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Kolumne Verdammt locker, dieser Kropp!

Die Haare ein bisschen zu lang, nie frisch rasiert - Kropp ist nicht wie andere Manager. Und seine Zahlen sind besser. Bis dem Siegertypen das Lächeln vergeht.

© Cyprian Koscielniak Vergrößern

Als er eingekauft wurde, stand Kropp für eine völlig neue Managergeneration. Früher hätte man sein Auftreten und Aussehen vielleicht als „studentisch“ beschrieben. Die Haare ein bisschen zu lang, nie ganz frisch rasiert. Während andere überlegten, ob sie zum Anzug Krawatte tragen sollten oder nicht, kam er im Hoodie an und lächelte. Dieses Lächeln war nicht herausfordernd, es war auch kein Kommentar zu dem, was andere taten, es schien einfach nur zu sagen: Ich kann überhaupt nicht verlieren!

Kropp machte kein Hehl aus seiner Auffassung: Man musste hart arbeiten - an sich und mit anderen, aber warum musste das immer so verkniffen und unlocker aussehen? Einige seiner schärfsten Konkurrenten sahen neben ihm ganz schön alt aus. Kropps Zahlen entsprachen den Erwartungen. Mehr als das. Sie übertrafen sie, erlangten Rekordniveau. Kropp genoss den Erfolg und scheute sich nicht, ihn zu erklären. Andere, die sich mit nicht weniger Einsatz und Fleiß abmühten, konnten keine auch nur halb so guten Ergebnisse vorweisen wie er. Mit roten Ohren gifteten sie: „Es ist eben nicht jeder so verdammt locker wie dieser Herr Kropp!“

Kropp wurde stilbildend. Vor allem Jüngere begannen, ihn zu imitieren. Erst nur in seinem Umfeld, dann auch darüber hinaus. Kropp wurde bekannt. Man war sich einig: Dies war die ganz neue Art, Erfolg zu haben. Erst reinhauen, dann die Faust machen und dabei jeden Moment genussvoll inhalieren. Wow! Das war einfach sooo locker ...

Natürlich gab es auch manchmal kleine Rückschläge, hier ein Problemchen, dort mal einen Abschluss, der nicht gelang, aber das brachte Kropp nicht aus dem Gleichgewicht. Klar, auch er konnte mal laut werden, auf den Tisch hauen, brüllen. Aber das machte er nur ganz kurz, und sofort danach lächelte er wieder, so, als habe er nur Spaß gemacht, ein bisschen Theater gespielt. Niemand hatte von ihm erwartet, dass es immer so weitergehen würde. Alle wussten, auf Zeiten großer Erfolge mussten solche der Neuorientierung folgen. Kropp hatte das, an sein Konkurrenten gerichtet, selbst einmal gesagt.

Doch jetzt, als seine Zahlen plötzlich stark rückläufig waren, flippte er immer öfter mal aus, schrie Mitarbeiter zusammen, fegte Vorschläge vom Tisch und tat plötzlich Dinge, für die er sich hinterher entschuldigen musste. Er setzte dazu das Lächeln auf, das zu seinem Markenzeichen geworden war. Es sah jetzt aus wie Zähnefletschen. Seine Anhänger waren nun weniger von ihm begeistert: Enttäuschend fanden sie nicht so sehr seinen Misserfolg - es war eher die Gewöhnlichkeit seines Ehrgeizes, die ihnen jetzt zum ersten Mal auffiel.

Der Autor ist Schriftsteller und Rechtsanwalt und lebt in München.

Der Autor ist Schriftsteller und Rechtsanwalt und lebt in München.

Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 12.10.2012, 14:00 Uhr