24.07.2009 · Auf dem Sommerfest weicht Assistent Knapp seinem Vorstand Dr. Prick nicht von der Seite. Den drängt es prompt zu einem überraschenden Geständnis.
Von Georg M. OswaldDas Sommerfest war ein voller Erfolg, es regnete nicht, der Abend war warm, das Buffet ausgezeichnet, der Weißwein gut gekühlt, das zweite Quartal trotz Krise mit ordentlichen Zahlen überstanden, von antizyklischen Neueinstellungen war sogar die Rede. Dr. Prick, dem Vorstand und Ehemann der Eigentümerin des Familienunternehmens, wich sein frischer Assistent Knapp nicht von der Seite. Es war das erste Mal, dass sie gemeinsam auf einer Feier unterwegs waren, im Hintergrund lief „I'm Bad“ von Michael Jackson, und den stattlichen Dr. Prick drängte es, Stand- und Spielbein wechselnd, offenbar zu einem Geständnis.
„Wissen Sie eigentlich, warum ich Sie eingestellt habe und keine Frau?“ Knapp zuckte die Achseln: „Wegen meiner Qualifikationen?“ „Nicht Ihr Ernst, Knapp. Wir sind alle für die Chancengleichheit. Sehe ich aus, als hätte ich was gegen Frauen?“ Während Dr. Prick, eher symbolisch, suchend den Blick schweifen ließ, lachte Knapp ein bisschen verlegen. „Aber bei aller Liebe: Ich kann einer Frau keinen unbefristeten Arbeitsvertrag geben, und täte ich es noch so gern. Warum? Frauen unter vierzig kriegen früher oder später Kinder.“
Knapp hätte beinahe Luft geholt, um möglicherweise vorsichtig etwas zu bedenken zu geben, aber Dr. Prick wusste, wovon er sprach: „Und kriegen sie bis vierzig keine Kinder, werden sie hysterisch. Also keine unbefristeten Verträge für Frauen unter vierzig. Aus dem gleichen Grund kann ich aber auch Frauen über vierzig schon gar keinen unbefristeten Vertrag geben: Entweder haben sie keine Kinder, dann sind sie hysterisch, oder sie haben Kinder, dann haben sie, wie Frauen unter vierzig mit Kindern, nichts anderes im Kopf als ihre Kinder.“
Knapps Lächeln war gefroren, Dr. Prick bemerkte es und sorgte für weiteren Weißwein. „Wissen Sie, warum ich Ihnen das alles erkläre? Weil ich will, dass Sie sich von den Fesseln der Political Correctness lösen. In der Theorie ist sie eine feine Sache. Aber in der Praxis funktioniert sie nicht.“ „Dies alles würden Sie aber niemals öffentlich so sagen, Herr Dr. Prick, nicht wahr?“ Die Frage lag Knapp auf der Zunge, aber er stellte sie nicht. Es konnte nur eine Antwort geben, also hätte ihm die Frage entweder als Begriffsstutzigkeit ausgelegt werden müssen oder als Mangel an Loyalität.
Da kam Frau Prick, die Gastgeberin, des Weges und bat ihren Mann, ihr seinen neuen Assistenten vorzustellen. „Sehr nett“, sagte sie, „sehr nett. So betreten, wie Sie dreinschauen, hat Ihnen mein Mann gerade erklärt, warum er statt Ihrer keine Assistentin eingestellt hat. Die Wahrheit ist ganz einfach: Ich hab' es ihm verboten.“