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Kolumne Der Rentenfonds

Traut war überzeugt, dass sich sein Arbeitgeber wirklich um ältere Mitarbeiter wie ihn kümmerte. Nun bot er ihnen zum Beispiel den Abschluss eines Rentenfonds an. Umso überraschter war Traut als sein Kollege Hecht ihn warnte: „Mach’s bloß nicht!“

© Cyprian Koscielniak Vergrößern

Traut, ein älterer Mitarbeiter, war beeindruckt. Sein Arbeitgeber kümmerte sich wirklich um Leute wie ihn. Neuerdings bot er ihnen zum Beispiel den Abschluss eines Rentenfonds für eine zusätzliche Altersversorgung an. Und die Renditen, die der abwerfen sollte, konnten sich wirklich sehen lassen. Doch bevor Traut unterschrieb, wollte er noch eine zweite Meinung einholen und fragte seinen Kollegen am Kaffeeautomaten, wie er sich wohl entscheide. Traut wollte die Frage möglichst neutral stellen, so dass man nicht heraushören konnte, dass er eigentlich schon fest entschlossen war, zu unterschreiben.

„Mach’s bloß nicht!“, sagte Hecht. Traut erschrak. Er hatte eigentlich nicht mit gravierenden Einwänden gerechnet. „Was wäre denn so verkehrt daran? Du weißt doch, die gesetzliche Rente wird niemals ausreichen, private Vorsorge ist gefragt, und das hier ist ein für uns maßgeschneidertes Produkt.“

„Das ist zu kurz gedacht, mein Guter.“ „Ach so, du meinst, der Fonds wird von Betrügern aufgelegt, die früher oder später pleitegehen, und wir haben das Nachsehen.“

„Nicht doch. Nehmen wir an, deine Fondsverwalter sind keine Abzocker, sondern anständige, fähige Menschen, die eine maximale Rendite für dein Geld erreichen wollen. Sie legen es also in Investmentfonds an, die solche Renditen versprechen. Die Fondsmanager der Investmentfonds tun wiederum das Gleiche. Und so weiter. Irgendwann trifft dein Geld auf einen Fondsverwalter, der sich, wiederum in der Absicht, die höchste Rendite zu erzielen, dazu entschließt, Anteile vom Unternehmen deines Arbeitgebers ins Portfolio zu nehmen. Wie alle Anteilsinhaber, die profitorientierte Anleger im Nacken haben, würde er von der Unternehmensleitung Profitmaximierung erwarten, und um die zu erreichen, wäre nun einmal ein erprobtes und beliebtes Mittel, sich von teuren älteren Mitarbeitern wie uns zu trennen. Kurzum: Wenn du deinen Arbeitsplatz sichern willst - unterschreib lieber nicht.“

Die Antwort brachte Traut ins Grübeln. Wenn er nun den Rentenfonds nicht abschloss, um keinen unnötigen Druck auf das Unternehmen auszuüben, war das womöglich auch keine Lösung. Ohne Druck würde es vielleicht bald allzu bequem werden und nicht mehr konkurrenzfähig sein, und sein Arbeitsplatz wäre wieder in Gefahr! Dennoch, schließlich unterschrieb Traut. Am Ende sollten sich sowohl Hechts als auch Trauts Befürchtungen als unbegründet erweisen. Zwei Jahre später wurde ihr Arbeitgeber von einem Konkurrenzunternehmen gekauft und beide wurden freigesetzt. Traut bot man an, den Rentenfonds auf eigene Kosten fortzuführen.

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Der Autor ist Schriftsteller und Rechtsanwalt und lebt in München.

Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 03.11.2012, 08:00 Uhr