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Aufstiegsverweigerer : Karriere? Gern später!

Andreas Dorau hätte ein Star werden können – wollte er aber nicht. Bild: Sönke Held

Junge Leute hinterfragen das Leitbild des Topmanagers. Hobbys, Familie und private Netzwerke werden wichtiger. Viele Einsteiger verweigern sich dem Aufstieg.

          Andreas Dorau hätte ein größerer Popstar sein können. Der Aufstieg war kometenhaft: Mit 16 bringt er „Fred vom Jupiter“ in die Charts. Die Plattenfirmen zerren an dem gutaussehenden Hamburger Teenager, wedeln mit Karriereideen. „Bravo“, die Jugendzeitschrift, und das Fernsehen entwickeln Begehrlichkeiten. Doch Dorau hat anderes im Sinn als der erste Star der Neuen Deutschen Welle zu werden.

          Philipp Krohn

          Redakteur in der Wirtschaft.

          “Ich hatte das Stück nicht aus kommerziellen Gesichtspunkten geschrieben“, sagt er heute. „Ich wollte nie in die bürgerlichen Top Ten.“ Vielmehr sei es darum gegangen, etwas Interessantes für seine Szene zu produzieren und in der Musikzeitschrift „Sounds“ gut wegzukommen.

          Die Karriere machen andere: Nena, Markus, Trio. Doch Dorau vermisst nichts. „Ich bin froh, dass ich die Weggabelung nach links genommen habe“, sagt er schmunzelnd. Verbiegen muss er sich nicht, ihre Seele dürfen andere an die großen Labels verkaufen. „Das hatte viel mit Glaubwürdigkeit meiner Szene gegenüber zu tun - im Alter von 16 ist das enorm wichtig.“

          Karriereverweigerung als Zeitgeistphänomen

          Der Popmusiker, der sich mit seiner Karrierekontrolle bis heute als Kritikerliebling gehalten hat, ist ein früher und exotischer Protagonist eines Phänomens, dessen Bedeutung wächst: Eine zunehmende Zahl von Arbeitnehmern fragt sich, ob sie gerade jetzt einen Karriereschritt machen soll und ob der Aufstieg nicht mit zu viel Verzicht verbunden ist.

          Krankenhäuser tun sich schwer, Ober- und Chefarztposten zu besetzen. Konzerne können ihr auserkorenes Führungspersonal nicht gewinnen. Junge Talente hinterfragen das Leitbild des Topmanagers. Karriereverweigerung als Zeitgeistphänomen.

          “Die Vielfalt an Karriereentwürfen hat zugenommen“, sagt Claas Triebel, dessen Firma Perform Partner unter anderem Laufbahnberater fortbildet. So wie sich das Angebot an Fernsehsendern und Zeitschriften aufgefächert habe, so hätten sich auch berufliche Entwicklungswege ausdifferenziert. „Eine horizontale Entwicklung bedeutet nicht, sich auszuklinken. Wenn das Klienten merken, sind sie oft sehr erleichtert“, sagt Triebel.

          Aber warum lehnen Arbeitnehmer einen Chefposten und ein besseres Gehalt ab?

          Drei Gruppen von Karriereverweigerern unterscheidet der Coach Eberhard Hauser: solche, die nicht mehr können, weil sie Krisen erlitten haben; solche, die selbst verzichten, um ihre Partnerschaft nicht zu gefährden; und solche, die nicht wollten. „Es gibt darunter Leute mit einer Fundamentalkritik, die sich gern einem System verweigern“, sagt Hauser, Vorstand des Deutschen Bundesverbands Coaching. Die herausfordernden Kandidaten für ein Unternehmen seien aber diejenigen, die alles für einen Aufstieg mitbringen, aber genau schauen, was er für sie bedeutet.

          “Eine Konzernkarriere hat immer mit dem Verzicht auf Interessen oder Ausrichtungen zu tun. Mit welchem Topmanager kann man sich über ein Theaterstück unterhalten?“, fragt er rhetorisch.

          Familie, soziales Engagement und private Netzwerke seien für solche Mitarbeiter so wichtig, dass sie diese ungern für einen Karriereschritt aufgeben würden. „Sie suchen nach einem Platz, der sie begeistert. Die häufigste Aussage, die wir hören: ,Ich kann mir nicht vorstellen, das ein Leben lang zu machen’“, berichtet Hauser aus seinen Coachings.

          Der nächste Schritt: ins Ausland – „Das passte nicht“

          “Es gibt auch Entwicklungspausen im Leben“, sagt der Laborleiter eines Pharmakonzerns. Nach der Promotion hatte er zügiger als Gleichaltrige Personalverantwortung erhalten. Der nächste Schritt, verbunden mit einem Umzug ins Ausland, bot sich ihm kurz vor der Geburt seines ersten Kindes. „Da war ich aber auf Familiegründen gepolt; das passte nicht“, sagt er.

          Als Abteilungsleiter hätte er reisen und Überstunden machen müssen. „Das wäre nur mit dem klassischen Modell des alleinigen Ernährers vorstellbar“, sagt er. Seine Elternzeit hat seiner Frau den Wiedereinstieg in den Beruf erleichtert. Doch eine Sorge bleibt: Wie oft noch kann man ein Angebot ablehnen, ohne als Minderleister zu gelten?

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