http://www.faz.net/-gyl-75d3p
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 27.12.2012, 18:30 Uhr

Unsere Unwortliste Das wollen wir 2013 nicht mehr hören

Viele Themen aus dem Nachrichtenalltag entpuppen sich als Eintagsfliegen. Andere haben das Zeug zum Dauerbrenner – und nerven irgendwann gewaltig. Die Redaktion von Beruf und Chance stellt ihre Unwortliste vor. Und auf was können Sie im kommenden Jahr verzichten?

von , , , , und
© dpa Man ist einfach ausgebrannt

Burnout

Der moderne Büromensch hat - ja, auch Rücken, aber da zwickt es schon länger. Relativ neu, zumindest als Massenphänomen, ist dagegen der Burnout. Man ist einfach ausgebrannt. Die Zahl der Betroffenen, die sich zu Wort melden, steigt täglich.

Sven Astheimer Folgen: Lisa     Becker Folgen: Nadine Bös Folgen: Corinna Budras Folgen: Ursula  Kals Folgen: Julia Löhr Folgen:

Und weil die hochgerechneten Burnout-Kosten für die Volkswirtschaft schwindelerregende Höhen erreichen, floriert bereits die Burnout-Industrie: Seminaranbieter, die Inhalte alter Präventionskurse nun mit neuem Label erfolgreich an die verunsicherten Belegschaften bringen. Dabei ist die vermeintliche Volkskrankheit offiziell nur ein Syndrom. Wenn Menschen krank sind, körperlich wie psychisch, muss ihnen geholfen werden. Keine Frage. Aber dass kein anerkanntes Krankheitsbild für Burnout existiert, spricht allein schon Bände. Selbst offizielle Stellen tun sich mit einer Definition schwer.

In der gängigen Diskussion unter Laien wird deshalb vieles vermischt: Stressaufkommen und Drogenkonsum, permanente Erreichbarkeit durch Mobilfunktechnologie und steigende Arbeitsbelastung, unklare Zielvereinbarungen und mieses Betriebsklima. Allesamt ernstzunehmende Entwicklungen, mit deren Folgen sich Führungskräfte und Personalmanager ebenso auseinandersetzen müssen wie Beschäftigte, Betriebsräte und Arbeitswissenschaftler. Aber bitte, bitte nicht immer reflexartig unter dem Schlagwort Burnout. Und wenn man schon dabei ist, böte es sich an, bei der Gelegenheit auch gleich den faulen Zwillingsbruder Boreout auszumustern, der angeblich zu Tode gelangweilte, weil chronisch unterforderte Mitarbeiter bezeichnet. Dafür im Voraus ein entspanntes: Danke!

(svs.)

Fast jeder Fünfte hat ausländische Wurzeln © dpa Vergrößern Der Begriff „Migrationshintergrund“ transportiert unterschwellig Vorurteile.

Migrationshintergrund

Zugegeben, ich habe dieses Wort auch schon in Texten benutzt - aber mit einem schlechten Gewissen. Das hat stilistische Gründe: Migrationshintergrund ist ein Wortungetüm, an Hässlichkeit kaum zu überbieten, für jeden Menschen mit Sprachempfinden eine Zumutung. Und doch ist es Teil des alltäglichen Sprachgebrauchs geworden.

Wanderer © dpa Vergrößern Ein Berg nur für Studenten - dort oben wäre man endlich mal unter sich.

Hinzu kommen inhaltliche Gründe: Der Begriff stammt aus der Bürokratie. So definiert das Statistische Bundesamt, Menschen mit Migrationshintergrund seien alle nach 1949 auf das heutige Gebiet der Bundesrepublik Deutschland Zugewanderten sowie alle in Deutschland geborenen Ausländer und alle in Deutschland als Deutsche Geborenen mit zumindest einem nach 1949 zugewanderten oder als Ausländer in Deutschland geborenen Elternteil. Nun die Preisfrage: Hat die in Deutschland lebende Gymnasiastin, deren Mutter aus Amerika stammt und deren deutscher Vater als Arzt arbeitet, einen Migrationshintergrund? Nach der Definition schon, allerdings würde ihr im allgemeinen Sprachgebrauch kaum jemand dieses Etikett anhaften. Dem türkischstämmigen Hauptschüler, dessen Eltern in Deutschland geboren sind und dessen Großeltern aus Anatolien stammen, aber schon.

Und das ist das Problem: Migrationshintergrund kommt wie ein nüchterner Bürokratenbegriff daher, er transportiert aber unterschwellig Vorurteile. Also, in Zukunft Migrationshintergrund vermeiden und genau formulieren, welche Gruppe von Menschen gemeint ist.

1 | 2 | 3 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Siemens-Zentrale Wie wollen wir morgen arbeiten?

Alle schwärmen vom Silicon-Valley-Spirit. Selbst Siemens. Die neue Zentrale in München soll der Generation Y gefallen. Mehr Von Georg Meck

19.06.2016, 13:40 Uhr | Wirtschaft
Papua-Neuguinea Polizei schießt auf Studenten

Bei Studentenprotesten in der Hauptstadt von Papua-Neuguinea, Port Moresby, hat es Tote und Verletzte gegeben. Nach Augenzeugenberichten hatten Polizisten das Feuer auf Studenten eröffnet, die für eine Absetzung von Premierminister Peter O’Neill demonstriert hatten. Mehr

08.06.2016, 12:25 Uhr | Politik
Recruiting an Hochschulen Talentspäher auf dem Campus

Geschenke, Praktika, Stipendien: mit immer größerem Aufwand suchen Unternehmen an Hochschulen nach den Mitarbeitern von morgen. Oft profitieren beide Seiten - aber die Kritik wächst. Mehr Von Julia Groth

16.06.2016, 13:29 Uhr | Beruf-Chance
Santiago de Chile Chilenische Studenten liefern sich Straßenschlacht mit der Polizei

Die Demonstranten werfen der Mitte-links-Regierung vor, notwendige Reformen des Bildungssystems zu verschleppen. Mehr

27.05.2016, 12:08 Uhr | Politik
AfD-Gruppen an Hochschulen Gegen Studiengebühren, für Gummigeschosse

Die Jugendorganisation der AfD gründet immer mehr Hochschulgruppen, auch in Hessen. Der Sprecher der Kasseler Gruppe soll rechtsextrem sein, er selbst bestreitet das. Mehr Von Sarah Kempf, Kassel

15.06.2016, 12:02 Uhr | Rhein-Main

Gründen für den Online-Handel Das Lächeln gehört zum Geschäft

Immer mehr Online-Händler bieten Kunden an, Bestellungen noch am selben Tag zu liefern. Das Start-up Liefery aus Frankfurt will davon profitieren - und dafür sorgen, dass sich weniger Menschen über Zustelldienste ärgern. Mehr Von Martin Gropp 2 4