05.05.2009 · Nun bekommt auch die Personalberaterbranche die Krise zu spüren: In diesem Jahr rechnen sie mit einem Umsatzrückgang von knapp 20 Prozent. Dabei schrieb die Branche im vergangenen Jahr noch Rekordzahlen.
Von Julia LöhrDie Personalberater in Deutschland rechnen in diesem Jahr mit einem Umsatzrückgang von knapp 20 Prozent. Zu diesem Ergebnis kommt die jährliche Umfrage des Bundesverbands Deutscher Unternehmensberater (BDU) unter 300 Personalberatungen, die im März erstellt und am Dienstag vorgestellt wurde.
Im vergangenen Jahr konnte sich die Branche noch über einen Rekordumsatz freuen. Die Erlöse der knapp 2000 Personalberatungen hierzulande stiegen 2008 der Studie zufolge um 8,5 Prozent auf 1,49 Milliarden Euro. Mit 71 000 Suchaufträgen hatte die Branche so viel zu tun wie nie zuvor. „Im Jahr 2008 standen wir noch auf der Sonnenseite“, sagte Wolfgang Lichius, Vorsitzender des Fachverbands Personalberatung im BDU und zugleich Partner von Kienbaum Executive Consultants. Nun bekämen auch die Personalberater die Folgen der Finanz- und Wirtschaftskrise zu spüren. Lichius rechnet mit einem noch stärkeren Umsatzrückgang als die Verbandsmitglieder.
Erinnerungen an 2001 und 2002 werden wach
Die gedämpften Erwartungen für das laufende Jahr dürften unter vielen Personalberatern Erinnerungen an die Jahre 2001 und 2002 wecken. Auch damals waren die Umsätze um knapp 20 Prozent gesunken. „Vor allem der Fahrzeugbau wird uns in diesem Jahr mit deutlich weniger Aufträgen beglücken“, sagte Lichius. Auch die Banken zeigten sich zurückhaltend, was die Vergabe von Suchaufträgen angehe. Immerhin hat sich die Stimmung der Personalberater in den vergangenen Wochen wieder etwas aufgehellt. Der Geschäftsklima-Index des Verbands, der alle zwei Monate erhoben wird, hat sich zwischen Februar und April dieses Jahres leicht verbessert.
Die Rangliste der größten Personalberatungen in Deutschland führen wie im vergangenen Jahr mit großem Abstand zu den Nachfolgenden Kienbaum Executive Consultants (Gesamtumsatz 68 Millionen Euro) und Egon Zehnder International (66,4 Millionen Euro) an. Verbandschef Lichius erwartet nicht, dass namhafte Teilnehmer vom Markt verschwinden werden. „Aber es finden Personalanpassungen statt“, sagte er. Knapp 40 Prozent der großen Personalberatungen gaben in der Umfrage an, Berater abbauen zu wollen. An Mitarbeitern in der Verwaltung wollen sogar 79 Prozent der Befragten sparen.