http://www.faz.net/-gyl-70fh7

Bayerische Eliteakademie : Die etwas andere Elite

Bild: Peter v. Tresckow

An der Bayerischen Eliteakademie feilen Studenten an ihrer Persönlichkeit. Sie sollen später - anders als viele Führungskräfte - nicht nur um sich selbst kreisen.

          Mit dem Namen der Einrichtung tun sie sich schwer. Der Begriff Elite sei in Deutschland negativ besetzt und erklärungsbedürftig, sagt der Geschäftsführer. Der akademische Leiter hätte den Namen bei der Gründung nicht gewählt. Und die Studenten berichten, dass er sie auf den ersten Blick fast von einer Bewerbung abgehalten habe. Immer noch erwähnten sie nur ungern, dass sie an einer Eliteakademie studieren. „Wir schmücken uns hier nicht mit dem Elitebegriff“, sagt Ava Mulla. „Wir sehen ihn eher kritisch.“ In den ersten Seminaren habe man intensiv über den Elitebegriff diskutiert, sagt die 25 Jahre alte Münchener Wirtschaftsingenieur-Studentin, die unter 850 Bewerbern einen der begehrten Studienplätze an der Bayerischen Eliteakademie in München ergattert hat.

          Lisa     Becker

          Redakteurin in der Wirtschaft

          Damit ist sie eine von rund 35 Studierenden von bayerischen Hochschulen, die jedes Jahr das strenge Auswahlverfahren der Akademie erfolgreich abschließen. Einen halben Tag lang müssen die Bewerber von einer Station zur nächsten eilen, Interviews führen, sich vor Publikum vorstellen und in vier Minuten Fragen beantworten wie „Warum soll die Bayerische Eliteakademie ausgerechnet Sie auswählen?“. „Total geschafft“ sei sie danach gewesen, sagt die 22 Jahre alte Viktoria Krastel, die an der TU München Bauingenieurwesen studiert. Sie sei sicher gewesen, es nicht geschafft zu haben - eine Prognose, die sich als falsch herausstellte. Trotz des stressigen Auswahlverfahrens hatte Ava Mulla schon im Assessment Center gespürt, „dass es ein ehrliches Interesse gab, mich kennenzulernen und mich nicht auseinanderbrechen zu lassen“.

          Interdisziplinäre Seminare und Workshops

          Mulla und Krastel haben gerade ihre Ausbildung an der Bayerischen Eliteakademie begonnen. Sie wurde vor 14 Jahren als Stiftung der bayerischen Wirtschaft gegründet und hat ein Vermögen von rund 20 Millionen Euro. Die Ausbildung eines Studenten kostet 28.000 Euro; die Teilnehmer zahlen davon 1950 Euro. Kern des Studiums neben dem Studium sind drei Präsenzphasen in den Semesterferien, in denen die Teilnehmer jeweils für vier Wochen in abgeschiedener Atmosphäre zusammenkommen, um in interdisziplinären Seminaren und Workshops Kenntnisse in Unternehmens-, Mitarbeiter- und Selbstführung zu erlangen. Sie diskutieren auch über Wirtschaftsethik und Gesellschaftspolitik und versuchen, den Begriff der Nachhaltigkeit mit Inhalt zu füllen. „Vier Wochen lang muss man sich mit anderen auseinandersetzen, seine Position finden und ständig reflektieren“, erklärt Ava Mulla und lässt erkennen, wie wertvoll die erste Präsenzphase für sie war. Zur Ausbildung gehört außerdem, dass jedem Student ein Mentor, eine Führungskraft aus der Wirtschaft, zur Seite steht, mit dem er sich alle ein oder zwei Monate trifft, um in vertrauter Atmosphäre über berufliche Optionen und Persönliches zu sprechen.

          Der Unterschied zum Studium an der Hochschule sei riesig, sagt Ava Muller. Kein Frontalunterricht, man müsse vor Ort sein und könne sich nicht aus dem Weg gehen. „Etwas davon kann man auch an der Uni in den Soft-Skill-Seminaren lernen“, erklärt Viktoria Krastel. Doch die Dimension sei eine ganz andere. „Die Eliteakademie hört nicht auf, nur weil es 17.30 Uhr ist.“ Nach den Seminaren werde noch bis weit in den Abend weiterdiskutiert. Mullas Fazit nach der ersten Präsenzphase: „Überwältigend.“ Es gehe weniger um Fachwissen als „um die Bereitschaft, an sich zu arbeiten“.

          „Persönlich und charakterlich gestärkt“

          Die Eliteakademie diene vor allem der Persönlichkeitsbildung, findet auch Niklas Nolzen, der schon zwei Präsenzphasen hinter sich hat. „Man geht persönlich und charakterlich gestärkt aus den Seminaren heraus - und entwickelt sich weiter.“ Sein bisheriges Fazit: „Was für eine tolle Zeit, was für eine einmalige Chance.“ Der 22-Jährige studiert an der Universität Erlangen-Nürnberg Betriebswirtschaft im sechsten Semester, er hat einen amerikanischen Schulabschluss und ein deutsches Abitur mit der Note 1,6 in der Tasche, an der Hochschule ist er Jahrgangsbester. Nach dem Bachelor will er im Ausland arbeiten und dann berufsbegleitend einen Master machen. Zu seinem Studium gehört, dass er in einem Unternehmen arbeitet; in Tschechien hat er schon ein Projekt geleitet.

          Weitere Themen

          Wo die Semestertickets teuer sind

          Studium : Wo die Semestertickets teuer sind

          Als Student mobil zu bleiben ist wichtig - für Studium wie für Freizeit. Aber wo ist das eigentlich am günstigsten? Eine neue Untersuchung der Semesterticketpreise gibt Aufschluss.

          Polizei stoppt Anti-Trump-Demo mit Knüppeln und Tränengas Video-Seite öffnen

          Pakistan : Polizei stoppt Anti-Trump-Demo mit Knüppeln und Tränengas

          In der pakistanischen Stadt Karachi hat die Polizei eine gegen Trump gerichtete Studenten-Demo mit Gewalt aufgelöst. Die Beziehungen zwischen Pakistan und den Vereinigten Staaten sind momentan belastet. Amerikas Präsident beschuldigt Pakistan, militanten Gruppen einen Rückzugsort zu bieten.

          Topmeldungen

          SPD-Wahlkampffinale in Aachen : Er rettet, was zu retten ist

          Nach Monaten der Euphorie glaubt fast niemand mehr an einen Wahlsieg der SPD. Trotzdem bringt Martin Schulz bei seinem letzten großen Wahlkampfauftritt seine Kampagne in Würde zu Ende – „egal, was morgen rauskommt“.

          Merkels Nachfolge : Wer ist kanzlertauglich in der CDU?

          Seit zwölf Jahren regiert Angela Merkel als Bundeskanzlerin, noch länger herrscht sie als Parteivorsitzende über die CDU. Wer könnte in der Partei ihr Erbe antreten? FAZ.NET stellt vier mögliche Nachfolger vor.
          Alois Karl (in blauer Steppjacke) auf Wahlkampftour in Ebermannsdorf

          Die CSU im Wahlkampf : Der schwarze Alois und die AfD

          Die Oberpfalz ist der CSU seit Jahrzehnten treu. Doch die AfD könnte auch hier die politischen Verhältnisse durcheinanderbringen. Wie gehen die Christsozialen mit der Konkurrenz von rechts um? Ein Ortsbesuch.

          40 Jahre nach dem Terrorherbst : Die „Landshut“ ist zurück in Deutschland

          Die Lufthansa-Maschine „Landshut“ ist zurück nach Deutschland gebracht worden. Vor 40 Jahren hatten Terroristen das Flugzeug entführt und den Piloten erschossen. Jetzt soll die „Landshut“ in ein Museum – aber ein Konzept gibt es noch nicht.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.