http://www.faz.net/-gym-6zx53
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 25.05.2012, 16:00 Uhr

Kolumne Frauen und Fußball

Zwischen Minz und Klops herrschte Funkstille seit der letzten Budgetverschiebung. Da war es an den Sekretärinnen, sich einen klugen Ausweg einfallen zu lassen.

von Georg M. Oswald
© Cyprian Koscielniak

Seit der letzten Budgetverschiebung waren die Verhältnisse zwischen Minz und Klops etwas angespannt. Offen gestanden herrschte Funkstille. Zwar hatte man halbherzig beiderseits erklärt, man könne etwaige Unstimmigkeiten einmal bei Gelegenheit aus der Welt schaffen, aber scharf darauf war keiner von beiden. Um ihr Bemühen echt aussehen zu lassen, beauftragten Minz und Klops dennoch beide ihre Sekretärinnen, in den nächsten Wochen einen gemeinsamen Termin zu vereinbaren. Zuvor hatten allerdings Minz wie Klops dafür gesorgt, dass ihre Kalender in diesem Zeitraum inklusive der Abendtermine vollständig zugepflastert waren. Dass man keine Zeit hatte, sollte so als eine Art höherer Gewalt erscheinen.

Die Sekretärinnen kostete es allerdings nur wenige Minuten herauszufinden, dass sowohl Minz als auch Klops sämtliche Europameisterschaftsspiele als Termine blockiert hatten. Damit ergab sich die Möglichkeit, nach der sie gesucht hatten. Sie waren sich schnell einig: Was konnte der Aussöhnung ihrer Chefs dienlicher seien, als ein gemeinsames vor dem Fernseher durchgestandenes Fußballspiel? Sie gingen die in Frage kommenden Paarungen durch. Ein gemeinsames Finale von Minz und Klops verwarfen sie sofort als zu emotional, zu ergreifend, der aktuellen Gefühlslage unangemessen. Ein Vorrundenspiel hingegen wäre zu unverbindlich und belanglos gewesen. Richtig erschien ein Viertelfinale, wenn möglich mit deutscher Beteiligung. Im günstigsten Fall würden sich Minz und Klops in den Armen liegen, im ungünstigsten könnten sie die Solidarität im Unglück erfahren, die im Sport und auch außerhalb schon so einige wieder zusammengebracht hatte.

Die Sekretärinnen einigten sich auf einen Termin und trugen ihn in die elektronischen Terminkalender ihrer Chefs ein. Als diese auf den Termin stießen, stellten sie beide ihre Mitarbeiterinnen zur Rede, die erklärten, das sei wohl nun nicht mehr rückgängig zu machen. Minz war der Erste, der die Initiative ergriff. Wenn überhaupt, war Hilfe jetzt nur noch auf dem direkten Weg zu bekommen. Er rief Klops an, auf der Durchwahl. Er sagte: „Ich sage Ihnen, wie es ist: Ich will mir an dem Abend das Spiel anschauen.“ Klops schwieg einen Moment, presste dann hervor: „Ich auch. Wollen wir zusammen?“ Es klang wie ein Jawort. Welch ein unvermuteter Moment größter Innigkeit. „Gott sei dank können wir unter Männern so einfach miteinander reden“, sagte Minz mit kehliger Stimme. „Ja. Und Frauen haben einfach keine Ahnung vom Fußball“, sagte Klops.

Mehr zum Thema

Der Autor ist Schriftsteller und Rechtsanwalt und lebt in München.

Quelle: F.A.Z.

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Digitales Radio Auf alten Radiofrequenzen herrscht dann Funkstille

In Deutschland wird über digitales Radio ewig gestritten. In der Schweiz gibt es hingegen schon einen Abschalttermin für UKW. Der Grund ist einfach. Mehr Von Rudolf Matter

14.08.2016, 21:56 Uhr | Feuilleton
London Messerattacke hatte offenbar keinen islamistischen Hintergrund

Im Zentrum Londons hat ein 19-jähriger Mann bei einem Messerangriff eine Frau getötet sowie fünf weitere Personen verletzt. Über sein Motiv herrscht nach wie vor Unklarheit, ein islamistischer Hintergrund erscheint jedoch unwahrscheinlich. Mehr

04.08.2016, 15:28 Uhr | Politik
Clintons E-Mail-Affäre Interessenvermischung im Amt

Die Konservativen lassen nicht locker in der E-Mail-Affäre. Neue Mails legen den Verdacht einer Interessenvermischung mit der Stiftung der Clintons nahe. Mehr Von Andreas Ross, Washington

23.08.2016, 17:54 Uhr | Politik
Geldpolitik kurz erklärt Was ist der Leitzins?

Was ist der Leitzins. Warum ist er die Leitfigur des Geldmarkts? Der Leitzins beeinflusst, wie günstig Kredite sind, wie viel Geld in Umlauf ist und ob es hoch oder runter geht mit der Wirtschaft: ist er niedrig, bekommen Geschäftsbanken von der Zentralbank günstige Kredite. Mehr

17.08.2016, 20:41 Uhr | Wirtschaft
Gläserner Mensch Apple und Microsoft kaufen Gesundheits- und Planungsapps

Mit Zukauf von Apps wollen Apple und Microsoft ihr Angebot verbessern. Sie können das Leben vereinfachen, machen die Nutzer aber auch immer mehr zu gläsernen Menschen. Mehr

23.08.2016, 10:28 Uhr | Wirtschaft