Der Traumjob war schon ganz nahe. Auf die Stelle als Controller in einer großen Handelskette hatte Peter Strasser sich beworben, das Unternehmen hatte ihn eingeladen, im ersten Vorstellungsgespräch war alles bestens gelaufen. Doch dann lief alles aus dem Ruder. „Ich hab's vermasselt“, sagt Starasser und ärgert sich - so sehr, dass er noch heute, zwei Jahre später, die Episode nicht mit seinem richtigen Namen in der Zeitung lesen will. „Der bisherige Verhandlungspartner war plötzlich reserviert“, berichtet er. „Die Kollegin aus der Personalabteilung stellte Fragen, die längst beantwortet waren. Den potentiellen Kollegen aus der Fachabteilung fand ich völlig überflüssig . . . und dann verhedderte ich mich auch noch mit meinen eigenen Antworten. Das war's.“ Das Schlimmste: Es war nicht das erste Mal, dass der Einser-Betriebswirt an der zweiten Hürde scheiterte. Grund genug, sich Hilfe bei einem Karrierecoach zu suchen.
„Die zweite Runde wird gerne unterschätzt“, betont Renate Weber, Referatsleiterin Personal bei der Allianz in München. Dabei gestalte sich diese schon vom Grundverlauf her ganz anders als die erste, in der es zunächst einmal darum gehe, die Eckdaten des Lebenslaufes durchzugehen und die fachliche Eignung der Kandidaten zu prüfen. In dem Münchner Versicherungskonzern übernimmt dies in der Regel die Fachabteilung. Im zweiten Treffen dagegen ist Tiefe gefragt. Bei der Allianz sind nun ein Personalbetreuer und ein Vertreter aus der Fachabteilung dabei, zumeist der potentielle direkte Vorsitzende. Der Bewerber muss beweisen, dass er sich nach dem ersten Zusammenkommen noch einmal intensiv mit der Position, dem Unternehmen und den im ersten Gespräch erfahrenen Informationen auseinandergesetzt hat.
Zu große Siegessicherheit
Sätze, die Bezug nehmen, sind daher ein Muss. Zum Beispiel: „Ich habe noch einmal über den Hinweis nachgedacht, dass in der Position Kommunikationsstärke gefragt ist.“ Oder: „Wie gut ich mit Spannungen umgehen kann, habe ich schon in der Situation X bewiesen.“ Das Wichtigste aber betont der Buchautor und Karriereberater Uwe Schmierda: „Nach wie vor muss der unbedingte Wille erkennbar sein, den Job zu bekommen.“ In der zweiten Unterhaltung müsse es deshalb gelingen, dieselbe Begeisterung wie im Erstgespräch zu verkörpern.
In der Praxis sind es vor allem vier Stolpersteine, die Stellenanwärtern zum Verhängnis werden. Der erste und wichtigste ist zu große Siegessicherheit. Wenn Schmierda Beratungsanfragen erhält, dann oft von Kandidaten wie Strasser, die die zweite Begegnung für einen Selbstläufer hielten - und eines Besseren belehrt wurden. Dabei ist eines durchaus richtig: Wer eine zweite Einladung erhält, hat einen Großteil seiner Mitbewerber schon geschlagen. Beim Hamburger Kosmetikhersteller Beiersdorf beispielsweise führen im Schnitt etwa 6 bis 8 Prozent aller eingehenden Bewerbungen zu einem ersten Vorstellungsgespräch, wie Personalmanagerin Reinhild Marten sagt. Nur knapp die Hälfte der Eingeladenen erhält dann noch eine weitere Chance. Was viele allerdings nicht bedenken: Die anderen Kandidaten, die ebenfalls in die Endauswahl gekommen sind, haben im ersten Gespräch genauso überzeugt und bringen auch alle wichtigen Grundvoraussetzungen mit. „Also stehen die Chancen vielleicht 50 zu 50“, warnt Marten. „Bestenfalls.“
Unstimmigkeiten in der Selbstpräsentation
Der zweite Stolperstein: Unstimmigkeiten in der Selbstpräsentation. Ein Kandidat, der anfangs erzählt, es gehe ihm um neue Herausforderungen, im Folgegespräch aber einräumt, dass er sich mit seinem derzeitigen Chef nicht versteht, erzeugt Misstrauen. Auch wer zunächst geweckte Erwartungen nicht erfüllt oder sogar Versprechungen zurücknimmt, manövriert sich schnell ins Abseits. Trotzdem komme dies in der Praxis gar nicht so selten vor, berichtet Reinhild Marten von Beiersdorf.
Häufig dürfte der Grund dafür in einer ungenügenden Reflexion des ersten Termins liegen. Würde das zweite Interview genauso sorgfältig vorbereitet wie das erste, davon ist Michael Heidelberger überzeugt, ließen sich peinliche Widersprüche genauso umgehen wie der dritte und vierte Stolperstein auf dem Weg zum Traumjob: Das sind nach Einschätzung des stellvertretenden Vorsitzenden des Fachbereichs Personalberatungim Bundesverband DeutscherUnternehmensberater(BDU) nämlich Wissenslücken und fehlende Einstellung auf die Gesprächspartner in Runde zwei. Denn je nachdem, wie sich die zweite Runde tatsächlich zusammensetzt, variiert auch ihr Gesprächsverlauf. Grundsätzlich, erläutert Heidelberger, gebe es drei Möglichkeiten: Der oder die Gesprächspartner bleiben gleich, es kommen neue hinzu - oder der Kandidat sieht sich plötzlich völlig anderen Firmenvertretern gegenüber. Heidelbergers Rat lautet daher: „Fragen Sie bereits bei der Terminbestätigung nach.“
Am einfachsten verläuft das Gespräch in der Regel, wenn sich das Gegenüber gar nicht verändert hat. Denn dann trifft er oder sie vermutlich auch tatsächlich die Entscheidung. Dennoch handelt es sich auch in dieser Konstellation nicht um eine nette Plauderei. In jedem Fall müssen sich die Aspiranten auf eine Vertiefung des bislang Gesagten einstellen und mit strategischen Überlegungen aufwarten können. Eindeutig Pluspunkte sammelt etwa, wer schon kleine Lösungsansätze für zuvor angeschnittene Probleme präsentieren kann. Manchmal werden diese anhand von unangekündigten Fallstudien sogar explizit eingefordert. Außerdem sollte man sich über seine Gehaltsforderung im Klaren sein. Aber Vorsicht: Kam das Gehalt schon zur Sprache, ist es ein Fauxpas, jetzt nachzulegen.
Wenn die Gesprächspartner wechseln
Dass die gleiche umfassende Vorbereitung auch gefragt ist, wenn ein weiterer Gesprächspartner hinzukommt, versteht sich von selbst. Zusätzlich steht der Kandidat dann aber vor der Herausforderung, den Neuen oder sogar mehrere Neue richtig einzubinden. „Kümmern Sie sich nicht darum, dass die Hälfte der Gesprächspartner vieles schon weiß und die andere es wissen sollte“, rät der Berliner Bewerbungshelfer Gerhard Winkler. „Sie müssen noch einmal werben und überzeugen.“
Noch schwieriger kann es werden, wenn die Gesprächspartner komplett gewechselt haben. Dann ist noch einmal ein Schnelldurchlauf der ersten Runde angesagt - und zusätzlich eine sinnvolle Vertiefung. Ein besonders delikater Fallstrick, in dem sich vor allem unsichere Kandidaten in der zweiten Runde häufig verheddern, fällt dann jedoch weg: Sie neigen dazu, sich überwiegend mit den Personen zu unterhalten, die sie aus der ersten Runde schon kennen. Respekt und Ansprache aber verdienen alle gleichermaßen. Allenfalls wenn ein hierarchisch Hochstehender seine dominante Rolle auch noch mit Fleiß unterstreiche, dürfe man ihn etwas mehr hofieren, sagt Winkler. Mehr aber auch nicht. Wer weiß schon, ob der vermeintlich unwichtige Abteilungskollege am Ende nicht doch ein Vetorecht hat. Peter Strasser jedenfalls erfuhr es zu spät.
Augen und Ohren offen halten
Viele Bewerber übersehen, dass das zweite Vorstellungsgespräch auch für sie eine gute Chance ist, einen tieferen Einblick ins Unternehmen zu bekommen. Experten raten daher, Augen und Ohren offen zu halten. Es gibt Warnsignale:
- Unterbrechungen: Auch wenn der Vorgesetzte Sie ausreden lässt - unterbricht er ständig seine Mitarbeiter, sollten alle Alarmglocken klingeln.
- Abwertende Bemerkungen: Abwertende Bemerkungen bezüglich Abwesender, vielleicht sogar Ihres Vorgängers, verheißen ebenfalls nichts Gutes. Wollen Sie mit jemandem zusammenarbeiten, der lästert?
- Angespannte Stimmung: Beobachten Sie, wie die anwesenden Personen miteinander umgehen. Achten Sie dabei auch auf die Körpersprache. Sind Ängste erkennbar?
- Widersprüche: Beschreiben alle Personen das Unternehmen und die zu besetzende Stelle gleich? Gibt es hier deutliche Widersprüche, besteht die Gefahr, dass die später auf Ihrem Rücken ausgetragen werden.
- Ausweichende Antworten: Nicht nur für Bewerber, sondern auch für Unternehmensvertreter gilt: Ausweichende Antworten verheißen nichts Gutes.
- Schneller Wechsel: Hinterfragen Sie unbedingt, wie lange Ihre Vorgänger die Position innehatten. Wechselten diese schnell, braucht es gute Begründungen.
50 zu 50
Günter Blümel (guenterbluemel)
- 13.04.2010, 10:01 Uhr
@ Herr Blümel
Closed via SSO (Morrissey)
- 14.04.2010, 00:53 Uhr
