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Veröffentlicht: 15.11.2016, 12:55 Uhr

Vor dem IT-Gipfel Mach dich fit für die Digitalisierung

Viele Beschäftigte plagt die Sorge, von Robotern und Algorithmen verdrängt zu werden. Wie lässt sich das verhindern? Anregungen vor dem IT-Gipfel.

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© dpa Nehmen uns die Roboter die Arbeitsplätze weg? Mitarbeiter können sich schon jetzt wappnen.

Welche Folgen wird die rasante Digitalisierung der Wirtschaft für die Arbeitsplätze der Zukunft haben? Sind vernetzte Maschinen, kollaborative Roboter und künstliche Intelligenz eine gigantische Arbeitserleichterung und hieven die Erwerbsarbeit auf ein völlig neues Niveau? Oder ist die Technik in vielen Bereichen schon bald der bessere und günstigere Mitarbeiter, so dass Tausende oder gar Millionen Arbeitsplätze der technischen Revolution zum Opfer fallen werden, ohne dass auf der anderen Seite neue Stellen in annähernd gleichem Maß entstehen?

Sven Astheimer Folgen:

Die Diskussion über diese Fragen ist seit rund drei Jahren in vollem Gange. Damals schlug eine Studie hohe Wellen, in der die beiden Oxford-Ökonomen Carl Benedikt Frey und Michael Osborne die Automatisierungs-Wahrscheinlichkeiten für Hunderte Berufe ausrechneten. Sie kamen zu dem Ergebnis, dass in den kommenden zwanzig Jahren rund die Hälfte der Arbeitsplätze in Amerika gefährdet ist. „Die Menschen werden sich Jobs und Aufgaben zuwenden müssen, die nicht automatisierbar sind“, rät Autor Frey. „Gleichzeitig müssen einige die notwendigen Kompetenzen für die Bedingungen der neu eingeführten Technologien erwerben.“ Für Deutschland errechneten Wissenschaftler nach dieser Methode einen Wert von immerhin noch 42 Prozent. Das schreckte auch hierzulande die Politik auf. Seitdem steht das Thema - meist unter dem Begriff „Arbeiten 4.0“ - prominent auf der Agenda. Arbeitsministerin Andrea Nahles will noch im November ein Weißbuch mit Handlungsempfehlungen vorlegen.

 
Viele Beschäftigte plagt die Sorge, von Robotern verdrängt zu werden. Was können sie tun?

Auch auf dem nationalen IT-Gipfel am 16. und 17. November in Saarbrücken, zu dem auch Bundeskanzlerin Angela Merkel und Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel erwartet werden, steht die digitale Bildung im Mittelpunkt. Dort werden die Politiker ein Paket mit Handlungsempfehlungen überreicht bekommen, wie sich der digitale Wandel gestalten lässt. Autor ist die Plattform Industrie 4.0, ein Netzwerk von mehr als 150 Organisationen aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Verbänden und Gewerkschaften. Eine Arbeitsgruppe, deren Ergebnisse dieser Zeitung vorab vorliegen, befasst sich dabei mit Empfehlungen und Praxisbeispielen für Unternehmen und Beschäftigte, wie die Anforderungen der Digitalisierung bewältigt werden können. Dabei gibt es vier zentrale Schritte:

1. Veränderungen analysieren

Allein der gute Wille zur Qualifizierung der eigenen Mitarbeiter reicht nicht aus. Die Arbeitsgruppe empfiehlt daher, Instrumente zu nutzen, „mit denen ein realistisches und differenziertes Bild des Qualifizierungsbedarfs ermittelt werden kann“. Als Beispiel für ein solches Vorgehen wird Siemens genannt. Wie dessen Arbeitsdirektorin Janina Kugel in dieser Zeitung schon erläuterte, hat der Technologiekonzern zunächst die Veränderungen durch die Digitalisierung analysiert und anschließend Ausbildungsinhalte, Lehrmethoden und Trainer-Kompetenzen daran angepasst. Im Mittelpunkt standen dabei 25 Digitalisierungs-Kompetenzen, die zunehmend an Bedeutung gewinnen. Für jede betroffene Tätigkeit wurden dann Verschiebungen der Bedarfe in den Digitalisierungs-Kompetenzen ermittelt. Für den Servicetechniker zeigte sich zum Beispiel, dass unter anderem in den Kompetenzfeldern systemisches Denken, Netzwerk-Protokolle, Cloud Computing und Datenanalyse die Anforderungen in den nächsten Jahren enorm steigen werden. Anschließend konnten neue Lernsequenzen entwickelt werden, die die neuen Bedarfe abbildeten.

2. Ausbildung betrieblich gestalten

Ausgehend vom Fall Siemens, regen die Fachleute der Industrieplattform deshalb an, „Spielräume in der Gestaltung von dualen Ausbildungen im Betrieb noch mehr als bisher zu nutzen“. Als Beispiel wird die ABB Stotz-Kontakt GmbH in Heidelberg genannt. Die Konzerngesellschaft entwickelt, fertigt und vertreibt Energie- und Automatisierungstechnik. ABB habe nach der Neuordnung der zentralen Berufsausbildungen im Metall- und Elektrobereich um die Jahrtausendwende zunächst gewartet, wie sich die Anpassungen auswirken.

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