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Zukunftsvorsorge Firmen investieren in ältere Mitarbeiter

26.09.2006 ·  Unternehmen suchten über Jahre fast ausschließlich junge Mitarbeiter, nun wenden sich Personalchefs der Generation 50plus zu - nicht nur bei BMW oder der Metro. Es geht um die Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit. Vorzeitiger Berufsausstieg? Zu teuer.

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Fitness, Meditation und Schulungen - um ihre Mitarbeiter auch im Alter körperlich und geistig fit zu halten, lassen sich vor allem große Unternehmen viel einfallen. Nach Aussage von Experten gehört die erfolgreiche Integration der über 50jährigen auf dem Arbeitsmarkt zu den wichtigsten Aufgaben, um die Folgen des demographischen Wandels aufzufangen. Schon in wenigen Jahren wird es nicht mehr genug Nachwuchskräfte für bestimmte Jobs geben. Gleichzeitig wird der Anteil der Alten weiter deutlich steigen.

„Die Wettbewerbsfähigkeit hängt im steigenden Maße von älteren Arbeitnehmern ab“, sagt der Personalchef der Metro AG, Jürgen Pfister. Deshalb habe sich der Düsseldorfer Handelskonzern bereits vor mehreren Jahren von allen Altersteilzeit- und Vorruhestandsregeln verabschiedet. Um die Leistungsfähigkeit der bundesweit rund 100.000 Mitarbeiter bei Ketten wie Saturn, Kaufhof oder Real auf lange Sicht zu fördern, wurden 200 Führungskräfte mit der Umsetzung eines Gesundheitsprogramms beauftragt.

Ähnliche Maßnahmen hat auch der Autohersteller BMW getroffen. „Das Durchschnittsalter unserer Mitarbeiter wird in den nächsten zehn Jahren um etwa fünf Jahre steigen“, sagt Sprecherin Micaela Sieks. Firmeneigene Fitness-Center, Gesundheits- und Ernährungsberater oder ergonomische Arbeitsplätze sorgten schon jetzt für die entsprechende körperliche Leistungsfähigkeit. Zudem investiert BMW 200 Millionen Euro jährlich in Aus- und Weiterbildung, um die Bereitschaft der Mitarbeiter für stete Veränderungen und lebenslanges Lernen aufrecht zu erhalten. „Das Wissen muss alle fünf bis zehn Jahre neu aufgebaut werden“, sagt Sieks.

Mehr Ältere in Lohn und Brot

Nachdem viele Unternehmen über Jahre auf junge Mitarbeiter gesetzt haben und Personalchefs die Herausforderungen des demographischen Wandels gerne verdrängten, scheint sich der Trend allmählich umzukehren. Während 2002 nur 49 Prozent der Betriebe in Westdeutschland und 51 Prozent der Unternehmen in den neuen Bundesländern über 50jährige beschäftigten, erhöhte sich dieser Anteil laut einer Studie des Nürnberger Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) innerhalb von zwei Jahren im Westen auf 51 Prozent, im Osten sogar auf 58 Prozent - Tendenz steigend.

Inzwischen sei ein vorzeitiger Berufsausstieg für Arbeitnehmer viel teurer als noch vor fünf Jahren, sagt IAB-Experte Lutz Bellmann. „Vor allem in Ostdeutschland können sich das viele Menschen nicht leisten.“ Hinzu kommt schon jetzt der Mangel an qualifiziertem Nachwuchs, der vor allem kleine und mittelständige Unternehmen trifft. „Die renommierten Konzerne schöpfen die guten Absolventen ab, der Rest geht zum Mittelstand“, sagt Arbeitsmarktexperte Thomas Zwick vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung. Das Image, sie seien weniger attraktiv, könnten diese Firmen nur durch höhere Gehälter ausgleichen, was sich allerdings die wenigsten leisten könnten. Doch selbst Branchenriese BMW hat unlängst verkündet: „Der Kampf um die Talente ist längst entbrannt.“

Deutschland unter dem EU-Schnitt

Auch im Ingenieursbereich, der besonders unter Nachwuchsmangel leidet, ist nach Angaben des Vereins Deutsche Ingenieure (VDI) die Zahl älterer Arbeitsloser zurückgegangen. „Arbeitgeber schätzen das hohe Verantwortungsbewusstsein und die guten Fachkenntnisse der langjährig Berufserfahrenen“, sagt VDI-Sprecher Sven Renkel. Er rät den Unternehmen, ältere Arbeitnehmer kontinuierlich weiterzubilden, neue Motivationsreize zu schaffen und Arbeitsbereiche altersgerecht anzupassen. Die Lufthansa beispielsweise berät und schult in „Pro 40 Seminaren“ speziell ältere Mitarbeiter. „Bei uns gibt es zahlreiche Möglichkeiten sich innerhalb des Konzerns beruflich zu verändern und neue Herausforderungen zu suchen“, sagt Sprecherin Karin Weber.

Trotz guter Ansätze: International liegt Deutschland nach einer Studie der Bertelsmann Stiftung bei der Integration Älterer auf dem Arbeitsmarkt weit unter dem EU-Durchschnitt. Besonders in skandinavischen Ländern seien Personalchefs viel innovativer, was Weiterbildung oder präventive Gesundheitspolitik betrifft. So wurde Finnland, dessen Beschäftigungsquote der 55- bis 64-Jährigen in einem Jahrzehnt um ein Drittel gestiegen ist, Mitte September mit dem Carl Bertelsmann-Preis ausgezeichnet.

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