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Veröffentlicht: 18.11.2016, 13:02 Uhr

Umweltschutz Wie grün muss ein Gabelstapler sein?

Ab Januar müssen Unternehmen belegen, wie sie Klima und Umwelt schonen. Manager sind nervös. Ihnen droht der Kampf mit Bürokratie und Kulturwandel.

von Uta Jungmann
© Bloomberg Energieverbrauch senken hat Vorrang: Produktion des Herstellers LMH in Aschaffenburg.

Mit grünen Bildern und Beispielen, wie sich der Umweltschutz oder das Leben von Mitarbeitern und Kunden verbessern lässt, hübschen manche Unternehmen ihre Berichte zur Corporate Social Responsibility (CSR) gern auf. Doch solche Broschüren bleiben wertlos, wenn sie von internen Fakten und Zahlen nicht getragen werden. Davon ist Holger Hoppe überzeugt. Der Leiter für Nachhaltigkeitsmanagement beim Gabelstaplerhersteller Linde Material Handling, einer Tochtergesellschaft der Kion Group, sagt: „Es geht nicht um den schönsten Bericht“, sondern darum, das Thema Nachhaltigkeit systematisch und mit den richtigen Instrumenten in den Unternehmensabläufen zu verankern.“ Die Dokumentation der Ergebnisse sei dann nur das Sahnehäubchen obendrauf.

Internationale Unternehmen nutzen für solche Berichte meist die Richtlinien der Global Reporting Initiative (GRI G4), nationale Anbieter eher die vom Deutschen Nachhaltigkeitskodex (DNK). Beide Rahmenwerke fragen dabei die ökologischen und sozialen Auswirkungen der Geschäftstätigkeit nach Kennzahlen ab. „Ein Teil dieses Reportings stammt aus dem klassischen Berichtswesen der Finanz- und Personalabteilung“, erläutert Hoppe. Die übrigen Daten fließen aus Bereichen wie Einkauf oder Produkte hinzu. Sie alle werden dann mit einer eigenen Software zum einheitlichen Stichtag eingepflegt. „Die Ergebnisse verschaffen dem Steuerungskreis Nachhaltigkeit einen genauen Überblick, wo wir stehen“, sagt der Manager.

 
Ab Januar müssen Unternehmen belegen, wie sie Klima und Umwelt schonen. Die Manager sind nervös.

Daraus werden dann die Ziele entwickelt: Mit Blick auf den Klimawandel etwa die Senkung des Energieverbrauchs der Produkte und auch den bei ihrer Herstellung. Linde Material Handling (LMH) hat deshalb energieeffiziente Motoren in ihre Anlagen sowie langlebige Lithium-Ionen-Batterien in ihre Gabelstapler eingebaut. „Beides führt zu geringeren Betriebskosten“, sagt Hoppe. Dabei sorgen die Leiter der Handlungsfelder zur Nachhaltigkeit sowie die regionalen Koordinatoren im Unternehmen für die Umsetzung und Kontrolle der Maßnahmen.

„Unsere Einkäufer müssen immer mehr Details abklopfen“

Weitaus schwieriger ist es laut Hoppe, den Berichtsanspruch über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg zu erfüllen - bis hin zur Verpflichtungserklärung der Lieferanten zu Produktions- und Arbeitsbedingungen. Gefragt ist ein feines Gespür am Verhandlungstisch: „Unsere Einkäufer müssen immer mehr Details dazu abklopfen, ob unsere ökologischen und sozialen Bedingungen für einen Abschluss erfüllt sind oder nicht“, sagt er. Auch Risikoprüfungen und vertraglich vereinbarte Audits mit unangekündigten Kontrollbesuchen nehmen daher zu.

Die Erfahrungen mit dem CSR-Bericht will künftig auch Kion nutzen. Nach dem Vorbild ihrer Marke Linde möchte die Muttergesellschaft die Nachhaltigkeitsthemen für die gesamte Gruppe steuern und ihre Daten offenlegen. Ein Vorsatz aus gutem Grund: Denn von Januar 2017 an gilt eine EU-weite Berichtspflicht für börsennotierte Unternehmen, Banken und Versicherungen mit mehr als 500 Mitarbeitern und einer Bilanzsumme von mehr als 20 Millionen Euro. Sie müssen neben ihrer finanziellen Bilanz jedes Jahr auch Angaben zu Umwelt-, Sozialstandards oder Arbeitnehmerbelangen machen. Darüber hinaus werden Auskünfte zur Achtung der Menschenrechte sowie zur Bekämpfung von Korruption und Bestechung Pflicht. Dabei muss künftig der Aufsichtsrat prüfen, ob die Angaben zu diesen Themen vollständig vorliegen. Verstöße ziehen dabei hohe Bußgelder nach sich.

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