Home
http://www.faz.net/-gym-7b0e4
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

Wettbewerb „Worldskills“ Weltmeisterschaft der Berufe

Gesucht sind die besten Maurer, Kosmetiker oder Automechaniker: Mehr als tausend junge Leute aus etwa 60 Ländern wetteifern in Leipzig bei der Weltmeisterschaft der Berufe bis Sonntag um Titel und Auszeichnungen.

© dpa Vergrößern Verkabeln fürs deutsche Team: Teilnehmer aus der Disziplin Mobile Robotik

Auf dem Leipziger Messegelände wuselt es. Aber es ist anders als an üblichen Messetagen. Schon die große Zahl junger Leute fällt auf. Das sind nicht die „normalen“ Messebesucher mit Kaufordern im Köfferchen. In den Messehallen stehen nicht die Messestände wie sonst. Stattdessen sind dort komplette Werkstätten eingerichtet. Es quietscht und kracht, es wird gehämmert, Funken sprühen oder es sieht aus wie in einem Blumenladen. Seid Mittwoch finden in Leipzig, die „Worldskills“ statt, die Weltmeisterschaft der Berufe. Mehr als tausend junge Leute aus etwa 60 Ländern wetteifern bis Sonntag um Titel und Auszeichnungen in 46 Berufen.

Peter Schilder Folgen:  

Es ist die 42. Weltmeisterschaft, nach der ersten im Jahr 1947. Die Idee kam aus Spanien und fand bald immer mehr Anhänger. Handwerker sollten sich untereinander messen. Seit 1973, als der Wettbewerb vor vierzig Jahren zuletzt in Deutschland stattfand, wird er im zweijährigen Rhythmus ausgetragen, zuletzt 2011 in London. Die Teilnehmer, haben sich durch nationale Ausscheidungen bis nach Leipzig gekämpft und sind somit schon Ausgezeichnete. Jetzt geht es für sie um die Krone.

Berufe-Weltmeisterschaft - Frisöre Schön kreativ: Hier geht es um die besten Frisuren © dpa Bilderstrecke 

Dafür legte der 22 Jahre alte Fliesenlegermeister aus Ostfriesland ein Fliesenmuster, das das Brandenburger Tor zeigt und eine Deutschlandkarte. Der junge Mann hat gute Aussichten auf den Titel in seinem Fach. Er wäre eine gute Werbung für seinen Betrieb. Andere ziehen saubere Schweißnähte und setzen Behälter zusammen, deren Haltbarkeit unter Druck geprüft wird. Floristinnen stecken Blumen zu Hochzeitsträußen oder Raum-Dekorationen zusammen. Alles geschieht unter der strengen Aufsicht von Supervisoren und Meistern aus den beteiligten Ländern.

In Deutschland sucht diese Weltmeisterschaft noch nach Anerkennung über die Fachkreise hinaus. Das ist in Asien schon ganz anders, dort kommt eine Auszeichnung bei den Worldskills einer Olympiamedaille nahe. Auch in der Schweiz findet der Wettkampf hohe Beachtung. Hierzulande schaut vor allem die Fachwelt nach Leipzig. Firmen, die Mitarbeiter bis in die Endausscheidung entsandt haben, werten den persönlichen Erfolg ihrer Leute auch als Auszeichnung für das Unternehmen, das eben Spitzenleistung liefere. Firmenvertreter, man erkennt sie meist am Alter und ihrer Kleidung, schauen sich die Wettkämpfer genau an, und locken oft mit einem neuen Anstellungsvertrag.

Von der Vielfalt der Berufe überrascht

Wo auch immer in den Leipziger Messehallen gearbeitet wird, bilden sich Trauben junger Leute darum. Insgesamt werden 200.000 Besucher erwartet, was sich abends auch im Leipziger Stadtbild bemerkbar macht. Es sind Freunde von Teilnehmern, die ihn anfeuern und Mut machen, oder auch einfach interessierte junge Menschen. In dem nahezu Gleichaltrigen erkennen sie ein Vorbild. Auch das will der Wettbewerb zeigen: „Es lohnt sich, sich in seinem Beruf anzustrengen“. Viele der jungen Besucher, Schüler oder Berufsschüler, sind auch von der Vielfalt der Berufe überrascht. Von manchen Berufen hatten sie noch nichts gehört, von „Mobilrobotik“ zum Beispiel, wo Programme für Roboter geschrieben werden, die die Produktion automatisieren. Und wer vom Schauen genug hat, kann sich an vielen Stellen selbst betätigen und ausprobieren. Vor allem Chemieunternehmen laden zu Experimenten mit Chemikalien ein.

Die Stimmung auf der Leipziger Messe ist locker und ausgelassen. Trotzdem hat auch dort die Euro-Krise und die Jugendarbeitslosigkeit Niederschlag gefunden. Die spanische Mannschaft hat kurzfristig ihre Teilnahme abgesagt. Dabei will die Messe auch zeigen, wie man damit umgehen könnte. Das deutsche duale Ausbildungssystem stellt sich vor und bietet eine Menge Möglichkeiten. Im Ausland wird es vielfach bewundert.

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Apples neue iPads Wer braucht noch schneller und dünner?

Apple will noch mehr iPads verkaufen. Also lockt man die Kunden mit noch dünneren und schnelleren Tablets. Doch dieses Feintuning ist ausgereizt. Die Gerätegattung hat ihre Grenze längst erreicht. Mehr Von Marco Dettweiler

17.10.2014, 08:27 Uhr | Technik-Motor
Werbebranche im Umbruch

Die Werbebranche hat ein Problem: viele junge Leute schauen kein Fernsehen mehr. Gerade bei dieser für Unternehmen besonders wichtigen Zielgruppe bleibt Fernseh-Werbung oft ungehört. Wer sie erreichen will, muss die Reklame in soziale Netzwerke wie Facebook, Twitter und YouTube bringen. Diesen Trend haben viele etablierte Agenturen verschlafen - eine Chance für kleine Kreativagenturen. Mehr

04.06.2014, 18:30 Uhr | Wirtschaft
Ehemalige DDR-Bürger Zum Neubeginn nach Rhein-Main

25 Jahre nach dem Mauerfall ist die deutsche Teilung Geschichte. Drei Menschen, die damals gingen und schließlich in Unternehmen der Region ihren Weg machten, erinnern sich. Mehr Von Jochen Remmert, Frankfurt

28.10.2014, 12:45 Uhr | Rhein-Main
Hoffnungsschimmer Deutschland Immer mehr junge Juden ziehen nach Berlin

Immer mehr junge Juden aus aller Herren Länder zieht es in die deutsche Hauptstadt. Die jüdische Gemeinschaft erstarkt, während sich in anderen europäischen Ländern viele Juden zunehmend rassistischen Parolen ausgesetzt sehen und nach Israel auswandern. Mehr

16.10.2014, 16:23 Uhr | Gesellschaft
European Youth Circus Absprung in die Luftnummer

Eigentlich kämpfen die Zirkusse um ihr Überleben. Beim European Youth Circus-Festival war davon keine Spur: Akrobaten aus elf europäischen Ländern zeigten, dass zumindest die Artistik kein Problem mit dem Nachwuchs hat. Mehr Von Hans Riebsamen, Wiesbaden

20.10.2014, 12:30 Uhr | Gesellschaft
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 04.07.2013, 16:09 Uhr

Stellensuche
Was
Wo