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Kolumne Unabänderliche Beschlüsse

Es fühlte sich anders an, als Oz erwartet hatte. Es war klar gewesen, dass dieses Gespräch früher oder später stattfinden würde. Er war noch ein wenig betäubt und doch erleichtert, denn es hatte viel weniger weh getan als befürchtet.

© Cyprian Koscielniak

Als Oz aus dem Besprechungszimmer herauskam und zurück in sein Büro ging, fühlte es sich anders an, als er erwartet hatte. Es war klar gewesen, dass dieses Gespräch früher oder später stattfinden würde. Jetzt hatte es stattgefunden, und es ging ihm wie nach einer tapfer überstandenen Zahnbehandlung: Er war noch ein wenig betäubt und doch erleichtert, denn es hatte viel weniger weh getan als befürchtet.

Ast hatte ihn zu dem Gespräch bestellt, und es war ihm sichtlich unangenehm gewesen, es führen zu müssen. Schon am Telefon hatte er so etwas in der Stimme gehabt, das Oz sofort ahnen ließ, was jetzt käme. Und er hatte sich nicht getäuscht.

Zuerst hatte Ast von unabänderlichen Beschlüssen und dem Bedauern darüber gesprochen, dann viel von „Aufbruch“ und „Zukunft“ und „Chancen“, ganz so, wie es sich in einer solchen Situation gehört.

Oz war gerührt gewesen von so viel kollegialem Taktgefühl. Dabei war doch klar, man hatte gesagt, man würde für eine gewisse Zeit zusammenarbeiten, vielleicht ein, zwei Jahre. Jetzt waren fünf daraus geworden. Und langweilig war es immer noch nicht. Gerade die rechte Zeit also, um aufzuhören.

Eine Woge stummen Mitgefühls der Mitarbeiter trug ihn durch den Flur zurück zu seinem Schreibtisch. Sie hatten ihn manchmal mit Ideen versorgt, wenn er selbst nicht mehr weiterkam. Ein paar Tage noch würde er ihnen nun noch bei der Arbeit zusehen, selbst schon ohne eigentliche Aufgabe. Und dann gab es da noch die Kunden, mit denen man selten Kontakt hatte, doch wenn dann immer positiv. Einige von ihnen hatten ja regelmäßig ihren Spaß daran gehabt, mit und weiter zu denken. Egon Weissmann zum Beispiel. Den würde Oz bestimmt vermissen.

Aber es gab auch Dinge, die jetzt einfacher wurden: Die Menschen an den Flughäfen, in den Zügen, in den Kantinen und Büros, denen Oz begegnete, würden jetzt nicht mehr von ihm abgehört. Wenn sich ihm jemand vorstellte, der „Kern“, „Schacht“ oder „Fink“ hieß, würde Oz nicht mehr unwillkürlich „Ah! Sehr schön, danke!“ antworten und Verwunderung ernten.

Seine Frau konnte nun wieder von ihrer Arbeit erzählen, ohne befürchten zu müssen, alles würde am Sonntag darauf in der Zeitung stehen. Oz durfte jetzt wieder einen Abend mehr in der Woche im Kreis der Familie verbringen. Er rief zu Hause an, um die Nachricht mitzuteilen. „Und wie ist dein Tag jetzt, Schatz?“, fragte seine Frau. Oz antwortete: „Ich werde Texte schreiben, die länger sind als 2500 Zeichen. Mehrsilbige Nachnamen werden darin vorkommen. Und ich sehe vor mir die unendliche Weite unberührter Wochenenden ...“

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Der Autor ist Schriftsteller und Rechtsanwalt und lebt in München.

Quelle: F.A.Z.

 
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