24.04.2006 · Wie kann ich bei der Bank Karriere machen? Das fragt sich so mancher nach mittlerer Reife oder Abitur. An der Frankfurter Bankakademie und Business School of Finance & Management können sich Bankkaufleute weiter qualifizieren.
Von Kerstin LiesemWie kann ich bei der Bank Karriere machen? Das fragt sich so mancher, der nach der mittleren Reife oder dem Abitur bei einer Bank anheuert und eine Lehre zum Bankkaufmann beginnt. „Es gibt verschiedene Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten für engagierte und ambitionierte Bankkaufleute“, sagt Udo Steffens, Vorstandsvorsitzender der Bankakademie e.V. mit Sitz an der Sonnemannstraße im Ostend von Frankfurt am Main.
Gegründet wurde die Bankakademie von den großen Privatbanken - der BHF-Bank, der Commerzbank, der Deutschen Bank, der Dresdner Bank und der Hypo-Vereinsbank. Die Akademie hat sich zum Ziel gesetzt, die praktischen und theoretischen Kompetenzen der Bankkaufleute zu verbessern. Dabei richten sich die Angebote nicht nur an Angestellte von Privatbanken. „Auch Mitarbeiter von Genossenschaftsbanken und Sparkassen können sich bei uns weiterbilden“, sagt Steffens.
„Vermittlung eines breiten Fachwissens“
Die erste Weiterbildungsstufe ist der Bankfachwirt. Das Studium an der Bankakademie dauert zwei Jahre und bereitet auf die Bankfachwirt-Prüfung vor den Industrie- und Handelskammern vor. Wer daran teilnehmen will, muß entweder eine abgeschlossene Berufsausbildung als Bank- oder Sparkassenkaufmann mitbringen oder eine kaufmännische Lehre und eine mindestens einjährige Berufspraxis in einem Kreditinstitut vorweisen können. Zugelassen wird auch, wer keine kaufmännische Berufsausbildung abgeschlossen hat, aber eine mindestens vierjährige berufliche Praxis nachweisen kann.
Um was geht es in dem Studium? „Im Vordergrund steht die Vermittlung eines breiten bankbetrieblichen, betriebswirtschaftlichen, volkswirtschaftlichen und rechtlichen Fachwissens“, sagt Angelika Werner, Leiterin der Kommunikationsabteilung der Bankakademie. Da das Studium berufsbegleitend ist, findet der Unterricht an zwei Abenden unter der Woche je vier Stunden oder am Samstag acht Stunden statt. Dabei müssen die Studenten aber nicht nach Frankfurt in die Zentrale kommen. Kurse gibt es vielmehr in vielen Städten. Überdies helfen Online-Module beim Selbstlernen.
„Vergleichbar mit dem Meister im Handwerk“
Wer zwei Jahre lang gepaukt und die Prüfung bestanden hat, darf sich Geprüfter Bankfachwirt nennen. „Der Bankfachwirt ist vergleichbar mit dem Meister im Handwerk“, sagt Steffens. Der Bankkaufmann sei Geselle. „Das Bankfachwirtstudium kostet alles in allem rund 2800 Euro“, rechnet Steffens vor. Eine lohnende Investition, schiebe sie doch die Karriere an. Außerdem übernehme der Arbeitgeber oft die Kosten. Zumindest zum Teil. Die Akzeptanz ist gut: „In diesem Frühjahr fangen wieder rund 850 Bankangestellte mit dem Bankfachwirt-Studium an.“
Wer sich als Bankfachwirt noch weiter qualifizieren möchte, kann sich für das Bankbetriebswirt-Studium einschreiben. Dieses baut laut Studienführer inhaltlich auf dem Bankfachwirt-Studium auf. Es bereite engagierte Mitarbeiter auf verantwortungsvolle Fach- und Führungsaufgaben in der Kreditwirtschaft vor. Nicht nur Fachwissen steht auf dem Programm. „Auch persönliche und soziale Kompetenzen werden trainiert“, sagt Pressesprecherin Werner. Die Präsenzkurse dieses einjährigen Studiums finden in der Regel samstags in verschiedenen Städten statt. Wer das Studium erfolgreich abschließt, darf sich mit dem Titel Bankbetriebswirt Bankakademie schmücken. Kostenpunkt für das komplette Studium: knapp 2.900 Euro.
„Unternehmer im Unternehmen“
Wer sich danach noch weiter qualifizieren möchte, kann sich für das Management-Studium der Bankakademie anmelden. „Unternehmer im Unternehmen“ soll sein, wer dieses Studium abgeschlossen hat. So heißt es jedenfalls im Studienführer. Die Teilnehmer sollen Konzepte und Techniken modernen Managements kennenlernen und anwenden können. „Die Nachwuchsführungskräfte lernen anhand von Fallstudien sowie Projekt- und Studienarbeiten, wie man Ziele des Unternehmens in die Praxis umsetzen kann“, erklärt Steffens. Das einjährige Studium richtet sich sowohl an Nachwuchsführungskräfte als auch an Team- und Projektleiter in Kreditinstituten.
Auch das Management-Studium, das ebenso in verschiedenen Städten angeboten wird, ist zeitintensiv. In der Regel sind die Nachwuchskräfte samstags acht Stunden lang gefordert. Von ihnen wird erwartet, daß sie das Gelernte zu Hause nachbereiten. „Nicht umsonst ist das Management-Studium das anspruchsvollste Weiterbildungsprogramm, das die Bankakademie anbietet“, sagt Udo Steffens. Wer es abgeschlossen hat, ist diplomierter Bankbetriebswirt. Vorher muß er oder sein Arbeitgeber aber tief in die Tasche greifen. Insgesamt kostet das Management-Studium gut 4.500 Euro.
Ausgewogenes Verhältnis zwischen Theorie und Praxis
Ein Wermutstropfen bleibt jedoch: Akademische Abschlüsse kann die Bank-akademie nicht verleihen. Deshalb stellt sich für viele - vor allem junge - Bankkaufleute die Frage: Soll ich die Bank verlassen und mich zum Studium an einer Universität oder Fachhochschule einschreiben? Um diese Motivierten nicht zu verlieren, bietet die Business School of Finance & Management (HfB) in Frankfurt ab kommendem Wintersemester ein berufsbegleitendes akademisches Studium zum Bachelor of Management & Financial Markets an. „Der Bachelor of Management & Financial Markets ist ein Hochschulabschluß der Betriebswirtschaftslehre, wobei der Schwerpunkt auf Finance liegt“, erklärt Steffens, der nicht nur Vorstandsvorsitzender der Bankakademie e.V. ist, sondern auch Präsident der HfB.
Der achtsemestrige Bachelor-Studiengang verbinde Theorie und Praxis in einem ausgewogenen Verhältnis, vermittle solides Fachwissen, um fundierte Entscheidungen treffen zu können, und modernes Management-Fachwissen, um getroffene Entscheidungen in komplexen Organisationen umsetzen zu können. „Die Absolventen werden in verantwortungsvollen Positionen wie etwa der Filialleitung oder der Privat- und Firmenkundenberatung eingesetzt werden.“ Wer sich für das Bachelor-Studium einschreiben möchte, muß in der Regel zumindest das Fachabitur mitbringen. Bankfachwirte können das Studium um zwei Semester verkürzen. Für sie dauert das Studium dann nur noch sechs Semester. Die Arbeitsbelastung neben dem Beruf ist hoch: Durchschnittlich müssen die Studenten 18 Stunden für ihr Studium investieren.
„Absolventen stoßen an eine gläserne Decke“
Das gesamte Studium kostet 18.800 Euro. Wer allerdings bereits diesen Herbst einsteigt, profitiert von dem Einsteigerpreis in Höhe von 16.800 Euro. Nach dem Bachelor-Studium können die Absolventen noch einen Master an der HfB draufsatteln. Wer bereit ist, Teilzeit zu arbeiten, kann den Master-Titel in drei Semestern erlangen. Wer hingegen Vollzeit weiterarbeitet, kann sich erst nach vier Semestern Master nennen. Das Master-Programm kostet gut 17.000 Euro. Was ist aber mit denen, die alle Studiengänge der Bankakademie durchlaufen haben? „Diese Absolventen stoßen an eine gläserne Decke“, bedauert Steffens. Denn die Bankakademietitel sind nicht als akademische Abschlüsse anerkannt. Deshalb berechtigen sie auch nicht zum Erwerb eines Masters. Auch eine Promotion ist mit ihnen nicht möglich.
„Die Absolventen, die einen akademischen Abschluß anstreben, haben keine andere Möglichkeit, als noch einmal ein akademisches Studium ganz von vorn zu beginnen“, sagt Angelika Werner. „Wir bedauern diese strikte Trennung zwischen beruflicher und akademischer Qualifikation“, erklärt Steffens. Im Ausland sei das System durchlässiger. „Deshalb fordern wir die Hochschulrektorenkonferenz auf, die Frage der Durchlässigkeit erneut zu überprüfen.“ Denn nur so könne die Weiterbildungskultur in Deutschland im internationalen Vergleich wettbewerbsfähig bleiben.