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Bayerische Eliteakademie Die etwas andere Elite

An der Bayerischen Eliteakademie feilen Studenten an ihrer Persönlichkeit. Sie sollen später - anders als viele Führungskräfte - nicht nur um sich selbst kreisen.

© Peter v. Tresckow Vergrößern

Mit dem Namen der Einrichtung tun sie sich schwer. Der Begriff Elite sei in Deutschland negativ besetzt und erklärungsbedürftig, sagt der Geschäftsführer. Der akademische Leiter hätte den Namen bei der Gründung nicht gewählt. Und die Studenten berichten, dass er sie auf den ersten Blick fast von einer Bewerbung abgehalten habe. Immer noch erwähnten sie nur ungern, dass sie an einer Eliteakademie studieren. „Wir schmücken uns hier nicht mit dem Elitebegriff“, sagt Ava Mulla. „Wir sehen ihn eher kritisch.“ In den ersten Seminaren habe man intensiv über den Elitebegriff diskutiert, sagt die 25 Jahre alte Münchener Wirtschaftsingenieur-Studentin, die unter 850 Bewerbern einen der begehrten Studienplätze an der Bayerischen Eliteakademie in München ergattert hat.

Damit ist sie eine von rund 35 Studierenden von bayerischen Hochschulen, die jedes Jahr das strenge Auswahlverfahren der Akademie erfolgreich abschließen. Einen halben Tag lang müssen die Bewerber von einer Station zur nächsten eilen, Interviews führen, sich vor Publikum vorstellen und in vier Minuten Fragen beantworten wie „Warum soll die Bayerische Eliteakademie ausgerechnet Sie auswählen?“. „Total geschafft“ sei sie danach gewesen, sagt die 22 Jahre alte Viktoria Krastel, die an der TU München Bauingenieurwesen studiert. Sie sei sicher gewesen, es nicht geschafft zu haben - eine Prognose, die sich als falsch herausstellte. Trotz des stressigen Auswahlverfahrens hatte Ava Mulla schon im Assessment Center gespürt, „dass es ein ehrliches Interesse gab, mich kennenzulernen und mich nicht auseinanderbrechen zu lassen“.

Interdisziplinäre Seminare und Workshops

Mulla und Krastel haben gerade ihre Ausbildung an der Bayerischen Eliteakademie begonnen. Sie wurde vor 14 Jahren als Stiftung der bayerischen Wirtschaft gegründet und hat ein Vermögen von rund 20 Millionen Euro. Die Ausbildung eines Studenten kostet 28.000 Euro; die Teilnehmer zahlen davon 1950 Euro. Kern des Studiums neben dem Studium sind drei Präsenzphasen in den Semesterferien, in denen die Teilnehmer jeweils für vier Wochen in abgeschiedener Atmosphäre zusammenkommen, um in interdisziplinären Seminaren und Workshops Kenntnisse in Unternehmens-, Mitarbeiter- und Selbstführung zu erlangen. Sie diskutieren auch über Wirtschaftsethik und Gesellschaftspolitik und versuchen, den Begriff der Nachhaltigkeit mit Inhalt zu füllen. „Vier Wochen lang muss man sich mit anderen auseinandersetzen, seine Position finden und ständig reflektieren“, erklärt Ava Mulla und lässt erkennen, wie wertvoll die erste Präsenzphase für sie war. Zur Ausbildung gehört außerdem, dass jedem Student ein Mentor, eine Führungskraft aus der Wirtschaft, zur Seite steht, mit dem er sich alle ein oder zwei Monate trifft, um in vertrauter Atmosphäre über berufliche Optionen und Persönliches zu sprechen.

Der Unterschied zum Studium an der Hochschule sei riesig, sagt Ava Muller. Kein Frontalunterricht, man müsse vor Ort sein und könne sich nicht aus dem Weg gehen. „Etwas davon kann man auch an der Uni in den Soft-Skill-Seminaren lernen“, erklärt Viktoria Krastel. Doch die Dimension sei eine ganz andere. „Die Eliteakademie hört nicht auf, nur weil es 17.30 Uhr ist.“ Nach den Seminaren werde noch bis weit in den Abend weiterdiskutiert. Mullas Fazit nach der ersten Präsenzphase: „Überwältigend.“ Es gehe weniger um Fachwissen als „um die Bereitschaft, an sich zu arbeiten“.

„Persönlich und charakterlich gestärkt“

Die Eliteakademie diene vor allem der Persönlichkeitsbildung, findet auch Niklas Nolzen, der schon zwei Präsenzphasen hinter sich hat. „Man geht persönlich und charakterlich gestärkt aus den Seminaren heraus - und entwickelt sich weiter.“ Sein bisheriges Fazit: „Was für eine tolle Zeit, was für eine einmalige Chance.“ Der 22-Jährige studiert an der Universität Erlangen-Nürnberg Betriebswirtschaft im sechsten Semester, er hat einen amerikanischen Schulabschluss und ein deutsches Abitur mit der Note 1,6 in der Tasche, an der Hochschule ist er Jahrgangsbester. Nach dem Bachelor will er im Ausland arbeiten und dann berufsbegleitend einen Master machen. Zu seinem Studium gehört, dass er in einem Unternehmen arbeitet; in Tschechien hat er schon ein Projekt geleitet.

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