„Ich gehe zum Elektronik-Discounter und tausche diesen Stick hier für meine Frau um“, sagte Ritz. „Soll das nicht lieber ich für Sie tun?“, fragte Frau Bruck, seine Sekretärin. Nicht doch, manchmal musste man auch als Spitzenkraft selbst nachsehen, was an der Basis los war.
Als er das Geschäft betrat, fühlte Ritz sich wie ein Forscher, der einen fremden Stamm besucht. Als einziger Anzugträger fiel er ziemlich auf zwischen all diesen Fleece-Pullis. Vermutlich war dies eine der Brutstätten modernen Piratentums, sinnierte er. Ritz kommunizierte mit einem jungen Verkäufer, verstand kein Wort von dem, was ihm erklärt wurde, bekam aber schließlich das angeblich passende Produkt in die Hand gedrückt, sowie einen abgezeichneten Umtauschbon. Ritz stellte sich in eine lange Schlange weiterer Fleece-Pulli-Träger an der Kasse an. Er fand das in Ordnung. Eine Übung in gelebter Demokratie.
Als er endlich drankam, erklärte ihm die Kassiererin: „Tut mir leid, mit dem Umtauschbon müssen Sie zur Kasse eins.“ Bis hierhin, dachte Ritz, war dieser Ausflug zum Fußvolk des Geschäftslebens ja ganz nett. „Schon gut“, sagte Ritz, „ich übernehme die Verantwortung.“ „Das können sie nicht“, erwiderte die Kassiererin so einfach wie zutreffend. Die Fleece-Pullis hinter ihm feixten. Bereits deutlich verärgert ging Ritz zur Kasse eins, wo eine nicht weniger lange Schlange von Fleece-Pullis anstand, und fühlte sich befugt, an der Schlange vorbei direkt zum Kassierer vorzugehen. Den allgemeinen Unmut ignorierte er. Er legte dem Kassierer seinen Umtauschbon hin. Der nahm ihn nicht entgegen, sondern bat Ritz, sich hinten anzustellen.
Ritz erwiderte, er habe schon an der anderen Kasse angestanden. Das, sagte der Kassierer, berechtige ihn nicht, sich an dieser vorzudrängeln, er sei ein Kunde wie jeder andere. Darüber, so Ritz nun laut, müsse er sich von ihm nicht belehren lassen. Der Kassierer erhielt laute Unterstützung der Fleece-Pullis. Ritz empörte sich. Der Sicherheitsmanager kam hinzu und bat ihn, mit ihm zur Seite zu treten. Ritz schrie, er trete überhaupt nirgendwo hin. Ob er eine Anzeige wegen Hausfriedensbruch vorziehe, wurde er gefragt. Selbstverständlich ziehe er die vor, wetterte Ritz. Er werde Gegenanzeige erstatten. Der Sicherheitsmanager rief die Polizei. Ritz holte Luft. Dann rief er Frau Bruck an.
„Frau Bruck?“ „Ja, wo sind Sie denn?“ „Immer noch beim Elektronik-Discounter.“ „So lange dauert das?“ „Ja, es dauert wohl auch noch ein bisschen länger. Sagen Sie, Frau Bruck, wären Sie wohl so nett und würden mir die Nummer meines Anwalts heraussuchen?“