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Zweite Karriere Die Schlecker-Frau

Die Schlecker-Frauen sollen Kinder und Alte pflegen, hieß es. Das hat selten geklappt. Monika Damberg hat es geschafft: Sie wird Kindergärtnerin, wie es der Politik immer vorschwebte. Die Geschichte einer besonderen Karriere.

© Cunitz, Sebastian Vergrößern Neu-Erzieherin Monika Damberg im Kindergarten: Mal was anderes als Scanner-Kasse

Von Monika Damberg aus Frankfurt hat Ursula von der Leyen vermutlich noch nie gehört. Warum auch? Monika Damberg, blonde Haare, 51 Jahre alt, Mutter von drei Kindern, ist keine besondere Frau. Vor einem Jahr verlor sie ihre Arbeit bei Schlecker. So wie 27.000 andere auch.

Was Monika Damberg so besonders macht, ist ihr heutiger Beruf: Sie wird Erzieherin. Und verkörpert damit genau die Erfolgsgeschichte, die die Arbeitsministerin nach der Insolvenz der Drogeriekette so gerne erzählen wollte. Allerdings nicht an Einzelfällen, sondern tausendfach.

Die Erfolgsgeschichte von Monika Damberg beginnt im Januar vor einem Jahr, und sie beginnt ausgerechnet mit einer Niederlage: dem Insolvenzantrag des Traditionsunternehmens Schlecker. Wochenlang fürchtete Damberg um ihre Stelle. Als im März in einer ersten Welle 11.000 Leute entlassen wurden, die allermeisten von ihnen Frauen, war sie noch nicht darunter. Ihre kleine Filiale im Frankfurter Stadtteil Dornbusch allerdings schon: Als eine von 2400 der insgesamt mehr als 5000 Filialen wurde sie geschlossen.

„Das hat einfach nur weh getan“

Wer damals noch bleiben durfte, ging auf die Straße: Mit ihren Kolleginnen zog Damberg durch die Innenstadt, um für den Erhalt ihres Arbeitsplatzes zu kämpfen. Sie glaubte damals aber nicht, dass das viel ändern würde, und hoffte doch auf den Retter in letzter Sekunde - vergeblich: Am 1. Juni war das Ende des Imperiums besiegelt. Nach neun Jahren bei Schlecker erhielt jetzt auch Damberg ihre Kündigung.

Dann begann die Fledderei: Sie musste mitansehen, wie die Kunden „wie die Geier“ über ihre Filiale herfielen, wie Shampoos, Waschmittel und Lippenstifte mit Rabatten von bis zu 70 Prozent verramscht wurden. Wie die Kunden oft gleich mehrere Einkaufswagen vollluden, jeden einzelnen Posten ihrer Einkaufszettel genau kontrollierten und dann auch noch die Pröbchen und Tester mitnehmen wollten. „Das hat einfach nur weh getan“, sagt sie.

Schon mit 16 wollte sie Erzieherin werden

So schwer das Ende bei Schlecker war, so unkompliziert verlief für Monika Damberg der Neuanfang. Zwar zweifelte sie an der vielbeschworenen Solidarität mit den Schlecker-Frauen, die selbst Bundeskanzlerin Angela Merkel zu dem Versprechen verleitete, man werde über die Bundesagentur für Arbeit „alles daransetzen“, dass die Schlecker-Frauen schnell wieder eine neue Stelle finden. Doch die Idee von Arbeitsministerin von der Leyen machte sie gleich hellhörig. Den Chef der Bundesagentur für Arbeit Frank-Jürgen Weise im Schlepptau, schlug von der Leyen vor, die Schlecker-Frauen sollten sich in Mangelberufe umschulen lassen und Altenpfleger werden - oder Erzieher in Kindertagesstätten. Wegen des Rechtsanspruchs auf einen Betreuungsplatz für Kinder ab dem vollendeten ersten Lebensjahr, der am 1. August in Kraft tritt, würden diese bald händeringend gesucht. Und die Schlecker-Frauen, setzte von der Leyen auch gleich zur Verteidigung an, seien „selbstverständlich so gut wie jeder andere geeignet, als Erzieherinnen zu arbeiten“.

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