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Zwischenmiete Zuhause auf Zeit

Heute Hamburg, morgen Berlin oder New York: Junge Leute müssen im Berufsleben mobil sein. XXL-Wohngemeinschaften bieten rasch ein neues Dach über dem Kopf - können aber auch ziemlich stressig sein.

© Cyprian Koscielniak / F.A.Z.

Kat Hahn vermisst ihr Zuhause. Die Wohnung in London mit dem traumhaften Blick auf die Skyline der Stadt. Im Moment reicht ihre Sicht gerade bis zum anderen Ende des Hinterhofs. Sie ist als Kreative in der Werbung tätig und sitzt deswegen in einem Zimmer im Hamburger Stadtteil Eppendorf. Ein Zimmer auf Zeit, das die Dreißigjährige für fünf Wochen bewohnt, bis die Projektarbeit für den Kosmetikkonzern Nivea abgeschlossen ist.

Egal, ob Hamburg oder München, für fünf Wochen oder fünf Monate: Jeder fünfte deutsche Erwerbstätige ist laut einer Studie berufsbedingt mobil. Neben Fernpendlern und Dienstreisenden zählen auch die, die für den Beruf den Wohnort wechseln, zu den Nomaden der Arbeitswelt. Besonders junge Menschen packen ihre Koffer für den Job. Ausgepackt wird mitunter nur befristet. Wo, da sind die Möglichkeiten vielfältig.

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1300 Quadratmeter, 56 Bewohner

Die gebürtige Berlinerin Hahn ist in eine von Deutschlands wohl größten Wohngemeinschaften eingezogen: sieben Ebenen, 1300 Quadratmeter, zusammen mit 55 weiteren Bewohnern. 2007 wurde die Herberge vom heutigen WG-Projekt-Manager Sascha Eggers, 32 Jahre, gegründet. „Ich war selbständig und sollte ein Haus verwalten. Da kam mir der Gedanke, eine WG zu eröffnen.“ Auf der Suche nach Bewohnern fiel Eggers der große Bedarf an WG-Zimmern nur für eine bestimmte Zeit auf. Die Konzeptidee entstand: eine Wohngemeinschaft mit Bewohnern, die nur für eine absehbare Periode mieten. „So etwas funktioniert natürlich nur in Städten mit einer bestimmten sozioökonomischen Struktur, wie zum Beispiel Hamburg.“ Später entdeckte er das ehemalige Krankenhaus in Eppendorf, das zu seinem Domizil wurde.

An den Briefkästen stehen dort statt Namen nur WG-Etagen und im einstigen Klinik-OP-Trakt wohnen Hahns WG-Genossen. Die Werbefrau selbst lebt in der zweiten Etage für 470 Euro im Monat auf 12 Quadratmetern inklusive Standard-Einrichtung mit Charme eines schwedischen Möbelhauses. „Mir war vor allem ein eigenes Badezimmer wichtig“, sagt sie. Wie für Wohngemeinschaften typisch, genießen dieses Privileg nicht alle Bewohner. Geteilt wird häufig auch das Abendessen, zudem wird bisweilen die schmutzige Kleidung gemeinsam im großen Waschraum gewaschen. Auch wie jeder im Schlafanzug aussieht, wissen schon alle im Haus. „Seit dem Feueralarm, als irgendwem frühmorgens Toast angebrannt ist und die Feuerwehr kam“, erzählt Hahn.

Viele, die hier untergekommen sind, brauchten sehr kurzfristig eine neue Unterkunft. Thorben Drees zum Beispiel bekam Heiligabend seinen Arbeitsvertrag als IT-Trainee und musste am 3. Januar seine Stelle antreten. „Die Not war groß, denn der Hamburger Wohnungsmarkt ist total überlaufen“, sagt der Zweiundzwanzigjährige. Heute ist er froh, in der Eppendorfer Wohngemeinschaft zu leben, dort fand er Freunde unter den Mitbewohnern. Auch Hahn hat das Gefühl: „Sobald man ein Problem hat, kann man einfach an irgendeine Tür klopfen.“ Alle sind neu in der Stadt. Jeder freut sich, schnell viele Kontakte zu knüpfen.

„Dieses Wir-sitzen-in-einem-Boot-Gefühl schweißt zusammen“

Der Arbeits- und Organisationspsychologe Thomas Rigotti von der Universität Leipzig erklärt das Phänomen so: „Dieses Wir-sitzen-in-einem-Boot-Gefühl schweißt zusammen.“ Die jungen Berufseinsteiger können sich gegenseitig unterstützen, weil sie Ähnliches erleben mit der neuen Arbeit. Der Austausch untereinander findet in der großen WG meist in der Küche statt. Sozialleben zwischen über einem Dutzend Herdplatten, Regalen voller mit Zimmernummern beschrifteter Lebensmittel-Boxen und einem großen Kühlraum statt des Kühlschranks.

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