute zur Prävention auch zum psychischen Arbeitsschutz gesetzlich verpflichtet: „Mit allen Sanktionen, mit allen Konsequenzen.“ Arbeitsschutz gebe es aber wegen der unterschiedlichen Betriebsbedingungen „nicht von der Stange“.

          Quelle: DPA/AFP

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