In Leitbildern wird Courage beschworen. Wer macht tatsächlich Karriere?
Das hängt von der Firmenkultur ab. Haben sie eine dominante Führung, wird Widerspruch kaum zugelassen. Autokratische Leute, die oft charismatisch sind, lassen Mitdenken nicht zu, denn sie haben klare Vorstellungen, und das ist dann Gesetz, besonders, wenn sie Eigentümer des Unternehmens sind. Sie haben auf der zweiten Ebene Leute, die das exekutieren.
Gibt es Berufsmilieus, in denen Überangepasstheit geradezu erwünscht ist?
Nein, das sehe ich nicht. In der Wirtschaft ist das eine Frage der Konstellation. Aber gerade in wirtschaftlich angestrengten Zeiten bringen Kopfnicker keinen weiter. Natürlich geht es auch darum, wie ich als Mitarbeiter etwas durch Fragestellungen bewirken kann. Da ist soziale Kompetenz beim Umgang mit Vorgesetzten gefragt.
Wie bremsen Chefs Mitarbeiter aus, die ihnen nach dem Mund reden?
Durch Provokation. Sie beim Wort nehmen, das Gegenteil von dem sagen, was sie zuvor geäußert haben, und dann nachfragen: Haben Sie Ihre Meinung plötzlich geändert? Und Mitarbeiter ausdrücklich ermutigen, ihre Ideen einzubringen – auch unbequeme.
Und wie sollten Kollegen Opportunisten gegenübertreten?
Das ist schwieriger. Sie können das nur ansprechen, wenn das Verhalten wirklich auffällig ist, und dann erklären: Ich bin schon überrascht, dass Sie immer der Meinung des Chefs sind.
Die Fragen stellte Ursula Kals.
Falsches Selbstbild
Wolfgang Wagner, M.A. (ww-bc)
- 11.04.2012, 15:53 Uhr
