„Und?“ Kers stellte diese Frage jedem, dem er begegnete, wenn er morgens in die Firma kam. Was damit gemeint war? Man konnte es für die kürzestmögliche Form halten, nach dem Befinden der anderen zu fragen. Klar, „und“ ist auch nur ein Wort, aber aus Kers' Mund bedeutete es so vieles mehr. Man musste ihn sich dabei nur ansehen: der maßgeschneiderte Anzug, die Manschettenknöpfe, die Gesichtsbräune, die sich sicher nahtlos unterhalb des Kragens fortsetzte, und dieses unwiderstehliche Jungslächeln, dieses Freibeuterlächeln, das einen einlud, die nächsten Abenteuer mit ihm gemeinsam zu bestehen, vor denen andere Angst haben mochten, er aber nicht!
Und es war ganz klar, was Kers hören, sehen oder auf irgendeine Weise signalisiert bekommen wollte: „Guten Morgen, Chef, toll, dass heute wieder Montag ist. Zwar habe ich mich am Wochenende beim Surfen, Tennisspielen, Golfen, Family-Events, Reiten, Bergsteigen, Cabrio-Fahren, Mit-den-Kindern-spielen und Grillen richtig gut erholt, weshalb ich auch so energiegeladen und voll drauf bin, aber das ist alles nichts gegen die Aussicht, an den kommenden fünf Tagen wieder sechzig Stunden lang alles zu tun, was Sie von mir verlangen, und das zu ertragen, was Sie Ihre ,unglaubliche Power' nennen würden.“
Wen interessiere da schon die Wahrheit, die so aussah, dass Stich sich am Freitagabend beinahe bewusstlos vor Erschöpfung aufs Sofa gerettet hatte, um es zappend, mehr oder weniger achtundvierzig Stunden nicht mehr zu verlassen, und sich sein Enthusiasmus, nun wieder in dieses dornige Gestrüpp von Ablage, Korrespondenz-Hickhack und Telefonwahnsinn hineinzuspringen, in absolut übersichtlichen Grenzen hielt?
Kers durfte das alles nie erfahren. Zutiefst enttäuscht wäre er dann von Stich, würde vor versammelter Mannschaft beteuern, dass er ihm mehr zugetraut hätte, er ihn für einen Beweger und Entscheider gehalten habe, aber auch er, Kers, sei eben nicht dagegen gefeit, sich zu täuschen und deshalb auch nicht davor, Enttäuschungen zu erleben. Es konnte doch keinen Zweifel daran geben, dass hier das beste Betriebsklima der Welt herrschte, oder? Also riss Stich sich zusammen, wuchtete seine Fäuste in die Höhe streckte sie Kers entgegen und reckte unter Aufbietung all seiner Kräfte beide Daumen in die Höhe und rief: „Aber immer!“
„Das will ich hoffen!“, rief Kers, hochenergetisch, und verschwand, umschwärmt von den ersten drei Mitarbeitern, die er zu sich bestellt hatte, in seinem Büro.
Stich fühlte sich nach seiner Geste dem Zusammenbruch wieder ein gutes Stück näher.