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Kolumne Frauen und Fußball

Zwischen Minz und Klops herrschte Funkstille seit der letzten Budgetverschiebung. Da war es an den Sekretärinnen, sich einen klugen Ausweg einfallen zu lassen.

© Cyprian Koscielniak Vergrößern

Seit der letzten Budgetverschiebung waren die Verhältnisse zwischen Minz und Klops etwas angespannt. Offen gestanden herrschte Funkstille. Zwar hatte man halbherzig beiderseits erklärt, man könne etwaige Unstimmigkeiten einmal bei Gelegenheit aus der Welt schaffen, aber scharf darauf war keiner von beiden. Um ihr Bemühen echt aussehen zu lassen, beauftragten Minz und Klops dennoch beide ihre Sekretärinnen, in den nächsten Wochen einen gemeinsamen Termin zu vereinbaren. Zuvor hatten allerdings Minz wie Klops dafür gesorgt, dass ihre Kalender in diesem Zeitraum inklusive der Abendtermine vollständig zugepflastert waren. Dass man keine Zeit hatte, sollte so als eine Art höherer Gewalt erscheinen.

Die Sekretärinnen kostete es allerdings nur wenige Minuten herauszufinden, dass sowohl Minz als auch Klops sämtliche Europameisterschaftsspiele als Termine blockiert hatten. Damit ergab sich die Möglichkeit, nach der sie gesucht hatten. Sie waren sich schnell einig: Was konnte der Aussöhnung ihrer Chefs dienlicher seien, als ein gemeinsames vor dem Fernseher durchgestandenes Fußballspiel? Sie gingen die in Frage kommenden Paarungen durch. Ein gemeinsames Finale von Minz und Klops verwarfen sie sofort als zu emotional, zu ergreifend, der aktuellen Gefühlslage unangemessen. Ein Vorrundenspiel hingegen wäre zu unverbindlich und belanglos gewesen. Richtig erschien ein Viertelfinale, wenn möglich mit deutscher Beteiligung. Im günstigsten Fall würden sich Minz und Klops in den Armen liegen, im ungünstigsten könnten sie die Solidarität im Unglück erfahren, die im Sport und auch außerhalb schon so einige wieder zusammengebracht hatte.

Die Sekretärinnen einigten sich auf einen Termin und trugen ihn in die elektronischen Terminkalender ihrer Chefs ein. Als diese auf den Termin stießen, stellten sie beide ihre Mitarbeiterinnen zur Rede, die erklärten, das sei wohl nun nicht mehr rückgängig zu machen. Minz war der Erste, der die Initiative ergriff. Wenn überhaupt, war Hilfe jetzt nur noch auf dem direkten Weg zu bekommen. Er rief Klops an, auf der Durchwahl. Er sagte: „Ich sage Ihnen, wie es ist: Ich will mir an dem Abend das Spiel anschauen.“ Klops schwieg einen Moment, presste dann hervor: „Ich auch. Wollen wir zusammen?“ Es klang wie ein Jawort. Welch ein unvermuteter Moment größter Innigkeit. „Gott sei dank können wir unter Männern so einfach miteinander reden“, sagte Minz mit kehliger Stimme. „Ja. Und Frauen haben einfach keine Ahnung vom Fußball“, sagte Klops.

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Der Autor ist Schriftsteller und Rechtsanwalt und lebt in München.

Quelle: F.A.Z.

 
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