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Versicherungsvertreter Kein Beruf ist unbeliebter

02.04.2010 ·  Selbst den Beruf des Straßenkehrers finden die Deutschen attraktiver: Versicherungsvertreter stehen ganz unten auf der Beliebtheitsskala, wie eine Umfrage der Unternehmensberatung Faktenkontor zeigt. Mit dem Beruf verbinden die Menschen Begriffe wie „Aufquatschen“ und „Klinkenputzen“.

Von Philipp Krohn
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„Schließt man die Augen, so vermeint man Liszt zu lauschen!“ So schwärmerisch wird das Klavierspiel von Frantisek Hrdla beschrieben. Doch der denkt in der Pause vor einem Eroika-Auftritt an nichts anderes als an Mord, Unfall, Hagel und Nebel. Denn der Starpianist wäre lieber Versicherungsagent. In Jugendjahren hat er sich heimlich und gegen den Willen des Vaters mit Vertretern und Statistikern getroffen und einen hübschen Versuch über „Kapitalreserve und Umlagesystem“ verfasst.

So sehr glüht Hrdla für die Assekuranz, dass ihn selbst ein umjubelter Konzertabend und Autogrammjäger nicht davon abhalten können, einem alten Freund alle möglichen Policen gegen Schäden anzudrehen, von denen der nicht einmal geahnt hätte. So viel zur Legende, die Wolfgang Hildesheimer in einer Kurzgeschichte Anfang der sechziger Jahre beschrieben hat.

„Aufquatschen“, „Klinkenputzen“, „Übers Ohr hauen“

Die Realität sieht ernüchternd anders aus: Fast die Hälfte der Deutschen kann sich unter keinen Umständen vorstellen, Versicherungsvertreter zu werden. Die 45 Prozent Ablehnung sind die mit Abstand höchste Quote, die die Unternehmensberatung Faktenkontor nun in einer repräsentativen Umfrage ermittelt hat. Damit verwiesen die Vertreter Politiker (30 Prozent) und Fernfahrer (29 Prozent) auf die Plätze. Nur 3 Prozent der Befragten hatten eine hohe Achtung vor ihnen.

Mehr als 40 Prozent brachten das Berufsbild mit Begriffen wie „Aufquatschen“ und „Klinkenputzen“ in Verbindung, sogar drei Viertel mit „Übers Ohr hauen“. 29 Prozent würden ihren Kindern von einer Ausbildung in der Assekuranz abraten.

Ärzte und Journalisten auf Platz 9 und 10

Viele Vertreter selber dagegen sprechen von einer Tätigkeit, die viel mit Menschen und dem echten Leben zu tun hat. Doch meist zeige sich die Dankbarkeit der Kunden erst, wenn die elementarsten Schäden eingetreten sind und sie zufrieden feststellten, dass die Police die Leistung abdeckt.

Und wo die Unternehmen über gesättigte Märkte klagen, sehen die Vertriebler neue Herausforderungen: im Dickicht der Angebote, das mit der Liberalisierung der Märkte entstanden ist, verstehen sie sich als Dschungelführer. Vielleicht ist es für sie ein Trost, dass auch vermeintliche Traumberufe schlecht abschnitten: Auf Platz 9 und 10 der unbeliebten Berufe landeten Ärzte und Journalisten.

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Jahrgang 1977, Redakteur in der Wirtschaft.

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