Wer Wutz zum ersten Mal sah, hätte denken können, er sei in der Modebranche tätig, so auffällig gut gestylt war er. Alles passte perfekt zueinander. Wer hätte gedacht, dass unter diesem ansprechenden Chassis, wie man vielleicht sagen konnte, ein Fahrzeugingenieur steckte. Es war ein weiter Weg gewesen von weißen Socken in Gesundheitssandalen bis zu handgenähten Full Brogues, um nur von einem Detail zu sprechen. Doch Wutz war ihn gegangen.
Wer hatte Wutz’ Rucksack in einem ersten Schritt von lustigen Stofftier-Anhängern befreit, im nächsten Schritt Wutz von seinem Rucksack? Dies alles war Kloops Werk. Kloop – Personality Design für Ingenieure. Warum nicht, mit Descartes, sich den Menschen als Maschine vorstellen, lehrte Kloop? L’homme machine. Was wie eine Maschine funktionierte, konnte auch verbessert werden. Kloop brachte Wutz mit höchster Effizienz bei, woran er arbeiten musste: E. I., E. M., E. D.
Emotional Improvement, Emotional Management, Emotional Development. Was das im Einzelnen bedeutete, konnte Kloop atemberaubend eloquent für zweihundert Euro die Stunde erklären. „Gut investiertes Geld“, hatte eine wohlmeinende Führungskraft Wutz geraten. Kloop trieb Wutz nach und nach die Todsünden aus, die da hießen: Das geht doch auch so, darauf kommt es doch nicht an, Jeans sind einfach bequemer, mit Krawatte krieg’ ich keine Luft. Und dann natürlich noch die höheren Weihen: richtige Ernährung, richtiges Auftreten, gewählte Konversation. Mit dem ihm eigenen Fleiß meisterte Wutz all dies.
Was jetzt noch fehlte, war eine Frau, die all diese Vorzüge an ihm zu goutieren wusste. Wutz war guter Hoffnung, sie in einer gewissen Frau Klom gefunden zu haben, die er seit einiger Zeit beobachtete. Ihrer Erscheinung nach schien sie ihm auf geheimnisvolle Weise wesensverwandt. Alles an ihr, ihre Art, sich zu kleiden, zu sprechen, ihre Manieren, ihr Auftreten, war so, wie Wutz es sich erträumte. Es konnte gar nicht sein, dachte er, nein, hoffte er, dass es ihr nicht genauso ging.
„Eröffnen Sie mit einem Vers, vielleicht aus dem ,Sommernachtstraum’. Legen Sie sich etwas zurecht. Gerade in ihrer Branche wirkt das überraschend und beeindruckend“, hatte Kloop geraten. Wutz sah sie, nach einer Besprechung, allein in einem Konferenzraum sitzen, fasste sich ein Herz, ging zu ihr hin und zitierte, nicht ganz richtig: „Wie kann das Glück so wunderlich doch schalten! Ich werde für so schön als Sie gehalten.“
Die Angesprochene wandte sich um und musterte ihn. Als sie sich sicher war, fragte sie: „Ach, Sie sind auch bei Kloop?“
Der Autor ist Schriftsteller und Rechtsanwalt und lebt in München.