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Auslandsstipendium Auch ausländische Studenten sollen den sportlichen Ruhm der Universität mehren

11.01.2005 ·  Deutsche Agenturen vermitteln Sportstipendien an amerikanischen Universitäten. Die Chancen für deutsche Beweber sind besser als viele vermuten. Dennoch, ohne Regionalliganiveau läuft nichts.

Von Katja Gelinsky
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Sonntag morgen, kurz vor sieben Uhr. Während seine Kommilitonen noch fest schlafen, schnürt Matthias Ewender sich die Sportschuhe zu. Um Punkt sieben Uhr will der Coach sein Läuferteam frisch und fit zum Zwanzig-Kilometer-Lauf versammelt sehen. „In Deutschland würde ich derartigen Frühsport nicht unbedingt machen“, sagt der 23 Jahre alte Deutsche. „Aber hier ist man ja im Team.“

Er ist Sportstipendiat an der amerikanischen High Point University im Bundesstaat North Carolina. Vor dem Abschluß seines Betriebswirtschaftsstudiums an der Universität Regensburg wollte er „noch mal raus“. Sein einjähriges Auslandsstudium finanziert Ewender sich mit Hilfe eines Sportstipendiums, das ihm die High Point University dafür gewährt, daß er als Läufer deren Ruf und Ansehen bei Sportwettkämpfen mehrt. Der Bedarf amerikanischer Colleges und Universitäten an talentierten Sportlern ist so groß, daß sie auch ausländische Studenten mit Sportstipendien locken, die meist sehr gute Trainingsmöglichkeiten und eine professionelle sportliche und medizinische Betreuung einschließen.

Der Weg über eine Agentur ist einfacher

„Wir hatten eine Volleyballspielerin, die in der Oberliga spielte und auf ihre Bewerbung für ein Sportstipendium in den Vereinigten Staaten 34 Angebote erhielt, davon 32 für ein Vollstipendium“, berichtet Philipp Liedgens von der Vermittlungsagentur Sport-Scholarships in Münster, die sich als größter Anbieter im deutschsprachigen Raum bezeichnet. Man kann sich natürlich auch auf eigene Faust bewerben, aber über eine Agentur geht vieles einfacher. Sport-Scholarships erstellt ein akademisches und sportliches Profil von den Bewerbern, kontaktiert dann amerikanische Trainer und berät die Studenten bei der Auswahl der Angebote amerikanischer Universitäten. Außerdem hilft die Agentur bei der Beschaffung der erforderlichen Dokumente. Ganz wichtig ist zum Beispiel die Spielerberechtigung, die Sportstipendiaten in Amerika brauchen. Kommt es zur Einschreibung an einer amerikanischen Universität, kassiert Sport-Scholarships von dem Stipendiaten 2500 Euro. Erhält der Bewerber keine zufriedenstellenden Stipendienangebote, berechnet die Agentur nur eine Verwaltungsgebühr von 150 Euro.

Das Sportstipendienprogramm amerikanischer Colleges und Universitäten umfaßt rund 30 Sportarten. Dazu gehören die amerikanischen Klassiker Basketball und Football, aber auch Rudern, Squash und Bowling. „Recht gut zu vermitteln“ seien derzeit Stipendien für Fußball, Tennis, Golf, Schwimmen, Leichathletik und Golf, sagt Liedgens. Wie gut die Bewerber sein müssen, hängt von der jeweiligen Sportart ab und von dem Renommee der Universität, an der sie studieren wollen. Im allgemeinen genüge für Fußball oder Damentennis Verbandsliganiveau, wenn man nicht gerade an Eliteunis wie Stanford oder Harvard studieren wolle, schildert Liedgens. Für Sportarten wie Basketball werde dagegen auch von weniger bekannten Colleges mindestens Regionalligastärke verlangt.

Leistungsdruck im Sport und im Studium

Matthias Ewender war mehrfach bayerischer Meister sowie süddeutscher Meister im 3000-Meter-Hindernislauf. National gehörte er in der Juniorenklasse zu den Top ten, bevor er nach Amerika ging. In seinem Team an der High Point University, das sich fast nur aus Sportstipendiaten zusammensetze, sei er zwar nicht „der Topläufer“, berichtet Ewender, aber bei Wettkämpfen gehöre er eigentlich immer zu den ersten fünf. Zum Leistungsdruck, der auf den Sportstipendiaten lastet, sagt der Deutsche, „daß der Coach selbstverständlich gewisse Erwartungen hat“. Vor allem aber sporne der Wettkampf im Team an, das Beste zu geben. „In Deutschland war ich mehr oder weniger Einzelkämpfer, und hier habe ich nun 15 Teampartner, die sich gegenseitig puschen“, sagt Ewender.

Dafür muß er neben seinem Studium von Business und Economics aber auch täglich mehrere Stunden trainieren. Die Professoren entschuldigten zwar Fehlzeiten bei Wettkämpfen. „Aber ich muß im Studium die gleichen Leistungen bringen wie alle anderen auch“, sagt er. Ewender hatte unter anderem noch Stipendienangebote von Universitäten in Florida, Illinois und in Tennessee. Für die Universität High Point hat er sich dann entschieden, weil von dort eines der finanziell besten Angebote kam und weil das Telefongespräch mit dem Coach „super gelaufen“ sei. Ewender hat ein Vollstipendium, das heißt, er muß keine Studiengebühren und Bücher bezahlen, und er kann kostenlos auf dem Campus wohnen und essen. Allerdings muß er sich sein Zimmer mit einem Kommilitonen teilen. „Das ist schon gewöhnungsbedürftig.“

Einen Studienabbruch wegen mangelnder Leistung gab es noch nie

Bei der Auswahl zwischen den Stipendienangeboten komme es neben finanziellen Erwägungen darauf an, welche Ziele der jeweilige Bewerber mit dem Auslandsaufenthalt verfolge, sagt Philipp Liedgens von Sport-Scholarships. Für etwa die Hälfte der interessierten Schüler oder Studenten stehe die akademische Ausbildung und für die andere Hälfte das sportliche Fortkommen im Vordergrund. Doch achteten die meisten Bewerber sowohl auf den akademischen Ruf der Universität als auch auf die sportlichen Möglichkeiten. Rund sechzig Prozent der von Sport-Scholarships vermittelten Studenten kehrten nach ein bis zwei Jahren nach Deutschland zurück. Die restlichen 40 Prozent blieben, bis sie ihren Bachelor-Abschluß in der Tasche hätten.

Das Sportstipendium werde von den amerikanischen Universitäten zunächst nur für ein Jahr gewährt, dann aber gewöhnlich verlängert, es sei denn, der Student habe sich eines groben Regelverstoßes, zum Beispiel durch Rauschgiftmißbrauch, schuldig gemacht. Den akademischen Ansprüchen der amerikanischen Universitäten sind die deutschen Sportstipendiaten nach Angaben von Liedgens trotz der Doppelbelastung wegen des Sportprogramms gut gewachsen. „Wir hatten noch nie den Fall, daß jemand sein Studium abbrechen mußte, weil er es nicht schaffte.“

Nicht älter als 22 Jahre

Ein zweiter Weg zum Sportstipendium sind die sogenannten „Athletic Showcases“. Das sind Sportcamps, die in der Regel für 14 Tage an amerikanischen Universitäten stattfinden. Sie geben Stipendienbewerbern die Möglichkeit, amerikanische College-Trainer vor Ort von ihren Leistungen zu überzeugen. Liedgens sagt, der Weg über die „Athletic Showcases“ könne sich zum Beispiel für Bewerber anbieten, die „nicht so tolle akademische Leistungen vorzuweisen haben“ oder aus anderen Gründen Schwierigkeiten haben könnten, in dem schriftlichen Bewerbungsverfahren ein Stipendium zu bekommen. Allerdings seien an den „Athletic Showcases“ überwiegend kleine Universitäten beteiligt, von denen viele auch nur Teilstipendien vergäben.

Wer erwäge, sich auf dem einen oder anderen Weg um ein Sportstipendium zu bewerben, sollte mit der Entscheidung übrigens nicht allzulange warten, empfiehlt Liedgens. Die amerikanischen Trainer wünschten sich vor allem junge Sportler, die sie noch formen könnten. Deshalb sollten Bewerber möglichst nicht älter als 22 Jahre sein. Die Altershöchstgrenze bei Sport-Scholarships liegt jedoch erst bei 26 Jahren. Und generell sind die Chancen, ein Sportstipendium zu bekommen, weit besser, als allgemein angenommen wird, sagt Liedgens. In den Sportarten Fußball und Tennis habe Sport-Scholarships bislang jedem sportlich und akademisch qualifizierten Bewerber, der die erforderlichen Sprach- und Leistungstests (Toefel, SAT und ACT) absolviert habe und ein vernünftiges Sportvideo vorgelegt habe, ein Stipendium vermitteln werden können.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.01.2005, Nr. 6 / Seite 55
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