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Unsere Unwortliste Das wollen wir 2013 nicht mehr hören

Viele Themen aus dem Nachrichtenalltag entpuppen sich als Eintagsfliegen. Andere haben das Zeug zum Dauerbrenner – und nerven irgendwann gewaltig. Die Redaktion von Beruf und Chance stellt ihre Unwortliste vor. Und auf was können Sie im kommenden Jahr verzichten?

© dpa Vergrößern Man ist einfach ausgebrannt

Burnout

Der moderne Büromensch hat - ja, auch Rücken, aber da zwickt es schon länger. Relativ neu, zumindest als Massenphänomen, ist dagegen der Burnout. Man ist einfach ausgebrannt. Die Zahl der Betroffenen, die sich zu Wort melden, steigt täglich.

Und weil die hochgerechneten Burnout-Kosten für die Volkswirtschaft schwindelerregende Höhen erreichen, floriert bereits die Burnout-Industrie: Seminaranbieter, die Inhalte alter Präventionskurse nun mit neuem Label erfolgreich an die verunsicherten Belegschaften bringen. Dabei ist die vermeintliche Volkskrankheit offiziell nur ein Syndrom. Wenn Menschen krank sind, körperlich wie psychisch, muss ihnen geholfen werden. Keine Frage. Aber dass kein anerkanntes Krankheitsbild für Burnout existiert, spricht allein schon Bände. Selbst offizielle Stellen tun sich mit einer Definition schwer.

In der gängigen Diskussion unter Laien wird deshalb vieles vermischt: Stressaufkommen und Drogenkonsum, permanente Erreichbarkeit durch Mobilfunktechnologie und steigende Arbeitsbelastung, unklare Zielvereinbarungen und mieses Betriebsklima. Allesamt ernstzunehmende Entwicklungen, mit deren Folgen sich Führungskräfte und Personalmanager ebenso auseinandersetzen müssen wie Beschäftigte, Betriebsräte und Arbeitswissenschaftler. Aber bitte, bitte nicht immer reflexartig unter dem Schlagwort Burnout. Und wenn man schon dabei ist, böte es sich an, bei der Gelegenheit auch gleich den faulen Zwillingsbruder Boreout auszumustern, der angeblich zu Tode gelangweilte, weil chronisch unterforderte Mitarbeiter bezeichnet. Dafür im Voraus ein entspanntes: Danke!

(svs.)

Migrationshintergrund

Zugegeben, ich habe dieses Wort auch schon in Texten benutzt - aber mit einem schlechten Gewissen. Das hat stilistische Gründe: Migrationshintergrund ist ein Wortungetüm, an Hässlichkeit kaum zu überbieten, für jeden Menschen mit Sprachempfinden eine Zumutung. Und doch ist es Teil des alltäglichen Sprachgebrauchs geworden.

Fast jeder Fünfte hat ausländische Wurzeln © dpa Vergrößern Der Begriff „Migrationshintergrund“ transportiert unterschwellig Vorurteile.

Hinzu kommen inhaltliche Gründe: Der Begriff stammt aus der Bürokratie. So definiert das Statistische Bundesamt, Menschen mit Migrationshintergrund seien alle nach 1949 auf das heutige Gebiet der Bundesrepublik Deutschland Zugewanderten sowie alle in Deutschland geborenen Ausländer und alle in Deutschland als Deutsche Geborenen mit zumindest einem nach 1949 zugewanderten oder als Ausländer in Deutschland geborenen Elternteil. Nun die Preisfrage: Hat die in Deutschland lebende Gymnasiastin, deren Mutter aus Amerika stammt und deren deutscher Vater als Arzt arbeitet, einen Migrationshintergrund? Nach der Definition schon, allerdings würde ihr im allgemeinen Sprachgebrauch kaum jemand dieses Etikett anhaften. Dem türkischstämmigen Hauptschüler, dessen Eltern in Deutschland geboren sind und dessen Großeltern aus Anatolien stammen, aber schon.

Und das ist das Problem: Migrationshintergrund kommt wie ein nüchterner Bürokratenbegriff daher, er transportiert aber unterschwellig Vorurteile. Also, in Zukunft Migrationshintergrund vermeiden und genau formulieren, welche Gruppe von Menschen gemeint ist.

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