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Beatrice Heuser Die Strategin

Beatrice Heuser ist die neue Leiterin der Forschungsabteilung des Militärgeschichtlichen Forschungsamts (MGFA) der Bundeswehr. Ihr Regiment rekrutiert sich aus zwanzig Wissenschaftlern, je zur Hälfte Stabsoffiziere und Zivilisten. Seit Anfang Juli residiert sie in der Potsdamer "Villa Ingenheim", dem früheren Wohnsitz von Hohenzollern-Prinzen und späteren Quartier des Militärgeschichtlichen Instituts der DDR.

© F.A.Z.-Matthias Lüdecke Vergrößern Beatrice Heuser

Ihr Regiment rekrutiert sich aus zwanzig Wissenschaftlern, je zur Hälfte Stabsoffiziere und Zivilisten. Seit Anfang Juli residiert sie in der Potsdamer "Villa Ingenheim", dem früheren Wohnsitz von Hohenzollern-Prinzen und späteren Quartier des Militärgeschichtlichen Instituts der DDR. Hierher zog das in den fünfziger Jahren in Freiburg gegründete Militärgeschichtliche Forschungsamt (MGFA) der Bundeswehr im Jahr 1994. Seit seinem Bestehen war in der größten außeruniversitären historischen Forschungseinrichtung des Bundes noch nie eine Stelle mit einer Historikerin oder Politikwissenschaftlerin besetzt worden.

Rainer  Blasius Folgen:  

Und jetzt kann Beatrice Heuser mit einem Sprung die zivile Spitzenposition, die Leitung der Forschung, einnehmen. Mit der Berufung einer Frau zum "Direktor und Professor" brachen die zuständigen Gremien, insbesondere der Wissenschaftliche Beirat und das Bundesministerium der Verteidigung, noch mit einer anderen Tradition. Bisher war es üblich, den Chefhistoriker aus dem eigenen Beritt zu küren. Dies führte dazu, daß ein "unterlegener" Mitbewerber aus dem Hause die Ernennung von Frau Heuser um mehrere Monate hinauszögern konnte.

Geboren wurde die Tochter eines Hochschullehrers, der für das Goethe-Institut tätig war, und einer Ärztin 1961 in Bangkok, das Abitur bestand sie 1978 in Istanbul. Mit einigen Unterbrechungen verbrachte sie 25 Jahre in England: von 1978 bis 1982 studierte sie Geschichte in London, von 1983 bis 1987 in Oxford, um vom Altmeister der britischen Militärgeschichtsschreibung, Sir Michael Howard, mit einer Studie über Jugoslawien im Kalten Krieg promoviert zu werden. 1989 bis 1991 war sie am Royal Institute of International Affairs, anschließend zwölf Jahre am Department of War Studies des Londoner King's College, zuletzt als Professorin.

"Zwischendurch" studierte sie 1982/83 Chemie und Pharmazie in Bonn - weil sie damals davon träumte, einmal als Leiterin der Weltgesundheitsorganisation "die Welt retten" zu können. Sie habilitierte sich 1996 in Marburg, heiratete den französischen Historiker und Berlin-Spezialisten Cyril Buffet und gebar eine Tochter. Fachlich stolz ist sie darauf, daß sie es durch Freunde und "mit Ellbogen" schaffte, sich 1997/98 bei der Nato als "Consultant/Intern" mit geheimen Kosovo-Angelegenheiten befassen zu dürfen. Seither glaubt sie zu wissen, wie Politik gemacht wird, und sie hält nichts von "blödsinnigen Theorien" über internationale Beziehungen.

Die Clausewitz-Kennerin und Strategie-Expertin will nun die Bekanntheit des Forschungsamtes im Ausland erweitern, insbesondere durch Übersetzungen der Veröffentlichungen ins Englische, sodann die vier ihr unterstellten Fachbereiche - Militärgeschichte bis 1914, Zeit der beiden Weltkriege, Bundeswehr/Nato sowie Nationale Volksarmee/Warschauer Vertrag - stärker verzahnen. Daneben gilt ihr Interesse epochenübergreifenden Fragestellungen, etwa den Grausamkeiten vom Dreißigjährigen Krieg bis Ruanda. Die selbstbewußte Historikerin wünscht sich, nicht durch administrative Aufgaben "eingeschneit zu werden". Daneben wird sie sich vor den Tretminen in acht nehmen müssen, die von den Kompetenzregelungen des Amtes herrühren. Sie kann sich daran festhalten, daß Obristen oder Kapitäne als Amtschef kommen und gehen, sie aber als Direktorin bleibt - solange sie will. Darin liegt ihre besondere Stärke.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.07.2003, Nr. 160 / Seite 8

 
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Veröffentlicht: 13.07.2003, 17:22 Uhr

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