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Übersetzungshilfe : So lesen Sie Ihr Arbeitszeugnis richtig

  • -Aktualisiert am

Positive Formulierungen können ganz schön schlecht sein. Bild: dpa

Ein aktuelles Urteil zeigt: Zeugnisse stecken voller geheimer Botschaften. Hier kommt eine Hilfe zur Decodierung.

          Er arbeitete zu unserer vollen Zufriedenheit.

          Zu Deutsch: Das ist leider nur ein befriedigendes Ergebnis. Je mehr Superlativ, desto besser für das Zeugnis. Eine glatte Note 1 ist „stets zu unserer vollsten Zufriedenheit“. „Stets“ ist dabei immer ein höheres Lob als „in der Regel“. Note 5 ist also: Aufgaben erledigte er in der Regel zu unserer Zufriedenheit. 

          Sein Fleiß war nicht zu beanstanden.

          Zu Deutsch: Er war eifrig, aber ohne Erfolg. Verneinen von negativ besetzten Wörtern wie „beanstanden“ oder doppelte Verneinungen wie „er arbeitete nicht ungenau“ sind eine schlechte Beurteilung.

          Ihr Analyse- und Urteilsvermögen ermöglichte es ihr in der Regel, einfache Zusammenhänge zu erkennen.

          Zu Deutsch: Das Schlüsselwort „einfach“ zeigt, dass sie die schwierigen Zusammenhänge meistens nicht verstanden hat.

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          Er galt im Kollegenkreis als toleranter Mitarbeiter.

          Zu Deutsch: Der Vorgesetzte wird nicht genannt. Das Verhältnis zu ihm war also offenbar belastet. Gut ist, wenn erst der Vorgesetzte, dann Kollegen und dann Kunden genannt werden. Zudem deutet die Formulierung „gilt als“ darauf hin, dass der Verfasser des Zeugnisses anderer Meinung ist.

          Er verfügt über Fachwissen und hat ein gesundes Selbstvertrauen.

          Zu Deutsch: Er überspielt mit Arroganz sein mangelndes Fachwissen. Wird das Fachwissen nicht mit gut bewertet, ist es nicht gut. Positiv bewertetes Selbstvertrauen wird zur Vermeidung von Missverständnissen in guten Zeugnissen meist mit „Selbstvertrauen im positiven Sinne“ beschrieben.

          Sie hat die Fähigkeit, Aufgaben in vollem Umfang zu delegieren.

          Zu Deutsch: Sie neigt dazu, Arbeiten weiterzuschieben.

          Ihm wurde mehrmals die Gelegenheit geboten, an Fortbildungsmaßnahmen teilzunehmen.

          Zu Deutsch: Er hat die Gelegenheit aber nicht genutzt. Wenn Kurse belegt werden, steht das so auch im Zeugnis.

          Sein Wirken hat Spuren in unserem Unternehmen hinterlassen.

          Zu Deutsch: Er hat erheblichen Schaden angerichtet.

          Ihren Arbeitsplatz verließ sie stets aufgeräumt.

          Zu Deutsch: Wird Unwichtiges und Selbstverständliches hervorgehoben, zeigt das, dass sie ihre Arbeit vernachlässigt hat.

          Er schied im beiderseitigen Einvernehmen aus.

          Zu Deutsch: Kündigung durch den Arbeitgeber. Eine wirklich einvernehmliche Aufhebung wird umschrieben mit „im besten beiderseitigen Einvernehmen“. 

          Frankfurt, den 23.11.2014.

          Zu Deutsch: Ein krummes Datum verweist meist auf eine fristlose Kündigung. Beschäftigungsverhältnisse werden in der Regel zur Mitte oder zum Monatsende aufgelöst. Ausnahme: Probezeit oder befristetes Anstellungsverhältnis.

          Für die Belange der Mitarbeiter bewies er immer Einfühlungsvermögen.

          Zu Deutsch: Er suchte eventuell während der Arbeitszeit nach sexuellen Kontakten zu Mitarbeitern. Er kann aber auch tatsächlich einfach nur hilfsbereit gewesen sein.

          Durch seine Geselligkeit trug er zur Verbesserung des Betriebsklimas bei.

          Zu Deutsch: Er neigte womöglich zu übertriebenem Alkoholgenuss während der Arbeitszeit.

          Er trat engagiert für die Interessen seiner Kollegen ein.

          Zu Deutsch: Er könnte Betriebsratsmitglied gewesen sein, was bei der Bewerbung hinderlich sein kann.

          Er hat die Aufgaben zu seinem und im Firmeninteresse gelöst.

          Zu Deutsch: Hier handelt es sich wahrscheinlich um Diebstahl.

          Sie war tüchtig und wusste sich gut zu verkaufen.

          Zu Deutsch: Womöglich eine unangenehme Mitarbeiterin, der es an Kooperationsbereitschaft mangelt.

          In Zusammenarbeit mit www.arbeitszeugnis.de und der Kanzlei Pusch Wahlig Legal.

          Quelle: F.A.S.

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