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Mittwoch, 19. Juni 2013
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Kolumne Klimaerhitzung

 ·  „Wir können doch über alles reden.“ Aber ob das klug ist? Als der Gedanke kam, sich beim Chef zu beschweren.

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Über das Betriebsklima, so dachte Moff, würde in meinem Unternehmen nie jemand, der es zu etwas bringen wollte, ein schlechtes Wort verlieren. Er dachte tatsächlich "in meinem Unternehmen", obwohl es gar nicht sein Unternehmen war.

Es gehörte ihm nicht, er besaß auch keine noch so geringen Anteile daran. Immerhin aber hatte er eine Zielbonusvereinbarung. In der stand allerdings nur, am Jahresende werde geprüft, ob und in welchem Umfang ihm eine erfolgsbezogene Vergütung ausbezahlt werden könne. Er fand diese Regelung eigentlich nicht besonders fair angesichts des Einsatzes, der von ihm verlangt wurde, und der Profite, die sein Unternehmen in den letzten Jahren erwirtschaftete.

Sicher, es wäre möglich gewesen, das einmal in einem Mitarbeitergespräch mit dem Vorgesetzten anzusprechen. Die Antwort wäre gewesen: "Unser Betriebsklima ist Gott sei Dank so gut, dass wir diese Dinge offen ansprechen können. Aber ich glaube, wir sollten die Gestaltungsfreiheit unseres Unternehmens nicht unnötig einschränken. Wer hätte etwas davon? Sie und ich vielleicht, aber nicht unser Unternehmen." Es stimmte schon, man konnte über alles reden, aber war es auch klug, das zu tun?

Wer etwas am Betriebsklima auszusetzen hätte, würde wohl eher nicht befördert werden. Nicht, dass irgendjemand das jemals laut sagen würde. Es würde sich eher so ergeben. Gab ja genug andere, die nichts zu beanstanden hatten. Wieder andere blieben zwar ruhig, aber man merkte plötzlich, dass sie sich innerlich verabschiedet hatten.

Sie mussten ja nicht gleich das Unternehmen wechseln. Man bemerkte es an weniger spektakulären Dingen. Sie begannen, Urteile über Kollegen abzugeben. Fingen an, einer Nebentätigkeit nachzugehen. Nahmen sich mehr frei für die Familie. Äußerten zu jeder Gelegenheit ihre Meinung, erzählten Interna aus ihrem Geschäftsbereich herum. Es gab ja, dachte Moff, so viele Möglichkeiten, versehentlich als total unprofessionell rüberzukommen.

Und selbst diejenigen, die es verstanden, sich gut in Szene zu setzen und nicht durch kleinliches Verhalten aufzufallen, waren deshalb nicht außer Gefahr. Es konnte geschehen, dass sie plötzlich begannen, ihre eigene Rolle falsch zu interpretieren. Hattest du Erfolg? Der Erfolg ist immer der Erfolg deines Unternehmens. Fehler sind immer deine eigenen Fehler. Falls du glaubst, es wäre anders, tust du besser daran, es für dich zu behalten. Wenn du anfängst, das nicht mehr zu glauben, gerät deine Karriere ernsthaft in Gefahr. Da hilft dir das beste Betriebsklima nichts.

Der Autor ist Schriftsteller und Rechtsanwalt und lebt in München.

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