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Veröffentlicht: 06.03.2012, 06:00 Uhr

Babypause „Wer Karriere will, muss Präsenz zeigen“

Immer früher kehren junge Mütter in ihren Beruf zurück. Doch das allein fördert die Karriere noch nicht. Viele Frauen stecken in der Teilzeitfalle.

von Julia Wittenhagen
© dpa Zeigt Präsenz: Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) kam im September 2011 nach nur 14 Wochen Babypause wieder zur Arbeit.

„Wie sag ich’s meinem Chef?“, „Was mach ich nur ohne sie?“ Eine Schwangerschaft sorgt in jedem Arbeitsleben für Unordnung. Von Monat zu Monat wird sichtbarer, dass die Mitarbeiterin auch ein Privatleben hat. Typischerweise sind sowohl Vorgesetzte als auch werdende Mütter unsicher, wie viel Raum das Kind der Frau für den Beruf lassen wird.

Isabelle Heidinger, Leiterin des Personalmanagements beim Arznei- und Naturkosmetikhersteller Weleda weiß, wie schnell junge Mütter gedanklich ganz woanders sind. Daher habe man Abläufe entwickelt, um schwangere Mitarbeiterinnen sehr früh abzuholen. „Wir wollen das Thema Kinder besprechbar machen. Frauen werden frühzeitig über alle Möglichkeiten informiert und suchen sich eine Patin aus, um über sie den Kontakt zu uns zu halten.“

Ziel sei es, gerade Hochqualifizierte möglichst schnell wieder vollzeitnah einzusetzen. Bald nach der Geburt des Kindes wird ein Rückkehrgespräch mit dem Vorgesetzten vereinbart, um individuelle Lösungen für den Wiedereinstieg zu besprechen. Meist rangiert - wie bei allen anderen Arbeitgebern auch - der Wunsch der Eltern nach reduzierten und flexiblen Arbeitszeiten ganz oben.

Wertschätzung der neuen Lebenssituation durch das Unternehmen

Mit einem Schwangerentreff im Unternehmen und der 2007 eingeführten Baumpflanzaktion schlägt Weleda charmant Brücken zwischen Berufs- und Privatleben: Zweimal im Jahr wird für jedes Mitarbeiterkind eine Birke gepflanzt. „Die Eltern erleben dies als Wertschätzung ihrer neuen Lebenssituation“, sagt Heidinger.

Neben dem offenen Dialog und einer familienfreundlichen Kultur erleichtert die steigende Anzahl der Betreuungsangebote für Kleinkinder Müttern heute den Einstieg. „Die Unternehmen haben ein wachsendes Interesse, ihre Mitarbeiter zu halten, und fahren ganz viele Programme“, beobachtet Stefan Becker, Geschäftsführer der Hertie-Stiftung für die Initiative Beruf und Familie. Von Angeboten wie Weiterbildung in der Elternzeit mit Kinderbetreuung habe er vor zehn Jahren noch nichts gehört. „Wir erkennen einen klaren Wunsch zum schnelleren Wiedereinstieg der Frauen.“

Das Elterngeld lässt die Babypause schrumpfen

Treiber sind für ihn nicht nur der drohende Fachkräftemangel, sondern auch die Einsicht der Frauen, durch zu lange Pausen den Anschluss zu verlieren. Das Elterngeld mit seinem Auszahlungsende nach 12 bis 14 Monaten hat hier eine enorme Schubkraft entwickelt. „Seit der Einführung 2007 hat sich bei uns die Dauer der Elternzeit fast halbiert auf 1,7 Jahre“, heißt es bei Weleda. Markus Dinslacken, Leiter des Bereichs Global Diversity&Inclusion des Konsumgüterherstellers Henkel weiß ähnliches zu berichten: „Der Trend geht dahin, die 12 bis 14 Monate bezahlte Elternzeit stärker auszuschöpfen, dann aber, wenn die Kinder ein bis zwei Jahre alt sind, zurückzukommen. Länger als drei Jahre setzen bei uns nur noch 10,5 Prozent der Mitarbeiter aus, 2005 waren es noch 47 Prozent.“

Dazu passt der aktuelle Familienreport des Bundesfamilienministeriums: Danach sind seit Einführung des Elterngelds nur noch 12 statt vorher 17 Prozent der Mütter im ersten Jahr erwerbstätig. Sobald die Kinder ein bis zwei Jahre alt sind, steigt die Quote von 33 auf 40 Prozent an. Im Folgejahr kehren 51 Prozent der Mütter in ihre Betriebe zurück (2007: 45 Prozent).

Teilzeit ist immer noch das gängigste Modell

Hochqualifizierte Frauen heben den Schnitt laut aktuellen Zahlen des Prognos-Instituts: 57 Prozent arbeiten schon wieder nach einem Jahr, 69 Prozent sobald die Kinder zwei sind. Ein Drittel der Qualifizierten mit kleinen Kindern arbeitet Vollzeit oder vollzeitnah (mehr als 32 Stunden). Für rund die Hälfte der Frauen ist allerdings Teilzeit das gängigste Modell - und zwar langfristig, also unabhängig vom Kindesalter. Bosch hat sich darauf eingestellt und schreibt schon hochqualifizierte Stellen in Teilzeit aus. Ob Teilzeit zur beruflichen Erfüllung taugt, darüber kann man streiten. Die aber sucht die jüngste Müttergeneration.

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