Gulps Aufstieg war langsam, aber stetig verlaufen, doch kurz vor dem Ziel, vor dem letzten Schritt, war er ins Stocken geraten. Schon seit ziemlich genau zehn Jahren war er nun die Nummer zwei und wartete vergeblich darauf, endlich zur Nummer eins gemacht zu werden. Es hatte in der Zwischenzeit einige Wechsel auf dieser Position gegeben. Gulp hatte nie ausdrücklich Ansprüche auf sie erhoben, das wäre ihm zu dreist erschienen. Eines Tages mussten die Gesellschafter doch wohl von selbst auf ihn kommen, aber sie hatten sich jedes Mal anders entschieden. Gulp wäre es nicht eingefallen, dagegen zu protestieren. Er wusste nicht, ob er wirklich ein Teamplayer war, aber er vermutete, es käme besser an, mit einer neuen Nummer eins konstruktiv zusammenzuarbeiten, anstatt querzutreiben. Beim nächsten Mal würden die Gesellschafter sich an seine Loyalität erinnern und endlich ihn zur Nummer eins machen.
Jetzt aber hatten sie sich für Krimm entschieden, einen unerschrockenen Mann mit eigenwilligen Ideen, die er auch gegen Widerspruch durchsetzte, weil er von ihnen überzeugt war. Gulp war gewiss, Krimm würde mit dieser Art irgendwann den Zorn der Gesellschafter auf sich ziehen, doch zunächst gaben ihm die Zahlen recht. Wenn es um Krimms Ansichten ging, hörte sich Gulp immer öfter Sätze sagen wie „Genau so sehe ich das auch“, „Exakt das wollte ich auch gerade vorschlagen“, „Es ist wie Gedankenübertragung: Sie nehmen mir die Worte aus dem Mund“, „Ich habe gehört, was Sie über das nächste Quartal gesagt haben. Ich bin in allem absolut d’accord“, „Witzig. Genau in diesem Moment wollte ich genau das Gleiche sagen wie Sie“.
Etwa zu dieser Zeit begann Gulp unter dem Pseudonym „Imperator“ Produktrezensionen und Kommentare im Internet zu publizieren. Seine Urteile waren stets gnadenlos und von ungeheurer Schärfe. Es kam, wie es kommen musste: Krimms Zahlen verschlechterten sich, er fiel bei den Gesellschaftern in Ungnade, und schließlich musste er seinen Platz räumen. Gulp äußerte, er habe von Anfang an Krimms Eigenmacht zwar für bewundernswert, aber auch für gefährlich gehalten.
Bei der Neubesetzung der Nummer eins spielte Gulps Name überhaupt keine Rolle. Krimms Nachfolger wurde bekanntgegeben. Ein unkonventioneller, entscheidungsfreudiger Geist, der die Gesellschafter überzeugen konnte. Als Gulp dessen Namen hörte, fand in ihm so etwas Ähnliches wie ein Vulkanausbruch statt. Äußerlich blieb er jedoch vollkommen ruhig. Er schloss die Augen und sagte im fröhlichsten Ton, den er hinbekam: „Witzig. Genau an den hatte ich auch gedacht.“