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Wir bauen den ICx Der Bordküchenprofi

Der Hochgeschwindigkeitszug ICx gilt als das Paradeprojekt der deutschen Bahnindustrie. Vier Siemens-Ingenieure erzählen von den Herausforderungen des Projekts. Rolf Neuhaus ist der Bordküchenprofi.

© Archiv Vergrößern Rolf Neuhaus: „Am Ende ist alles viel komplexer als es sich der Fahrgast vorstellt.“

Ich bin 30 Jahre alt und habe 2007 mein Wirtschaftsingenieur-Diplom an der Uni Bremen gemacht. Nach Abschluss des Siemens Graduate Program bin ich seit 2009 Teilprojektleiter im ICx-Team. Damals haben wir uns in der Angebotsphase noch vor allem mit der Frage beschäftigt, wie wir die Kundenanforderungen der Deutschen Bahn am besten erfüllen können.

Als wir dann im vergangenen Jahr den Auftrag erhalten haben, war dies eine positive Bestätigung unserer Bemühungen in der Angebotsphase. Mir gefällt an meiner Rolle des Teilprojektleiters, dass ich die Zukunft aktiv mitgestalten kann – nicht nur in Form von Theorie und Angebotskonzepten, wie zuvor. Ich bin im ICx zuständig für die Gewerke Galley und Nasszellen, also für die Bordküche und die Toiletten.

Außerdem gehört das Mockup, das erste Eins-zu-eins-Modell des Zuges aus Holz, zu meinen Aufgaben. Bei der Küche und den WCs ist eine sehr intensive Kundenabstimmung erforderlich, schließlich handelt es sich um Bereiche, in denen sich der Fahrgast primär aufhält. Die eigentliche Technik wird vom Fahrgast oft gar nicht so wahrgenommen – es muss halt funktionieren.

„Seit ich den Job habe, fahre ich ganz anders Zug“

Der Bahn und uns ist wichtig, bewährte und erprobte Lösungen einzusetzen. Der Kunde möchte, dass es bezüglich des Designs einen Wiedererkennungswert gibt. Bei der Bordküche wird es so sein, dass es künftig eine modernere Ausgabetheke gibt. In heutigen ICEs ist dort zum Beispiel nur ein Fenster mit Kioskanmutung. Künftig werden wir eine geschwungene Glastheke haben, die mehr Produktpräsentationsmöglichkeiten bietet.

Im Toilettenbereich gibt es für mobilitätseingeschränkte Reisende mehr Komfort. Auf dem Weg zum Teilprojektleiter hat mir das interdisziplinäre Studium des Wirtschaftsingenieurs geholfen und mein Interesse an breiteren Kontexten – ich wollte halt keine Schrauben auslegen oder Details konstruieren.

Seit ich den Job habe, fahre ich ganz anders Zug. Ich bin privat auch auf längeren Strecken unterwegs, vergangene Woche zum Beispiel in der Schweiz. Heute nehme ich viel bewusster wahr, was um mich herum gestaltet worden ist. Dann und wann fallen mir Optimierungsmöglichkeiten auf. Zum Beispiel, wenn man an einer Stelle in der Toilette mit dem Ellenbogen anstößt. Natürlich weiß ich inzwischen auch, dass am Ende alles viel komplexer ist, als man sich das als Fahrgast vorstellt. Es ist ein langer Weg, bis so ein Zug fertig auf der Schiene steht. Und nicht jede Lösung schafft es in die Serie, das gehört dazu.

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Quelle: F.A.Z.

 
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