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Veröffentlicht: 14.04.2016, 06:13 Uhr

Umgang mit Hinterbliebenen In Trauer arbeiten

Der Kollege hat einen Todesfall in seinem nahen Umfeld. Die Unsicherheit im Büro ist groß. Wie geht man am besten damit um?

von
© Reuters Nach dem Tod ihres Mannes sei man ihr auf den Unternehmensfluren regelrecht ausgewichen, berichtet Facebook-Managerin Sheryl Sandberg.

Der Chef des IT-Unternehmens im Aachener Westen handelte in bester Absicht. Der Sohn eines geschätzten Kollegen war gestorben, die Umstände waren unklar. Wie begegnen wir dem trauernden Vater? Der Unternehmer bat die Trauerexpertin des Bistums, seine 200 Mitarbeiter darin zu schulen, angemessen mit dem Trauerfall umzugehen. „Die Firma geriet in Aufruhr, er wollte nichts falsch machen, wenn der Kollege wiederkam“, sagt Maria Pirch, Trauerbegleiterin der Innenstadtgemeinde Franziska von Aachen. Sie überzeugte den besorgten Chef davon, dass der Kreis kleiner sein muss. Schließlich versammelten sich 40 Mitarbeiter. Die Gemeindereferentin sorgte dafür, dass sich alle in einen Kreis setzten, „um die Leute ins Gespräch zu bringen“. Ein Frontalvortrag funktioniere bei so einem sensiblen Thema nicht. So erfuhren die IT-Spezialisten mehr über Innehalten, Aushalten, Abstand halten, „die drei Haltungen, die Gold wert sind“, sagt die Theologin. Die langjährige Notfallseelsorgerin findet das Engagement achtbar: „Das sind genau die Chefs, die gute Arbeit leisten möchten, auch für ihre Mitarbeiter, nicht nur für ihr Unternehmen.“ Dass sich der Chef mit einer Spende für ihren Einsatz bedankt hat, freut sie.

Ursula  Kals Folgen:

Schließlich ist sie nicht nur für 20.000 Katholiken der Pfarrei zuständig, sondern im Umgang mit Trauernden suchen viele bei ihr Rat. Die Not der Ratsuchenden ist immens, wenn ein Kollege einen Trauerfall im engsten Umfeld erleidet und vor die Aufgabe gestellt ist, „die Wirklichkeit des Todes zu begreifen“, wie der amerikanische Arzt William Worden sagt, der von Traueraufgaben als von Trauerphasen spricht, denn Aufgaben kann man selbst gestalten.

„Die Welt des Trauernden ist nicht mehr die Welt, die er vor dem Todesfall kannte. Deswegen muss auch die Umwelt dieser Veränderung Rechnung tragen und Aufmerksamkeit schenken“, bekräftigt Yvonne Russell. Die Personalentwicklerin im Bistum Trier ist der Meinung, dass man unmittelbar nach einem Todesfall fast nichts falsch machen kann. „Nur eines darf nicht passieren: Business as usual! Einfach weitermachen, als wenn nichts passiert wäre, ist nicht nur unhöflich, sondern verstörend.“

Ausweichen, nichts sagen

Aber Unsicherheiten sind groß, die wenigsten trauen sich an Trauernde heran. Das hat jeder schon erlebt oder beobachtet: Biegt Kollege S. ums Eck, der gerade seine Frau verloren hat, dann weicht man ihm aus, kurvt abermals über den Parkplatz oder verharrt im Büro, alles nur, um ihm nicht begegnen zu müssen - und seiner eigenen Unfähigkeit, mit der Ausnahmesituation umzugehen. Das Motto der Sprachlosen: Ich sage mal nix, dann kann ich auch nichts Falsches sagen. Ab einem gewissen Alter gärt zudem der Gedanke an die eigene Vergänglichkeit. So berichtete unlängst die Facebook-Geschäftsführerin Sheryl Sandberg, die mit 45 Jahren Witwe geworden ist: „Vielen meiner Kollegen stand die Angst ins Gesicht geschrieben, wenn ich mich ihnen genähert habe.“ Eine Art des offenen Umgangs mit einem heiklen Thema, die im amerikanischen Geschäftsalltag ungewöhnlich ist und von manchen Kollegen als geschicktes Eigenmarketing kritisiert wurde. Tod und Trauer passen eben nicht zum dynamischen Unternehmensalltag.

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